Aziz Sahmaoui & University of Gnawa – Mazal

20. Dezember 2014  
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aziz-sahmaoui-and-university-of-gnawa-mazal-gsDer marokkanische Saitenvirtuose und Sänger hat seine Universität der Gnawa um ein paar Fakultäten erweitert: die spanischen Einflüsse sind deutlicher, subtile Arrangements brechen die geraden Rhythmen.


Schon mit dem Erstling »University of Gnawa« hatte Sänger und Bandleader Aziz Sahmaoui die Richtung vorgegeben: Fest verwurzelt in den vielfältigen Musiktraditionen des Magreb, ein kräftig schlagendes Herz in den Basslinien der Gnawa, und die Melodien leicht jazzig angehaucht. Dieser Zweitling weitet den Melodienreichtum noch aus, bezieht das spanisch-andalusische Erbe mit ein und lässt die Rhythmen komplexer wirken.

Sahmaouis Truppe ist fest zusammen gewachsen, die Grooves stolpern nie, auch wenn die Rhythmen mal die geradlinigen Takt-Struktur brechen. Die Melodien sind »mittelmeerig« geworden, die Feinheiten liegen in den Arrangements. So wächst das Album zu einer äusserst abwechslungsreichen Liedersammlung. Wenn Sahmaoui auf seiner Facebook-Site seine physischen Heimaten angibt – Dakar, Marrakesch, Paris – beschreibt er damit gleichzeitig die stilistische Weite des Repertoires.

Da selbst komplexe Rhythmen und verwinkelte Melodien zum tanzen einladen, möchte man sich am liebsten gleich selber in dieser Universität zum Studium anmelden. Oder zumindest in der Aula sitzen und mitklatschen.

Rating: ★★★★☆ 

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Kronos Quartet – A Thousand Thoughts

6. Dezember 2014  
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kronos-quartet-a-thousand-thoughts-gsDie vier Saiten-Spezialisten des Kronos Quartett haben aus ihrem riesigen Archiv eine grosse Handvoll Juwelen aus verschiedensten Sessions mit anderen Musikern zu einer spannenden Weltreise zusammen gefasst.

Wenn sich die vier Musiker von Kronos auf andere Musiker einlassen, dann mit Haut und Haar – und dies ist manchmal wörtlich zu nehmen. Eine kurze Anekdote aus dem Booklet: Als sie mit der chinesischen Pipa-Spielerin Wu Man zusammen arbeiteten, nutzte Hank Dutt einen Pferdehaar-Bogen, der sonst zum spielen der Pferdekopf-Geige verwendet wird. Die anderen Musiker lernten mit Gong und Pfeifen umzugehen. Abenteuer ist eben ein Grundmotto des Quartetts.

Was haben sie aus den Archiven geholt? Besagte Zusammenarbeit mit Wu Man, eine irische Melodie eingespielt mit Tony MacMahon, eine Komposition von Terry Riley interpretiert von Chor Le Mystère des Voix Bulgares, ein Tango mit Astor Piazzolla, ein Song mit der Bollywood-Ikone Asha Boshle. Die Bandbreite ist enorm. Für mich ist diese CD keine Sammlung von Melodien und Liedern sondern bestes Kino im Kopf. Stimmungen, Skalen versetzen mich sofort in andere Länder, nie wirken die Szenen überzeichnet. Es ist eine lange Traumreise auf einer ruhigen Wolke.

Wer das musikalische Abenteuer liebt und gerne im Kopf reist: hier ist ein perfekter Guide für mindestens ein Mal rund um die Welt!

Rating: ★★★★★ 

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Carlos Nuñez – Inter-Celtic

5. Dezember 2014  
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cd coverDas Wortspiel darf ernst genommen werden: der Mann und seine Flöten besuchen keltische Mitstreiter auf der ganzen Welt und in ganz unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen.


Genau genommen ist dies kein neues Album. Gerade mal zwei neue Songs aus den vergangene zwei Jahren sind darauf zu finden. Aber es ist ein Album, das die Vielseitigkeit der Flöten- und Gaita-Töne zu so was wie einem Konzeptalbum zusammenfasst. Denn wenn Nuñez mit den Chieftains zusammen spielt (auf drei Songs) tönt das anders, als wenn er mit dem Harfenspieler Alan Stivell zusammen musiziert.

