Beyond Addis

25. Juli 2014  
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Wer sein Herz an die äthiopischen Skalen und Melodien verloren hat, der kriegt mit dieser Scheibe die Ohren voll: Musiker aus allen Kontinenten sind diesen Klängen ebenso verfallen.

Der Untertitel sagt es so: «Contemporary Jazz & Funk inspired by Ethiopian Sounds from the 70s». Der Mann, der diese Tracks für das Trikont Label zusammen getragen hat, JJ Whitefield, beruft sich mehrmals auf die Wichtigkeit von Keyboarder und Vibraphonist Mulatu Astatke für die Verbreitung dieser so einzigartigen Skalen und Melodien. Denn mittlerweile gehören diese zum Repertoire von Bands auf allen Kontinenten.

Die Shaolin Afronauts aus Adelaide oder Les Frères Smith aus Paris mixen die Melodien mit einem gehörigen Schuss Afrobeat. Die Tezeta Band aus Oregon hat namhaften äthiopischen Musikern bei ihren Konzerten im Westen als Backingtruppe gedient, und das Genfer Imperial Tiger Orchestra trägt seit Jahren diese Sounds wieder auf den afrikanischen Kontinent zurück. Natürlich ist auch Astatke zusammen mit seinen Heliocentrics zu hören.

Es ist eine Produktion die kaum mehr aus dem Player rauszukriegen ist! Zwischen Groove und Cool ist alles dabei. Auch Jazz!

Rating: ★★★★★ 

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Ibibio Sound Machine – Ibibio Sound Machine

23. Juli 2014  
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London-Ghana-Nigeria heisst die Biografie-Linie dieser Truppe. Die Aufgabe: Geschichten der Grossmutter aus Nigeria dem Dancefloor-Publikum des Londoner Nachtlebens erzählen.

Frontfrau Eno Williams kann auf zwei Quellen zählen: ihr nigerianisches Erbe und auf diverse DJs und Produzenten der aktuellen Funk-Dancefloor-Szene Londons. Dazu kommt noch der Gitarrist der Ur-Funk-Truppe Konkoma aus Ghana, Kari Bannermann. Und, nicht ganz unwichtig: erschienen ist die Scheibe bei Soundway, die sich ja vor allem durch ihre Wiederveröffentlichungen von altem Sound-Material aus den 70er und 80 Jahren von Kenia bis Ghana einen Namen gemacht haben.

So tönt das Ganze denn auch: Funky, etwas spröde Gitarren, tiefe Bässe, ein paar psychedelische Electro-Spielereien, wirkungsvolle Tanzbein-Grooves ohne viel Firlefanz, ein paar Anleihen an Afrofunk und synkopierende Bläsersätze. Stets im Vordergrund Eno, die in London aufgewachsene Sängerin, die in ihrer Muttersprache Ibibio Geschichten ihrer Grossmutter erzählt. Das tönt ein bisschen nach «The Very Best», doch mit viel weniger Sequenzer-Härte und mehr Coolness.

Globalisierte Grossstadt-Sounds mit einer grossen Verbeugung vor den 70er und 80 Jahre-Grooves Westafrikas. Je cooler die Songs umso überzeugender die Truppe.

Rating: ★★★½☆ 

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Orchestre National de Barbès – Dame De Coeur

18. Juli 2014  
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Das maghrebinische Nationalorchester aus dem Norden von Paris hat viele Freundinnen ans Mikrofon geholt: Souldiven, Sahara-Ikonen und Chansonetten.

Die eine Grundfärbung dieses Albums heisst: Gitarren raus, abrocken! Die andere: Lass die Ladies ans Mikrophon! Und hinter allem groovt die maghrebinische Rhythmusmaschine: Die Qaraqib rattern, die Handtrommeln wirbeln. Doch auf diesem Album sind mehr denn je die Grossstadttöne Europas zu hören: Soul, Blues, Chanson und viel Rock.

Die Band passt sich den Gastsängerinnen an: Zwischen Chanson und Spoken Word ist die Band mit Malouma unterwegs. Für Tanya Michelle darf es ein rechter Schuss Soul und Gospel sein, einen andalusischen Hauch gibt’s für Samira Brahmia. Und dazwischen rocken die Herren auch mal ohne Frontfrau los.

Ein lockeres Album das die Lust am Jam, an den Stilwechseln des Orchesters in den Vordergrund rückt – inkl. Gitarrenwucht!

Rating: ★★★★☆ 

Mehr über das Orchestre National de Barbès

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Pippo Pollina – L’appartenenza

15. Juli 2014  
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Die Herkunft von Pippo Pollina ist unüberhörbar: Er gehört zur Gilde der poetisch-kritischen Cantautori, und bringt in diesen Wochen sein 19. Album quer durch Europa live auf die Bühnen.

