WOMEX 2011 – zweiter Konzertabend
31. Oktober 2011
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Die Kopenhagener haben die WOMEX in ihren Ausgehkalender aufgenommen: Viel Publikum in der zweiten Konzertnacht im Koncerthuset. Es wiederholte sich, was ich schon vor einem Jahr feststellen konnte: die Leute lieben „ihre“ Musiker. Der nordische Club, die kleinste Bühne, war meistens so brechend voll, dass das Publikum sich in langsamen Mäandern rein- und wieder rausschob.
Auf den anderen drei Bühnen gab es wuchtigen Vollgas-Tango mit Schwermetall- Anlehnungen vom Orquesta Tipica Fernandez Fierro aus Argentinien. Gänsehaut-Lieder von einer neuen Königin des Fado, Carminho. Und fingerzeigende Sufi-Mahnungen von Asif Ali Khan, dem Lieblingsschüler des grossen, verstorbenen Meister Nusrat Fateh Ali Khan.
Soundsysteme, Charme und Witz
Elage Diouf aus dem Senegal hat in Kanada eine neue Heimat und eine rockige Truppe gefunden; aus Quebec, also dort wo Kanada französisch spricht, brachten Les Charbonniers de l’Enfer ihre amüsanten A Capella Tanznummern. Und aus Kolumbien und Brasilien reisten die Soundsysteme von BaianaSystem und dem Systema Solar an. Blitz the Ambassador und vor allem seine scharfe Truppe hielten mit Grooves aus New York dagegen.
Eine Klasse für sich war Eliza Carthy, eine der Galionsfiguren des neuen Folk-Booms aus England. Und einen witzigen Spiegel wurde uns von Sotho Sounds vorgehalten: Aus Mangel an Geld hat die Truppe sowohl Instrumente wie Kostüme aus Altmaterial zusammen gebastelt: Viel Witz und Herz, eine echte Portion Mumm und viel Herzensgroove.
Die Konzerte während des Tages in der EXPO-Halle entpuppten sich trotz recht hohem Geräusch-Hintergrund-Pegel als Entdeckungsreisen. So gab es einen äusserste erfinderischen Akkordeonisten aus Finnland zu hören: Annti Paalanen.
Die Slideshow der ersten Konzertnacht gibt es hier.
Der Eröffnungsabend kann hier nachvollzogen werden.
WOMEX 2011 – der erste Konzertabend
28. Oktober 2011
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Die Konzertabende an der WOMEX sind jeweils bis zur Übersättigung gefüllt. Wer zwischen 21.00 Uhr und 02.00 Uhr morgens durch die vier Konzertlokale im Koncerthuset in Kopenhagen wandert erhält rund 15 Konzerte geboten – jeden Abend!
Und schon tagsüber gibt’s im Expo-Areal Konzerte, so z.B. das der beiden Shamisen-Virtuosen Shunsuke Kimura und Etsuro Ono.
Der erste Abend bot u.a. eine Menge Spanien: Im offiziellen Programm die Sänger-Legende Duquende. Und in der Off-Womex-Bühne zwei Mal Flamenco der konzertant-jazzig-latino Art. Berrogüetto aus Galizien vermochten dort wieder musikalische Nahrung zu bieten, wo vorher mit Arrangements und Aufwand etwas mehr Schein und Darstellungskunst angesagt gewesen war.
Ikonen und Überraschungen
Drei Bands oder Interpreten, die eigentlich in jede Worldmusic-Sammlung gehörten: Aus Irland der Accordeonist Mairtin O’Connor, so was wie die lebendige Tradition mit hüpfendem Tanzknie, mit alten Weggefährten. Der Mali-Blueser Boubacar Traoré und sein Harmonika-spielender Begleiter Vincent Bucher zeigten tänzelnden Blues von der vielseitigen Sorte. Und die Marseiller Moussu T et Lei Jovents zogen leider das Los, als erste auf der Bühne stehen zu müssen – sie hätte viel mehr und begeisterteres Publikum verdient!
Eine All Star Band hatte Alan Bern zusammengestellt: Neben seinen Klezmer-Freunden hatte er die besten Musiker aus der Balkan-Lautari-Szene unter der Leitung von Kálmán Balogh zusammengebracht: Hohes artistisches Können, aber leider ging die Spielfreude etwas unter. Dass hohes Handwerk und Spiel, ja sogar Schalk, durchaus zusammenpassen machten Johanna Juhola und ihre Reaktori-KollegInnen vor: Finnischer Tango mit elektronischem Beat-Boden.