Oder mit dem anderen grossen Bretonen, Dan Ar Braz, oder Ry Cooder, oder irischen Musikern rund um Donal Lunny, oder mit seinem Hausquartett. Die Flöten geben auf diesem Album den Ton an, und die Gaita packt der Meister nur aus, wenn er gegen das Volumen der schottischen oder irischen Dudelsäcke anpfeifen muss. Es ist ein Album voller Schmelz und Melodien. Und wenn da hin und wieder etwas viel süsse Harmonie drin steckt – das liegt an der keltischen Seele, die kennt auch den süssen Schmerz.

Wer die CD physisch erwirbt erhält dazu noch eine DVD mit elf Titel, live auf verschiedenen Bühnen eingefangen. Auf mehr als der Hälfte der Songs sind die Chieftains mit von der Partie.

Rating: ★★★★☆ 

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Meridian Brothers – Salvadora Robot

5. November 2014  
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meridian-brothers-salvadora-robot-gsEs fiept und gluckst, es wabert und schlingert, es groovt und schlenzt und das alles auf irgendwie südamerikanisch, zwischen Chincha und Cumbia, zwischen Schwurbel und Hype.

Hinter den Meridian Brothers steckt Elbis Alvarez aus Bogota. Und im Kopf dieses einen Mannes müssen sich ziemlich seltsame Dinge abspielen. Oder vielleicht ist es auch nur ein hochgradiger Drang zum Verspielten, zum Tüfteln, zum Schräg-Skurrilen, zum Zerlegen von Hörgewohnheiten, welche diese Musik entstehen lässt. Und auf der Bühne muss es ähnlich zu und hergehen. Folgerichtig textete das Paleo-Festival auch mal:

Suchen Sie nicht nach einem Sinn in seiner avantgarditischen Show, Sie finden es nicht heraus.

Drum nur zum Sound – es ist herausfordernde Musik. Ist es Musik? Ja, irgendwie sind es schon Song-Strukturen, welche das Ganze zusammen halten. Alvarez scheint sich einen Spass daraus zu machen, wo immer Wohlklang aufkommen könnte den gleich wieder durch schräge und wabernde Electronica-Töne oder leicht quengelnden Sprechgesang zu zerstören. Nicht ganz kaputt zu machen, sondern nur zu zerbröseln, zu quetschen, zu verfremden.

Frei nach dem Motto: Irgendwo zwischen Chincha, Tom Waits, Psychedelik, Cumbia und Verweigerung ist auch Platz für mich.

Rating: ★★★☆☆ 

Chlopcy Kontra Basia – Oj Tak!

4. November 2014  
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chlopcy-kontra-basia-oj-taki-gsDie Jungs gegen Basia – nun sind es gottseidank nur zwei Jungs am Schlagzeug und Bass, die gegen die witzige, polnische Sängerin Basia Derlak antreten. Mit denen nimmt sie’s alleweil auf.

Schlagzeug, Bass, Stimme – das ist rudimentär und herausfordernd. Das Trio aus Krakau hat sich zwar ans traditionellen Repertoire angelehnt, aber in keinster Weise den Traditionalisten verpflichtet. Hier wird vielmehr die Art und Weise des Songschreibens kopiert und in bester swingender Jazztradition mit polnischem Witz und modernen Grooves gemischt.

Nur gerade auf einem Song hilft ein Kollege am Wurlitzer Piano aus, sonst schöpfen die Drei alles aus eigenen Fähigkeiten: Basia ist ausgebildete Klarinettistin, Schlagzeuger Tomasz perkussioniert auch mal auf dem Piano oder tschilpt auf seiner Futujara. Das Trio ist jedoch auch in dieser spärlichen Besetzung klang- und vor allem groove-vielseitig überzeugend. Basia weiss mit ihrer hohen, unschuldigen Stimme bestens und in jedem Rhythmus zu bezirzen, zu verführen.

Eine überraschende Aufnahme aus Polen, einem Land, in dem die eigenen Folk-Tradition auf ganz abenteuerliche Art neu aufgefrischt wird.