Ist er ein Überlebender? Nein, dazu ist er zu lebendig. Und doch: Hört man Pippo Pollina tauchen nostalgische Erinnerungen auf an die grosse Zeit der italienischen Cantautori zwischen Fabrizio de André, Lucio Dalla oder Franco Battiato, an die 80er und 90er Jahre. Er ist beobachtend und beschreibend, ist tief italienisch aber ohne San-Remo-Gefallsucht. Sein Handwerk beschreibt er im Song «Cantautori»:

Wir sagen gerade raus, was uns stört.
Damit ihr sofort wisst, wer wir sind,
um uns sicher keine Sympathien einzuheimsen auf der Strasse.
Wir sind alles Waisen von Enzo und Fabrizio.

Sein 19. Album bringt den neusten Melodienreigen zwischen Melancholie und Aufbegehren. Er, der Sizilianer, bittet (im Duett mit Giorgio Conte) um einen Tag am Meer, geht verloren zwischen Wolkenkratzern und Illusionsfabriken, spricht, jetzt als Schweizer, mit der Landesmutter Helvetia, und sucht immer wieder sein Zuhause. Es sind Lieder, als sitze der Sänger immer irgendwo mit einem Koffer auf einem Bahnsteig – der Zug wird schon kommen.

Pollina ist ein Poet, kein Träumer, ein Liederschmied. Er beobachtet, sinniert und bringt in Töne, was er mit Worten nicht fassen kann.

Rating: ★★★★☆ 

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Donso – Denfila

12. April 2014  
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Die elektronische Zusammenarbeit zwischen Paris und Bamako ist um eine weitere Paarung bereichert. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf Electronica und Klangwebereien.

Donso trägt seit 2007 seine Versatzstücke zusammen. Auch wenn die musikalische Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Mali über die Jahre schon manche Partnerschaft hervor brachte (z.B. Amadou & Mariam mit Manu Chao, Mamani Keita & Nicolas Repac, Sissoko & Segal, Issa Bagayogo & Yves Wernert) tauchen immer wieder erfreuliche Kombinationen, wie eben hier Donso, auf. Electronica ist die Grundnote.

Aus dem ursprünglichen Trio wurde für diese zweite Produktion ein Quintett. Und auch wenn einige Beats klar nach dem Dancefloor schielen, ist immer noch erfreulich viel Lied-Kraft in den Stücken. Schwere Synth-Basslinien kontrastieren mit hellen N’Goni Loops, die Stimmen kommen verhallt daher, Sequenzer-Beats und von Hand geschlagene Perkussion ergänzen sich bestens. Es ist kein wirklicher Überhit dabei, aber der Gesamtgroove stimmt.

Elektronischer Klangteppich auf dem Flug zwischen den Kontinenten, mal im Trance-Style, mal in Lounge-Mood.

Rating: ★★★☆☆ 

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Peatbog Fairies – Dust

2. April 2014  
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Gälische Flöten- und Geige-Melodien auf treibenden Beats, irgendwo zwischen Rock und  Dancefloor, funky Basslinien und afrikanische Gitarrenriffs, und das alles aus Schottland: eine Entdeckung!

Man darf zwischendurch schon dankbar sein, gibt es noch Fachmagazine wie fRoots - die helfen einem Musik zu entdecken. Chefredaktor Anderson hat in seiner April-Nummer die Peatbog Fairies auf’s Titelbild gesetzt. Nicht weil die eine neue CD  veröffentlicht hätten, sondern weil fRoots eine Vorschau auf den dichten Sommerkalender für Folk-Festivals auf der englischen Insel bringt. Und diese Schotten gelten als Garant für ausgelassene Tanzparties und tauchen entsprechend viel auf den Affichen auf.

Als sich dann die letzte Produktion im CD-Player drehte wusste ich, warum die Band so gelobt wird: Hochansteckend ist die Energie, welche die Truppe verbreitet. Geige und Flöten geben den Ton an, Bodhran und Drums treiben vorwärts, Keyboards und Gitarren wechseln bei jedem Song das Hemd. Es ist Folk, gespielt von Handwerkern, welche die klassischen Liederbücher vor und rückwärts kennen. Doch es sind neue Songs, die sich nicht genieren, wenn eine gälische Flötenmelodie mit einer Soukous-Gitarre flirtet, oder wenn Electronica-Einsprengsel und Dub-Schlaufen mit solidem Handwerk wetteifern.

Ach ja, alles instrumental! Ich würde diese Produktion jedem schenken, der die Nase rümpft wenn ihm jemand etwas von “schottischem Folk” erzählt. Wetten der beginnt gleich mit zu wippen und zu klopfen?

Rating: ★★★★½ 

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Nathalie Natiembé – Bonbon Zetwal

26. März 2014  
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Sie singt nicht um zu gefallen, sondern weil sie muss. Für diese Sängerin ist die Musik ein Rettungsanker, um nicht von den Stürmen des Lebens weggefegt zu werden.

Nathalie Natiembé hat es sich nie einfach gemacht. Weder im Leben noch in ihrer Musik. Sie hat die Musik gewählt, um sich die Dämonen des Lebens und des Leidens vom Leibe zu halten – mindestens für den kurzen Zeitraum eines Songs. Auch wenn man die ursprüngliche Wurzeln ihrer Kompositionen kaum mehr heraushört: die Natiembé singt eine Ausformung des Maloya, roh, hart, zornig.