Eine Überraschung dann aus New York – dort scheinen sich Forro aus dem brasilianischen Norden und Bluesgrass-Tunes bestens zu verstehen. Matuto auf jeden Fall boten Musik und Grooves, die mächtig gespannt machen auf das erste Album der Truppe – soll noch dieses Jahr in Europa erscheinen!
Der Eröffnungsabend mit einer Verbeugung an die Musikstile Ungarns ist hier.
WOMEX – der Eröffnungsabend mit ungarischem Herzschlag
27. Oktober 2011
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Die dritte und letzte Ausgabe der WOMEX in Kopenhagen wurde am 26.Oktober mit einem ungarischen Abend eröffnet. Alles was Rang und (klingende) Namen in der ungarischen Musik hat, stand auf der Bühne. Zu hören: Von der Tanz-Folk Musik interpretiert von Tükrös, über die Tambura-Vertreter Söndörgö, die Zymbal-Meister Kálmán Balogh und Miklós Lukács, die rockig bis punkigen Töne von Miklós Both und Dongó Szokolay bis zu den Sängerinnen Agi Szalóki und Kátya Tompos.
Ich war einmal mehr erstaunt, wie wenig ich über die ungarische Musikszene wusste – und wie vertraut doch die Melodien und Rhythmen klingen. Kein Wunder eigentlich, denn sowohl über das Revival der Balkanmusik, die Jahrhunderte dauernde Verbindung mit Österreich, aber auch in den Kompositionen von z.B. Bela Bartok war dieser Klang doch immer in den Ohren Westeuropas. Und die aktuellen Interpretationen der ungarischen Künstler zeigen, dass sie auch Rock und Jazz bestens in ihre Melodien und Arrangements integriert haben.
Gurrumul – Rrakala
17. Oktober 2011
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Geoffrey Gurrumul Yunupingu eroberte schon mit seinem ersten Album die Ohren und Herzen von FreundInnen der harmonischen Klänge. Dieses Album knüpft nahtlos an den Vorgänger an.
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Baru, Ya Yawirriny, Bakitju
Es ist unpassend, von einem Komponisten und Sänger wie Gurrumul zu verlangen, dass er sich dem Pop-Musikbusiness anpasst und sich ständig neu definiert. Nein, Gurrumul singt was er ist: Ein Kind des Arnhemlandes, des nördlichsten Territoriums von Australien. (Hier gibt’s einen Zeit-Artikel der etwas mehr über das Land erzählt als nur gerade die geografischen Fakten.) Die Aborigines sind das Land, und sie singen über das Land, oder vielleicht würden sie auch sagen, sie singen das Land.
Terakaft – Aratan N Azawad
14. Oktober 2011
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Sie sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre Weggefährten, Tinariwen, doch unterwegs mit zwei unterschiedlichen Absichten: die Pflege der alten Ermahnungen und die Suche nach neuen Grooves.
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Aman Wi Kawalnen, Amazzagh, Agoz Imgharen
Die Musiker der bei uns bekannten Wüstenrocker schöpfen aus derselben Quelle: Ibrahim Ag Alhabib und Inteyeden Ag Ablil gelten als Gründer des Tuareg-Rocks. Der erste ist noch heute Frontmann von Tinariwen, der zweite ist leider gestorben. Aber sein Bruder, Diara, ist Sänger und Gitarrist von Terakaft. Darum tönen beim ersten Hinhören die beiden Bands so eng verwandt. Terakaft tönen soundmässig etwas spröder – das liegt auch daran, dass sie als Quartett unterwegs sind: Gitarren, Bass, Kalebasse, fertig – haben aber auch neue Rhythmen und Harmonien aus der westlichen Musikwelt integriert.
Lepisto, Munnelly, Tesi, Le Tron, Laloy – Accordion Samurai
12. Oktober 2011
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Nur weil fünf Akkordeonisten aus fünf verschiedenen Ländern zusammen spielen bedeutet das noch lange nicht, dass sie das Erbe des Accordion Tribes antreten wollen.