Rating: ★★★★☆ 

The Faranas & Baba Salah – Run Run

15. Oktober 2014  
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the-faranans-&-baba-salah-run-runThe Faranas,  eine vom Afrobeat infizierte schweizerische Truppe, unternahm 2012 eine Reise nach Westafrika  und schloss dort Freundschaft mit Baba Salah, einem Gitarristen aus Mali – die Geburtsstunde dieser Produktion.

Die Produktion ist die Folge eines Zufalls mit anschliessend wachsender Freundschaft. Der Zufall: Während ihres Aufenthalts am Festival Jazz à Ouaga in Burkina Faso trafen die Berner Afrobeat-, Jazz- und Funk-Musiker The Faranas auf den Gitarristen Baba Salah Cissé. Dieser ist nicht nur wegen seiner Zusammenarbeit mit Oumou Sangaré in Westafrika ein gefeierter Gitarrist. Aus den Jams in Westafrika wurde eine Einladung nach Bern. Die Arbeit der Band mit Baba Salah rund um das Buskers-Festival 2013 legte den Boden für diese Produktion. Die Reisegeschichte durch Westafrika erzählte Ane Hebeisen im «Bund» in neun Kapiteln.

Die Berner wollen keinen puren Afrobeat spielen. Sie sind keine Kopisten, sondern eignen sich die Rhythmen und Grooves an, mischen grosszügige Portionen Jazz und Funk dazu. Bereits Frontmann Mory Samb aus dem Senegal bringt afrikanische Roots-Anbindung. Der Gitarrist und Sänger Baba Salah bringt das Ganze zum tanzen. Hier trifft Mandingo Schmelz auf Präzision. Während die Band oberscharf auf den Punkt spielt kann Salah es sich erlauben, mal etwas hinter dem Beat seine Soli zu spielen, oder mit seinen perlenden Licks vorwärts zu drängen.

Transkontinentale Grooves mit schweizerisch-untypischen Schweissperlen und grossem Grinsen!

Rating: ★★★★☆ 

Boulpik – Konpa Lakay

15. September 2014  
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boulpik-konpa-lakay-gsGerade weil das Leben in Port-au-Prince hart ist sind Franckel Sifranc und seine Truppe  so was wie ein Hoffnungsschimmer, eine singende Zeitung und Gute-Laune-Geber, Troubadoure und Überlebenskünstler. Das steckt auch uns an!

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Kompanía – Round Trip

7. August 2014  
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kompania-round-trip-gsDie Kraft dieses Rembetika- und Smyrneika-Repertoires wird wunderbar vorgetragen von den vier Leadstimmen von Kompanía: tragisch-leidend, schwelgend, hoffend, träumend.

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Beyond Addis

25. Juli 2014  
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Wer sein Herz an die äthiopischen Skalen und Melodien verloren hat, der kriegt mit dieser Scheibe die Ohren voll: Musiker aus allen Kontinenten sind diesen Klängen ebenso verfallen.

Der Untertitel sagt es so: «Contemporary Jazz & Funk inspired by Ethiopian Sounds from the 70s». Der Mann, der diese Tracks für das Trikont Label zusammen getragen hat, JJ Whitefield, beruft sich mehrmals auf die Wichtigkeit von Keyboarder und Vibraphonist Mulatu Astatke für die Verbreitung dieser so einzigartigen Skalen und Melodien. Denn mittlerweile gehören diese zum Repertoire von Bands auf allen Kontinenten.

Die Shaolin Afronauts aus Adelaide oder Les Frères Smith aus Paris mixen die Melodien mit einem gehörigen Schuss Afrobeat. Die Tezeta Band aus Oregon hat namhaften äthiopischen Musikern bei ihren Konzerten im Westen als Backingtruppe gedient, und das Genfer Imperial Tiger Orchestra trägt seit Jahren diese Sounds wieder auf den afrikanischen Kontinent zurück. Natürlich ist auch Astatke zusammen mit seinen Heliocentrics zu hören.

Es ist eine Produktion die kaum mehr aus dem Player rauszukriegen ist! Zwischen Groove und Cool ist alles dabei. Auch Jazz!

Rating: ★★★★★ 

Habib Koité – Soô

23. Juli 2014  
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habib-koite-sooHabib Koité lässt seine Projekte und Lieder reifen. Das führt dazu, dass seine Songs so selbstverständlich daher kommen, als seien sie schon immer da gewesen.

