Latin-Night, ein Spaziergang und ein ethnologischer Einwurf

31. Mai 2009  
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Am zweite Konzertabend des Afro-Pfingsten Festivals in Winterthur ragte der Auftritt der peruanischen Truppe Novalima heraus. Die NZZ am Sonntag, resp. David Signer spazierte derweil durch die von Marktständen und Essbuden überstellte Altstadt, und verteilt an die Gutmeinenden heilsame Kopfnüsse.

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Doch gehen wir erst chronologisch durch den Abend.

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Der Abend unter dem Motto „Noche Latina“ wurde von der Tänzerin und Sängerin Regina Ribeiro aus Bern eröffnet – ein zwiespältiger Auftritt, irgendwo zwischen Konzept und gutem Willen. Aber leider waren Musik, kurze Tanzeinlagen und Gastauftritte befreundeter Musiker ohne erkennbaren Zusammenhalt. Auch die Musik wirkte seltsam intellektuell und ohne Lebenssaft.

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Da hatten es die Herren des Orquesta Aragon einfacher: Sie spielen ihre Cha Cha Chas und Rumbas trotz über 50zig-jähriger Routine herzlich, engagiert und charmant. Für den weiblichen Charme-Tupfer holten sie Afia Mala aus Togo und Benin auf die Bühne.

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Lariba mischen Kulturen und musikalische Stile wild durcheinander: Mexiko, Kuba, HipHop, Salsa, Schweiz, Ragga. Hier geht es um den Spass und um stark gewürzte Lebensfreude, das Publikum liess sich dankbar vom Groove anstecken.

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Die Überraschung des Abends waren Novalima aus Peru, einigen vielleicht dank ihres Albums «Coba Coba» bereits bekannt. Live schaltet die mittlerweile 9-köpfige Truppe noch zwei Gägen höher: Was auf der Produktion im Lounge-Stil daher kommt, wird auf der Bühne zum Elektronik-Gewitter. Vertrackte peruanische Rhythmen und Techno-Loops ergänzen sich bestens. Publikum – und wie später im Interview zu erfahren war, auch die Band – genossen das Konzert sichtlich.

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Einen harten Stand hatten Madera Limpia. Ihr Kuba-HipHop Mix wirkte zerfahren. Mit Energie alleine rettet man leider keine Songs.

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Für die Orishas wurde der Auftritt zu einem Heimspiel (sie sind ja fast alle 6 Monate mal in der Umgebung von Zürich zu sehen und zu hören). Ganz klar Publikumsmagnet, und Liebling vor allem der jüngeren Konzertbesucher, lieferten sie einen routinierten Gig, der aber ständig zwischen Ups und Downs hin und her pendelte.

Die Altstadt ist voll

In den Gassen der Winterthurer Altstadt pilgern die Besucher im zeitweise schleppenden Lemming-Schritt vom Inder zum Schamanen, vom Trommler zum Bananenbier, und von den Glasperlen zum Solarkocher. Wir nehmen laden ein auf einen virtuellen Gang durch die Gassen, bitten aber auch darum, die Gedanken aus der NZZ am Sonntag zu lesen: Hier denkt David Signer über post-kolonialistisches Verhalten unsererseits nach, und verteilt heilsame Ohrfeigen:

Eine Veranstaltung wie Afro-Pfingsten ist ein Spiegel. Nicht ein Spiegel Afrikas, sondern von uns selbst. Denn die Marktfahrer inszenieren einfach das, was ankommt. Und wir – eigentlich hängen wir immer noch demselben Afrikabild an wie vor zwanzig oder fünfzig Jahren. Kein Wunder, bleiben viele Afrikaner, und gerade die «Integrierten», diesem Spektakel fern. Sie lassen sich nicht gerne diese Labels anhängen, diese wohlgemeinten «Multikulti»-Etiketten, diesen positiven Rassismus, der die Menschen nicht mehr nach Rassen, aber fein säuberlich nach Kulturen ordnet.