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Trioolé, Polar Balkan, Mia
Die Gemeinsamkeiten erschöpfen sich gerade mal mit der Anzahl der Akkordeonisten – fünf. Schon die Herkünfte sind anders. Ja, es hat einen Finnen dabei: Markku Lepistö, bekannt von seiner Arbeit mit Värttinä und jetzt im Duett mit seinem Bass-Kollegen Pekka Lethi. Dazu kommt David Munnelly, quasi Irland pur. Der Italiener Riccardo Tesi hat neben seiner eigenen Band Banditalia schon mit fast der ganzen Welt gespielt, oder zumindest mit dem ganzen Mittelmeerraum. Der Franzose Bruno Le Tron und der Belgier Didier Laloy sind als Solisten aber auch im Duett sowohl in der Folk- wie der Theaterszene bestens bekannt.
Inna Zhelannaya – Cocoon
10. Oktober 2011
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Die russische Sängerin ist auf einer fortwährenden Suche nach neuen Zugängen zu den traditionellen Liedern Russlands. Als aktuellen Türöffner nutzt sie vermehrt die digitalen Klangmittel.
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Well, Naya Naya, Early Early
Inna Zheannaya beginnt zur Zeit so was wie eine dritte Karriere. Schon die beiden ersten Abschnitte hatten sie in ganz Russland und darüber hinaus bekannt gemacht. Der Ansatz ist dabei gleich geblieben: mit unterschiedlichen Formationen lotet sie das heimatliche Songbook aus. Oft gaben funky Rhythmustruppen das Tempo vor, während sie und ihr langjähriger Begleiter Sergey Starostin Klangwelten zwischen Folk und Art-Rock um die traditionellen Melodien herum arrangierten. Die Bandstationen damals hiessen «Alliance» oder «The Farlanders».
Amina Alaoui – Arco Iris
9. Oktober 2011
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Eine melancholische Erinnerung an eine Zeit, die vor tausend Jahren den Westen der Mittelmeerregion prägte. Gleichzeitig eine moderne Interpretation von Musikgeschichte.
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Fado Al-Mu’tamid, Las Morillas de Jaén, Arco Iris
Amina Aloui wurde in Fes geboren und wuchs sehr früh in die andalusische Musik hinein. Wobei hier nicht das heutige Andalusien gemeint ist, sondern das Al-Andalus vor 1000 Jahren, als der Süden der iberischen Halbinsel eine Provinz erst des Kalifats und später verschiedener Berber-Königshäuser war. Für die Region war es eine Zeit von wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Aus der Musik die damals gespielt wurde, und die heute zusammenfassend als Gharnati bezeichnet wird, entwickelten sich viel später Stile wie der spanische Flamenco oder den portugiesische Fado.
New Sounds from Pernambuco – Gratis Download
7. Oktober 2011
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Pernambuco ist eines der kreativen Musik-Regionen Brasiliens. Wer sich einen Einblick verschaffen will, in welche Richtung die Musiker ihre Songs entwickeln: Sounds & Colors, der englischsprachige Blog mit den direkten Links nach Südamerika bietet einen Gratis-Sampler an: Musica da Massa!
Von Andenpop über Electronica-Träumereien und Rock-Experimente bis zu knalligen Ska-Gitarren ist alles da. Ein weit gespannter, witziger und überraschender Einblick in eine quirlige Szene.
June Tabor & Oysterband – Ragged Kingdom
7. Oktober 2011
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Sie produzierten schon vor 21 Jahren ein epochales Album für die Folkrock-Welt – jetzt machen sie es noch besser. Passt bestens in die neue englische Folk-Szene.
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That Was My Veil, Son David, Seven Curses
June Tabor ist eine jener englischen Stimmen, welche für Drama, Lamento und melancholische, englische Balladen stehen. Ihre Karriere überspannt mehr als 35 Jahre und an die 20 Produktionen. Die Oyster Band ist genau gleich lange unterwegs und brachte es auf ein paar Produktionen mehr. Sie stehen für Folkrock der rockigen Sorte mit sozialkritischen Tönen in den Texten. 1990 veröffentlichten sie zusammen das Album «Freedom & Rain» und schufen einen Folk-Roots-Meilenstein. Letztes Jahr brachte Sängerin und Band für einige Konzerte erneut zusammen – und wieder sprang der Funke.