Der «weisse Griot» trägt nicht nur seit Jahrzehnten Eindrücke und Lieder aus seiner Heimat Mali zusammen. Er bringt auch seine Eindrücke von seinen Reisen rund um den Globus nach Hause. Grossthema dieses Albums ist das Zusammenleben in all seinen Facetten: von der Hilfe in der Nachbarschaft, von der Mutter, die ihre Tochter wegen der Beschneidung verloren hat, aber auch von der Begeisterung über ein Fussballspiels.

Koité ist seiner Gitarre mit Nylonsaiten treu geblieben. Und er hat sich (seit der Zusammenarbeit mit Eric Bibb) in ein zweites Instrument verliebt: das Banjo. Ansonsten ist seine Musik noch “akustischer ” geworden, selbst wenn Keyboards und modernste Technik im Einsatz sind: alles ist “handgemacht”, atmet analog. Die Songs leben von den fliessenden Melodien und der hellen Stimme von Habib.

Wie weit sein Klang-Horizont reicht, zeigt auf der einen Seite eine Hommage an alle Kora- und Ngoni-Saitenkünstler der Vergangenheit. Dafür holte er Toumani Diabaté und Bassekou Kouyaté ins Studio. Auf der anderen Seite, in «Balon Tan» dem Lied über den Fussball, hat der junge Rapper Master Soumi seinen Auftritt.

Rating: ★★★★☆ 

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Ibibio Sound Machine – Ibibio Sound Machine

23. Juli 2014  
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London-Ghana-Nigeria heisst die Biografie-Linie dieser Truppe. Die Aufgabe: Geschichten der Grossmutter aus Nigeria dem Dancefloor-Publikum des Londoner Nachtlebens erzählen.

Frontfrau Eno Williams kann auf zwei Quellen zählen: ihr nigerianisches Erbe und auf diverse DJs und Produzenten der aktuellen Funk-Dancefloor-Szene Londons. Dazu kommt noch der Gitarrist der Ur-Funk-Truppe Konkoma aus Ghana, Kari Bannermann. Und, nicht ganz unwichtig: erschienen ist die Scheibe bei Soundway, die sich ja vor allem durch ihre Wiederveröffentlichungen von altem Sound-Material aus den 70er und 80 Jahren von Kenia bis Ghana einen Namen gemacht haben.

So tönt das Ganze denn auch: Funky, etwas spröde Gitarren, tiefe Bässe, ein paar psychedelische Electro-Spielereien, wirkungsvolle Tanzbein-Grooves ohne viel Firlefanz, ein paar Anleihen an Afrofunk und synkopierende Bläsersätze. Stets im Vordergrund Eno, die in London aufgewachsene Sängerin, die in ihrer Muttersprache Ibibio Geschichten ihrer Grossmutter erzählt. Das tönt ein bisschen nach «The Very Best», doch mit viel weniger Sequenzer-Härte und mehr Coolness.

Globalisierte Grossstadt-Sounds mit einer grossen Verbeugung vor den 70er und 80 Jahre-Grooves Westafrikas. Je cooler die Songs umso überzeugender die Truppe.

Rating: ★★★½☆ 

Forabandit – Port

21. Juli 2014  
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forabandit-portDie zweite Produktion des Trios erscheint unter einem Bandnamen: dem Titel der ersten CD. Gleichgeblieben ist die Kraft der Songs zwischen Okzitanien und Anatolien.

Die erste CD firmierten sie noch mit ihren Namen: Sam Karpienia, Ulas Özdemir und Bijan Chemirani. Jetzt haben sie den CD ihrer ersten Produktion zum Bandnamen gemacht. Mandoloncello, Saz, filigrane bis harte Perkussion und zwei Stimmen, die Geschichten aus dem Okzitanien im Westen des Mittelmeers und der Azik-Tradition im Osten erzählen.

Kraftvoll ist die Musik der Drei, leidenschaftlich. «Port» – Hafen – ist mehr als eine Metapher. Die Lieder von Ulas und Sam erzählen nicht nur vom Verlassen oder Verlassen werden, sondern auch von der harten Arbeit auf See, in den Öltankern. Sie singen auch von der Ausbeutung in den Zeiten der Globalisierung. Und sie tun dies mit einem inneren Schub, welcher vergessen macht, dass hier akustische Instrumente Mittelmeer-Lieder mit einer Rock-Attitüde versehen.

