Jahresrückblick 2010 – irgendwie ein Best Of
31. Dezember 2010
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Am Ende eines Jahres wird ja gerne Bilanz gezogen. Generell kann ich sagen: 2010 war ein spannendes Jahr. Neue Sounds und Mixformen, die Tradition wird mehrfach und in allen Weltgegenden gebeugt, gedehnt aber nicht gebrochen. Ich versuche, keine Gewinnerliste zu erstellen, sondern lasse einfach nochmals das Jahr Revue passieren. Dies meine Auswahl:
Januar: Kottarashky – Opa Hey
Februar: Ali Farka Touré & Toumani Diabaté – Ali & Toumani
März: Wimme – Mun
April: Balkan Beat Box – Blue Eyed Black Boy
Mai: Mariem Hassan – Shouka
Juni: Ana Moura – Leva Me Aos Fado
Juli: Grupo Fantasma – El Existential
August: Enzo Avitabile – Napoletana
September: Moussou T E Lei Jovents – Putan de Cançon
Oktober: Antonio Zambujo – Guia
November: AfroCubism
Dezember: Christine Salem – Lanbousir
Und wie urteilen die KollegInnen?
Jede Redaktion hat ein etwas anderes Konzept. Spannend fand ich die Auswahl des Guardian von jenen CDs, die dieses Jahr irgendwie untergingen. Mondomix hat sich gleich für 50 Produktionen entschieden. Hier Teil 5, Teil 4, Teil 3, Teil 2, und die Favoriten. Spinner begnügt sich mit einer ganz kleine Auswahl, ebenso Worldmusic Central. SoundRoots ist etwas ausführlicher, und für RFI ist Weltmusik vor allem Musik aus Afrika. Hingegen fahren die World Music Charts Europe die volle 100er Liste aus.
Das Jahr ist voll, die Listen erstellt – wir freuen uns auf 2011!
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Listen To The Banned
22. Dezember 2010
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Dies ist eine politische CD. Es ist eine Sammlung von 14 Songs von MusikerInnen, die ihre Heimat verlassen mussten, weil ihre Musik den Herrschenden missfiel.
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Arooss-e-Aftaw – Farhad Darya (Afghanistan), Rebel Woman – Chiwoniso (Simbabwe), Alisero – Ferhat Tunç (Türkei)
Sie kommen aus dem Sudan, dem Libanon, Simbabwe oder dem Iran. Und leben jetzt im Exil in Norwegen, den USA, Ägypten, Frankreich oder Mali. Oder sie sind in Haft. Weil sie es wagten, offen gegen Korruption, Machtmissbrauch und Kriegshetze anzusingen. Weil selbst die härteste Zensur es nicht fertig brachte, die Aussagen zwischen den Zeilen und Tönen auszuradieren, und weil sie um ihr Leben fürchten mussten.
Chica Torpedo – Chauti Füess Un Es Warms Härz
21. Dezember 2010
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Es ist vielleicht ein Zeichen der Globalisierung, dass in der manchmal etwas beschaulichen Hauptstadt der Schweiz eine Truppe seit Jahren konsequent auf Latin-Sounds setzt – gottseidank.
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Krisenstab Housi, Margareta, Marta
Wo andere auf Trend setzen, setzt Chica Torpedo auf Kontinuität. Seit 4 CDs, und einigen Abstechern in Film- und andere Projekte, arbeitet die Band um Bandleader Schmidi Schmidhauser konsequent an ihrem Sound und Groove. Schmidhauser an seinen Texten. So anregend die Grooves auf die Tanzbeine wirken, so dramatisch und doch glaubwürdig erzählt der Sänger von den Irrungen und Wirrungen des Lebens an sich, und der Liebe im besonderen.
Maria Kalaniemi – Vilda Rosor
20. Dezember 2010
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Mit ihren wilden Rosen zeigt Maria Kalaniemi, dass sie nicht nur die Lieder Finnlands liebt und pflegt, sondern auch das schwedische Liederbuch.
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I Fjol, Under Fullmanen, Vilda Rosor
Das Instrument ist ein Monster, wenn man es auf den Knien der zierlichen Interpretin sieht. Maria Kalaniemi hat sich ausgerechnet das schwerste und grösste Knopf-Akkordeon aus der Modell-Vielfalt der Instrumentenfamilie ausgesucht: Das Free Base-Akkordeon. Aber dieses riesige Instrument erlaubt es der Künstlerin auch, so richtig in den Tönen und Soundwolken zu schwelgen. Und für einmal spielt auf diesem Album auch die Stimme eine wichtige Rolle.
Africa – 50 Years of Music
19. Dezember 2010
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2010 war das Jahr der grossen afrikanischen Unabhängigkeitsfeiern – obwohl diese wegen der unsicheren Weltlage fast untergingen. Aber für viele afrikanischen Staaten war es der 50. Geburtstag der eigenen Unabhängigkeit. Wohlverstanden, der politischen, und auf dem Papier unterzeichneten.
In vielen Befreiungskämpfen, aber auch in den anschliessenden Jahren der Selbstfindung spielte Musik eine grosse Rolle. Die Weltmusik-Label Syllart und Sterns, und die Radiostationen Radio France International RFI und France 24 haben zusammen aus diesem halben Jahrhundert Musik einen Sampler mit 18 CDs zusammengestellt.