Der ganze Artikel ist hier nachzulesen – wärmstens empfohlen!

Mamane Barka – Introducing…

30. Mai 2009  
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mamane-barka-introducingDiese Produktion stellt nicht nur einen jungen Musiker vor, sondern auch sein äusserst selten gehörtes Instrument: die Biram.

Durch den schnellen Wandel der afrikanischen Gesellschaft gehen nicht nur viele Traditionen verloren, sondern auch viele Instrumente. Trommeln, die früher auf den Feldern gespielt wurden, Gesänge zur Bestimmung des Arbeitstempos und zur Motivation der Arbeiter, sind of schon vergessen. Ein ähnliches Schicksal hätte beinahe auch die Biram erleben müssen. Es ist eine 5-saitige Harfe, die einen langen, bootsförmigen Klangkörper hat, und einen gebogenen Hals. Die Saiten sind am Hals und an einem Steg befestigt, der direkt auf der Tierhaut aufgesetzt ist, welche den Klangkörper umspannt.

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20. Afro-Pfingsten Festival Winterthur – der Reggae-Abend

30. Mai 2009  
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Der erste Konzertabend in der Halle 53 auf dem Sulzer-Areal in Winterthur. Reggae aus Jamaica, USA, Elfenbeinküste, Burkina Faso, Senegal und der Schweiz war angesagt. Die Subwoofer standen bereit. Weiterlesen

Enzo Avitabile & Bottari – Salvamm’o munno

29. Mai 2009  
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enzo-avitabile-salvammo-munnoArchaische Perkussion auf Fässern und Kübeln, und Melodien aus dem ganzen Mittelmeer-Raum: Enzo Avitabiles Wieder-Entdeckung der Bottari lässt aufhorchen.

Als Saxofonist spielte Enzo Avitabile mit den Grössen aus Pop-, Jazz- und Worldmusic-Kreisen. Als Komponist  und Bandleader begann er seine Karriere mit Jazz und Funk. Nach  Engagements bei UNICEF (Zusammenarbeit mit Mory Kante), und diversen Theater- und Filmprojekten, fand er im Hinterland von Neapel eine archaische Musikform die ihm aus dem Herzen spielten. Bauern benutzten seit dem  14 Jhd. Fässer und Kübel als  Rhythmus-Geräte, um die bösen Geister auszutreiben oder um gute Ernten herbei zu trommeln.

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Radiokijada – Nuevos sonidos afro peruanos

28. Mai 2009  
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radiokijada-nuevos-sonidos-afro-peruanosEs lebe das Gebiss des Maultiers! Oder wie ein Electronica-Tüftler und ein Perkussionist eine Soundlandschaft malen.

Radiokijada sind der peruanische Perkussionist Rodolfo Muñez, und der Klangtüftler Christoph H. Müller, der Mann, der auch den Sound für Gotan Project schuf. Die beiden haben in den letzten Jahren in mehreren Sessions eine Klangwelt geschaffen, die archaische Instrumente und modernste Digitaltechnik verschmelzen liess. Der Hintergrund ist der afrikanische Einfluss auf die peruanische Musik als Folge der Sklaverei. Eine Wurzel des Projekts steckt in der Musikgeschichte, eine andere ist das Stromkabel.

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Angelique Kidjo – Djin Djin

27. Mai 2009  
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angelique-kidjo-djin-djinEs ist gut, Freunde zu haben. Aber alle gleichzeitig einzuladen ist nicht immer eine gute Idee: Man kommt einfach nicht dazu, mit allen auch wirklich zu sprechen.