«Forabandit» ist die Mischung von Troubadour und Rock, von Mittelmeer, Traum und Sehnsucht.

Rating: ★★★★☆ 

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Orchestre National de Barbès – Dame De Coeur

18. Juli 2014  
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orchestre-national-de-barbes-dame-de-coeurDas maghrebinische Nationalorchester aus dem Norden von Paris hat viele Freundinnen ans Mikrofon geholt: Souldiven, Sahara-Ikonen und Chansonetten.

Die eine Grundfärbung dieses Albums heisst: Gitarren raus, abrocken! Die andere: Lass die Ladies ans Mikrophon! Und hinter allem groovt die maghrebinische Rhythmusmaschine: Die Qaraqib rattern, die Handtrommeln wirbeln. Doch auf diesem Album sind mehr denn je die Grossstadttöne Europas zu hören: Soul, Blues, Chanson und viel Rock.

Die Band passt sich den Gastsängerinnen an: Zwischen Chanson und Spoken Word ist die Band mit Malouma unterwegs. Für Tanya Michelle darf es ein rechter Schuss Soul und Gospel sein, einen andalusischen Hauch gibt’s für Samira Brahmia. Und dazwischen rocken die Herren auch mal ohne Frontfrau los.

Ein lockeres Album das die Lust am Jam, an den Stilwechseln des Orchesters in den Vordergrund rückt – inkl. Gitarrenwucht!

Rating: ★★★★☆ 

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Antonio Castrignanò – Fomenta

17. Juli 2014  
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antonio-castrignano-fomentaCastrignano ist auch Frontmann der «Notte Della Taranta», und so ist verständlich, dass Pizzica und Tarantella aus dem Salento das Repertoire seiner dritten Solo-Produktion bestimmen.

Die Tarantella, dieser schnelle Veitstanz, ist in Apulien zuhause, hat sich aber schon vor Jahrhunderten bis in die klassischen Werke von Franz Schubert oder Sergei Rachmaninov emporgearbeitet. Die “kleinere Schwester”, die Pizzica, hat es erst in den letzten zwei, drei Jahrzehnten geschafft, sich in die Ohren der Worldmusic-Gemeinde zu pflanzen – dafür nachhaltig.

Antonio Castrignanò ist Tamburisto, Sänger und Filmmusik-Komponist. Er ist zwischen den Blechorchestern, den Dudelsäcken und Gitarren, den Fideln und Trommeln Süditaliens aufgewachsen. Wie an vielen Mittelmeerküsten haben auch die magrebinischen Tonleitern der Streicher Nordafrikas hier eine neue Heimat gefunden. Produziert wurde das Album vom flötenspielenden Synthesizer-Wizard Mercan Dede aus der Türkei. Zusammen schaffen es die beiden, die “alte” Musik Süditaliens in die Hörgewohnheiten unserer Zeit zu transponieren.

Man muss nicht unbedingt von der Tarantel gestochen werden, um zu diesen Melodien und Rhythmen das schnelle Tanzbein zu schwingen!

Rating: ★★★★☆ 

Pippo Pollina – L’appartenenza

15. Juli 2014  
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pippo-pollina-l'appartenenzaDie Herkunft von Pippo Pollina ist unüberhörbar: Er gehört zur Gilde der poetisch-kritischen Cantautori, und bringt in diesen Wochen sein 19. Album quer durch Europa live auf die Bühnen.

Ist er ein Überlebender? Nein, dazu ist er zu lebendig. Und doch: Hört man Pippo Pollina tauchen nostalgische Erinnerungen auf an die grosse Zeit der italienischen Cantautori zwischen Fabrizio de André, Lucio Dalla oder Franco Battiato, an die 80er und 90er Jahre. Er ist beobachtend und beschreibend, ist tief italienisch aber ohne San-Remo-Gefallsucht. Sein Handwerk beschreibt er im Song «Cantautori»:

Wir sagen gerade raus, was uns stört.
Damit ihr sofort wisst, wer wir sind,
um uns sicher keine Sympathien einzuheimsen auf der Strasse.
Wir sind alles Waisen von Enzo und Fabrizio.