Auf 18 CDs hat ja viel Platz, und doch vermisst man einige Künstler und Sängerinnen. Das hat zum einen mit dem Grundthema zu tun, denn nicht alle Musiker beschäftigten sich in ihren Songs mit Politik. Aber auch mit einigen auffäligen Abwesenheiten, z.B. Habib Koité oder Danyel Waro, ist diese, auch im zweisprachigen Booklet gut dokumentierte Sammlung, ein Fundus an bekannten Hits und unbekannten Songs. Mit einem Nachteil: Man braucht viel Zeit, um sich durchzuhören – aber was sind schon 20 Stunden im Vergleich zu 50 Jahre Unabhängigkeit.
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Mario Lucio – Kreol
17. Dezember 2010
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Der ehemalige Kopf der Kapverdischen Truppe Simentera legt ein weiteres Soloalbum vor, das eigentlich ein Duett-Album ist, denn er reiste mit seinen Liedern von Bamako bis Havanna.
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Kreol, Petit Son (feat. Pablo Milanes), M’Afrika (feat. Awa Sangho)
Ein wichtiger Beitrag der Truppe Simentera war es, in den 90er Jahren, die kapverdische Musik etwas weiter zu fassen, in einen grösseren Zusammenhang zu stellen. Die Inselgruppe ist seit mehreren Jahrhunderten ein wichtiger Ankerpunkt zwischen Europa, Afrika und dem amerikanischen Kontinent. Hier treffen westafrikanische, portugiesische, brazilianische und karibische Kulturströme zusammen. So ist es denn auch nachvollziehbar, wenn Mario Lucio sein neustes Werk dem Atlantischen Ozean widmet.
Radioclit presents – The Sound of Club Secousse
16. Dezember 2010
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Die Produktion ist was für den DJ-Bag. Die beiden Groove-Bastler von Radioclit präsentieren ihre Favoriten für heisse Clubnächte.
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The Very Best feat. Mo Laudi: Angonde, Magic System: Petit Pompier, Skeat: Dumelang
Etienne Tron aus Frankreich und Johan Hugo aus Schweden haben als Radioclit ihre Homebase in London. Als «The Very Best» produzierten sie zusammen mit Esau Mwamwaya schon mehr als einmal heisse Clubhits. Sie sind gefragte Remixer und legen in Paris, London und rund um die Welt auf. Der Nottinghill Arts Club ist ihre Residenz auf der Insel. Sie versammeln auf dieser CD einige Tracks, die sie in den Clubnächten gerne drehen lassen.
Syriana – The Road To Damascus
15. Dezember 2010
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Melodien und Harmonien aus dem Nahen Osten, umgesetzt im Orchesterkleid und verfremdet mit Surf-Gitarrensounds. Das könnte gut gehen, aber eben: könnte….
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Syriana, Gharibb (Stranger / feat. Lubana Al Quntar), Galatian Bridge at Dawn
Was im CD-Player dreht ist das Ergebnis eines Projekts, das leider zwischen Idee und Fertigstellung in die Mühlen der Missverständnisse und Kommunikations-Pannen geriet. Um es kurz zu machen: Die Band, die jetzt in England als Syriana unterwegs ist, hat nur noch wenig mit den Projekt-Initianten zu tun. Die waren der britische Dub-Guru Nick “Dubulah” Page, der syrische Kanun-Spieler Abdullah Chhadeh und der Bassist Bernhard O’Neill. Page schwebte ein ähnliches Projekt vor, wie er es vor zwei Jahren mit Dub Colossus vorgelegt hatte, aber im Kulturraum des Mittleren Ostens angesiedelt war.
Aynur – Rewend
14. Dezember 2010
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Die kurdische Sängerin hat sich fast fünf Jahre Zeit gelassen für ihr neues Album. Mehrheitlich traditionelles Songmaterial enthält es, aber ohne Staub und Patina, sondern in sorgfältigen, modernen Arrangements.
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Rewend (Nomad), Xivse, Xewn (Dream)
Aynur Dogan ist die Stimme der Kurden in- und ausserhalb der Heimat. Sie lebt aus ihrer Tradition, bezieht viele Lieder aus dem reichhaltigen, kurdischen Kulturschatz, lässt sich aber nicht als kurdisches “Aushängeschild” vereinnamen. Kurdisch hat bei ihr mit kultureller Definition, nicht mit irgendwelchen Nationalismen zu tun. Und sie arbeitet zusammen mit ihrem Saz-Spieler und Arrangeur Cemîl Koçgün daran, die Wurzeln dieser Kultur zu erforschen und zu pflegen.
Coconami – Ensoku
10. Dezember 2010
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Japaner reisen gerne, hat man den Eindruck. Und manchmal, selten, blieben sie hier in Europa hängen. Und singen auch unsere Lieder.
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Haru ga kita, Sukiyaki, Tintarella di luna
Miyaji und Kami kamen aus ganz unterschiedlichen Gründen nach München. Die eine, weil sie Musiktherapeutin werde wollte. Der andere, weil er die Kunst des deutschen Brotbackens lernen wollte. Und wenn man dann in der Fremde etwas Heimweh hat, singt man am besten ein Lied. Oder singt eines, das man hier kennen und lieben gelernt hat. Schmunzelnd wird es, wenn die Lieder aus den Sammlungen von Karl Valentin und Lisl Karlstadt stammen. Aus dem all-american, dem japanischen oder dem bayrischen Liederbuch. Oder von Guns’n'Roses.