Rock, Chanson und tiefste Seelenfarben mischt die Sängerin aus La Réunion in ihre Musik. Weit liegen die akustischen Zeiten von Sankèr (2005) zurück. Die Beats sind härter geworden, die Melodien französischer, härter. Unterstützt von einem sehr agilen Trio zwischen Rock und Electro singt die Diva von ihren jüngsten Abstiegen in die Abgründe ihrer Innenwelt, vom Absturz in den Alkohol oder den Verlust ihrer Liebsten.

Maloya wenn es um Seelenbilder geht, aber garantiert nicht Maloya wie ihn die Puristen definieren. Das sind kraftvolle Rock-Chansons.

Rating: ★★★★☆ 

Mehr Info über Nathalie Natiembé.

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The Soil – The Soil

13. März 2014  
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A Capella aus Johannesburg, eine Frau, zwei Männer, mit einem jazzigen Unterton und einer Beatbox – umwerfend, betörend, warmherzig.

«Wir begannen 2003 an unserer Highschool in Johannesburg. Mit offenen Jamsessions für alle, die mitmachen wollten. Und immer war eine Beatbox dabei», erzählt Ntsika die Entstehungsgeschichte der Band in einem Interview mit Afripop. Manchmal waren’s bis zu 25, die zusammen sangen. Heute sind sie noch ein Trio – wobei sie sie immer auch ein viertes Bandmitglied erwähnen – The Creator of all.

Die Gospel-Harmonien Südafrikas und der Mbaquanga-Groove sind da, Jazz à la Simphiwe Dana, ein Schuss Bubblegum von Brenda Fassie und die tiefen Verwandtschaft mit Busi Mhlongo. Dazu eine gehörige Ladung R’n’B und Rap amerikanischer Herkunft. Musikalisch, habe ich den Eindruck, ist sich die Band noch nicht ganz sicher ob sie jetzt Pop für ein westliches Publikum machen, oder doch näher bei ihren eigenen Wurzeln bleiben wollen. Wobei, glaubt man Sänger/Beatboxer Buhle, dürfte das nicht so schwer sein. Er baut auf den Ratschlag seiner Mutter: «Never forget where you came from!»

The Soil – die erste CD trägt den Bandnamen –  hat in Südafrika Platinstatus erreicht, und dürfte auch hierzulande gerne runter geladen werden, denn physisch ist in Europa kein Tonträger zu bekommen. Und bitte nicht verwechseln mit der Heavy-Metal-Band gleichen Namens….

Rating: ★★★★☆ 

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Paco de Lucia – Entre Dos Aguas

1. März 2014  
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Als ich vom Tod von Paco de Lucia erfuhr, holte ich jene CD aus dem Archiv, die mich mit dem Ausnahme-Gitarristen erstmals in Kontakt brachte – sie ist auch heute noch ein wunderbares Stück Musikgeschichte.

Die späten 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts brachten den Spaniern das grosse Aufatmen nach der Diktatur Francos. Und Europa eine neue Flamenco-Welle. Einer der neuen Stars des Flamenco hiess Paco De Lucia. Seine CD «Entre Dos Aguas» zeigt auch heute noch auf, was im Flamenco drin steckt, wenn man ihn nicht als “nationale Musik” missbraucht, oder als Gitano-Musik in eine Folklore-Ecke drängt.

Lese oder höre ich heute die Nachrufe auf den Ausnahmekönner De Lucia (hier von Radio SRF, von Spiegel Online, von DerBund) so sind sich die Laudatoren einig, dass de Lucia eine Ausnahmeerscheinung war. Nicht einig sind sie sich, ob er dies war, weil er sein Instrument auch in musikalische Stile hinein trug, die weit weg von den Wurzeln des Flamenco waren. Oder weil er in diesen Ausflügen eben gerade aus der tiefsten Wurzel des Flamencos, der Emotion, der Empathie mit Mitmusikern, Tänzern, Sängern, seine Improvisations- und Interpretationskraft bezog.

Auf jeden Fall: Hier, auf «Entre Dos Aguas» ist vieles schon da: seine Affinität zum Jazz – Larry Coryell tritt als Gastmusiker auf – die Verknüpfung mit der Klassik, die elektrische Bassgitarre, neue Perkussion. Es fehlt einzig der Bezug zum Gesang, der grossen musikalischen Liebe von Paco.

Rating: ★★★★☆ 

La Troba Kung-Fu – Santalegria

26. Februar 2014  
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Mestizo-Sound aus der Grossregion Barcelona. La Troba Kung-Fu kümmern sich weniger um stilistische Feinheiten, als vielmehr um freudige Party-Stimmung. Mittelmeer-Freudiges, ein paar Entlehnungen aus spanisch-sprachigen Kulturkreisen jenseits des Ozeans, vor allem Kolumbien, und ein rechter Schuss Rock – und braucht nicht mal eine Steckdose, funktioniert auch akustisch.

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