Sein 19. Album bringt den neusten Melodienreigen zwischen Melancholie und Aufbegehren. Er, der Sizilianer, bittet (im Duett mit Giorgio Conte) um einen Tag am Meer, geht verloren zwischen Wolkenkratzern und Illusionsfabriken, spricht, jetzt als Schweizer, mit der Landesmutter Helvetia, und sucht immer wieder sein Zuhause. Es sind Lieder, als sitze der Sänger immer irgendwo mit einem Koffer auf einem Bahnsteig – der Zug wird schon kommen.

Pollina ist ein Poet, kein Träumer, ein Liederschmied. Er beobachtet, sinniert und bringt in Töne, was er mit Worten nicht fassen kann.

Rating: ★★★★☆ 

Dub Colossus – Addis To Omega

5. Juni 2014  
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dub-colossus-addis-to-omega-gsCount Dubullah hat den Bandnamen behalten, aber einen nicht ganz vollständigen, stilistischen U-Turn vollzogen. Jetzt zielt er definitiv auf jene Clubs, in denen nicht geschwitzt wird, sondern wo man cool über die Tanzfläche gleitet. Was auf den letzten Alben Afrikanisches direkt vom Kontinent war, ist nun Afrikanisches aus der Diaspora, geschult in R’N’B und geschliffen in London.

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Sékouba Bambino – The Griot’s Craft

7. Mai 2014  
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sekouba-bambino-the-griots-craftDieselbe CD ist unter dem Namen «Diatiguyw» auch bei Syllart erschienen. Sie zeigt mehrheitlich die Griot-Seite von Sékouba Bambinos Musikschaffen – und ist quasi eine Art Zwischenbilanz nach 20 Jahren im Geschäft. Tolle Stimme, die Songs sind sehr auf’s Erzählen ausgerichtet, und manchmal schimmert seine Erfahrung mit der Truppe «Africando» durch, z.B. auf Kaba Mousso.

 

 

Hurray For The Riff Raff – Small Town Heroes

5. Mai 2014  
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hurray-for-the-riff-raff-small-town-heroes-gsHurray For The Riff Raff: dahinter steckt vor allem die Sängerin  und exzellente Songschreiberin Alynda Lee Segarra. Basis der Band ist New Orleans, doch die Songschreiberin ist viel unterwegs, und vertont die Tragödien des Alltags die ihr an irgendwelchen Theken erzählt werden, oder die sie selber erlebt.

»Small Town Heroes« ist eine Sammlung von besten Americana-Songs. Weder stampfende, pop-lastige Countrysongs für Truckers und andere Motorenliebhaber, sondern liebevoll instrumentierte  Folk-Songs mit viel Ruhe und Zeit. Man hört noch beinahe das Campfeuer knistern.

Donso – Denfila

12. April 2014  
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Die elektronische Zusammenarbeit zwischen Paris und Bamako ist um eine weitere Paarung bereichert. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf Electronica und Klangwebereien.

Donso trägt seit 2007 seine Versatzstücke zusammen. Auch wenn die musikalische Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Mali über die Jahre schon manche Partnerschaft hervor brachte (z.B. Amadou & Mariam mit Manu Chao, Mamani Keita & Nicolas Repac, Sissoko & Segal, Issa Bagayogo & Yves Wernert) tauchen immer wieder erfreuliche Kombinationen, wie eben hier Donso, auf. Electronica ist die Grundnote.

Aus dem ursprünglichen Trio wurde für diese zweite Produktion ein Quintett. Und auch wenn einige Beats klar nach dem Dancefloor schielen, ist immer noch erfreulich viel Lied-Kraft in den Stücken. Schwere Synth-Basslinien kontrastieren mit hellen N’Goni Loops, die Stimmen kommen verhallt daher, Sequenzer-Beats und von Hand geschlagene Perkussion ergänzen sich bestens. Es ist kein wirklicher Überhit dabei, aber der Gesamtgroove stimmt.

Elektronischer Klangteppich auf dem Flug zwischen den Kontinenten, mal im Trance-Style, mal in Lounge-Mood.

Rating: ★★★☆☆ 

Amsterdam Klezmer Band – Blitzmash

3. April 2014  
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amsterdam-klezmer-band-blitzmashDie Klezmer-Groover aus den Niederlanden haben ihren Sound von einem Sequenzer-Akrobaten aufbohren lassen und haben mal ganz ungeniert fremde Stile heimgesucht.

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