Die Gäste tragen klingende Namen: Peter Gabriel, Carlos Santana, Ziggy Marley, Alicia Keys oder Joss Stone. Aber der Name alleine macht noch nicht den Song aus – und in in einigen Fällen gilt nicht mal der Slogan “It’s the singer, not the song”.  Die Gast-Instrumentalisten: Alles Meister ihres Faches, nur die Besten der Besten. Doch der Hacken: Nummern wie “Gimme Shelter” mit Joss Stone werden durch afrikanische Perkussion und zwei Backgroundchören auch nicht afrikanischer oder congenial erneuert – höchstes für das  Tanzpublikum.

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Ba Cissoko – Séno

26. Mai 2009  
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ba-cissoko-senoBa Cissoko hätte alles was es braucht, um endlich jenes Album zu machen, das seinem Können und dem seiner Band gerecht würde. Leider ist die Chance diesmal vertan.

Ba und seine Mitstreiter sind vor sechs Jahren mit einer ziemlich ungewöhnliche Besetzung ins Rampenlicht getreten: Bass, Perkussion, und zwei Koras. Eine davon elektrisch verstärkt, und machmal sogar über Distortion oder WahWah-Pedal gejagt – eine Art Kora-Rock schien hier zu entstehen. Leider haben die Musiker aus Guinea die Idee zu wenig zielstrebig weiter verfolgt. Die aktuelle Produktion versucht sich anzupassen, wo sie doch aufbrechen wollte zu neuen Ufern.

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Jake Shimabukuro – Live

25. Mai 2009  
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jake-shimabukuro-liveWas in 4 Nylon-Saiten und einem kleinen Holz-Resonanzkörper alles drin steckt zeigt Jake Shimabukuro, der Meister der Ukulele. Da flattern die Ohren!

Wer die die Begriffe Hawaii und Ukulele hört, landet unweigerlich bei Klischees von Sonne, Strand, Hula-Girls, Blumenkränzen etc. Da ist Jake Shimabukuro ein anderes Kaliber. Seit er sich als Vierjähriger in sein Instrument verliebt hat, versucht er alle seine musikalischen Einflüsse auf das kleine Instrument zu übertragen. Er macht das Unmögliche möglich und entlockt der Ukulele Töne, die man so noch nie gehört hat.

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Teofilo Chantre – Viajá

21. Mai 2009  
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teofilo-chantre-viajaDie fünfte Solo-Produktion des kapverdischen Songschreibers weitet den musikalischen Horizont enorm aus – die Sehnsucht beginnt zu tanzen.

Die musikalische Bekanntheit von Teofilo Chantre ist klar mit dem Erfolg seiner berühmtesten Interpretin, Cesaria Evora, verbunden. Für sie schrieb er drei Songs für jenes Album, das der Diva zu internationalem Erfolg verhalf, Miss Perfumado. Und er ist ihr seither als Songschreiber treu geblieben. Seine Lieder wurden, obwohl vertraut mit den Traditionen der kapverdischen von Morna und Saudade, immer stark von brasilianischen Einflüssen geprägt.

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Norient – Sonic Traces from the Arab World

20. Mai 2009  
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norientThomas Burkhalter ist Journalist und Musikethnologe. Und er hält sich am liebsten im arabischen Raum auf. Es ist ein Job zwischen Abenteuer und Unsicherheit, denn wer holt schon dieses Wissen ab. Also bringen Burkhalter und Kollegen ihre Fundstücke  selber unter die Leute.

Seine Web-Plattform heisst «norient». Sie definiert sich als «independent network for local and global soundscapes». Hardrock in Pakistan, Electronica aus Rumänien, Kwaito aus Südafrika – keine Weltgegend, die nicht in den Fokus der Norient-AutorInnen geraten könnte.

Mit der Performance «Sonic Traces from the Arab World» bieten sie am 24.5.09 im Kleezentrum Bern einen Einblick in Absurditäten, Trouvaillen und Un-erhörtes aus einer Weltregion, die normalerweise in den Medien ausschliesslich als dramatische, politische Bühne abgehandelt wird. Ein Interview dazu gibt es beim «Bund».

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