Boulpik – Konpa Lakay

15. September 2014  
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boulpik-konpa-lakay-gsGerade weil das Leben in Port-au-Prince hart ist sind Franckel Sifranc und seine Truppe  so was wie ein Hoffnungsschimmer, eine singende Zeitung und Gute-Laune-Geber, Troubadoure und Überlebenskünstler. Das steckt auch uns an!

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Kompanía – Round Trip

7. August 2014  
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kompania-round-trip-gsDie Kraft dieses Rembetika- und Smyrneika-Repertoires wird wunderbar vorgetragen von den vier Leadstimmen von Kompanía: tragisch-leidend, schwelgend, hoffend, träumend.

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Beyond Addis

25. Juli 2014  
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Wer sein Herz an die äthiopischen Skalen und Melodien verloren hat, der kriegt mit dieser Scheibe die Ohren voll: Musiker aus allen Kontinenten sind diesen Klängen ebenso verfallen.

Der Untertitel sagt es so: «Contemporary Jazz & Funk inspired by Ethiopian Sounds from the 70s». Der Mann, der diese Tracks für das Trikont Label zusammen getragen hat, JJ Whitefield, beruft sich mehrmals auf die Wichtigkeit von Keyboarder und Vibraphonist Mulatu Astatke für die Verbreitung dieser so einzigartigen Skalen und Melodien. Denn mittlerweile gehören diese zum Repertoire von Bands auf allen Kontinenten.

Die Shaolin Afronauts aus Adelaide oder Les Frères Smith aus Paris mixen die Melodien mit einem gehörigen Schuss Afrobeat. Die Tezeta Band aus Oregon hat namhaften äthiopischen Musikern bei ihren Konzerten im Westen als Backingtruppe gedient, und das Genfer Imperial Tiger Orchestra trägt seit Jahren diese Sounds wieder auf den afrikanischen Kontinent zurück. Natürlich ist auch Astatke zusammen mit seinen Heliocentrics zu hören.

Es ist eine Produktion die kaum mehr aus dem Player rauszukriegen ist! Zwischen Groove und Cool ist alles dabei. Auch Jazz!

Rating: ★★★★★ 

Ibibio Sound Machine – Ibibio Sound Machine

23. Juli 2014  
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London-Ghana-Nigeria heisst die Biografie-Linie dieser Truppe. Die Aufgabe: Geschichten der Grossmutter aus Nigeria dem Dancefloor-Publikum des Londoner Nachtlebens erzählen.

Frontfrau Eno Williams kann auf zwei Quellen zählen: ihr nigerianisches Erbe und auf diverse DJs und Produzenten der aktuellen Funk-Dancefloor-Szene Londons. Dazu kommt noch der Gitarrist der Ur-Funk-Truppe Konkoma aus Ghana, Kari Bannermann. Und, nicht ganz unwichtig: erschienen ist die Scheibe bei Soundway, die sich ja vor allem durch ihre Wiederveröffentlichungen von altem Sound-Material aus den 70er und 80 Jahren von Kenia bis Ghana einen Namen gemacht haben.

So tönt das Ganze denn auch: Funky, etwas spröde Gitarren, tiefe Bässe, ein paar psychedelische Electro-Spielereien, wirkungsvolle Tanzbein-Grooves ohne viel Firlefanz, ein paar Anleihen an Afrofunk und synkopierende Bläsersätze. Stets im Vordergrund Eno, die in London aufgewachsene Sängerin, die in ihrer Muttersprache Ibibio Geschichten ihrer Grossmutter erzählt. Das tönt ein bisschen nach «The Very Best», doch mit viel weniger Sequenzer-Härte und mehr Coolness.

Globalisierte Grossstadt-Sounds mit einer grossen Verbeugung vor den 70er und 80 Jahre-Grooves Westafrikas. Je cooler die Songs umso überzeugender die Truppe.

Rating: ★★★½☆ 

Orchestre National de Barbès – Dame De Coeur

18. Juli 2014  
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Das maghrebinische Nationalorchester aus dem Norden von Paris hat viele Freundinnen ans Mikrofon geholt: Souldiven, Sahara-Ikonen und Chansonetten.

Die eine Grundfärbung dieses Albums heisst: Gitarren raus, abrocken! Die andere: Lass die Ladies ans Mikrophon! Und hinter allem groovt die maghrebinische Rhythmusmaschine: Die Qaraqib rattern, die Handtrommeln wirbeln. Doch auf diesem Album sind mehr denn je die Grossstadttöne Europas zu hören: Soul, Blues, Chanson und viel Rock.

Die Band passt sich den Gastsängerinnen an: Zwischen Chanson und Spoken Word ist die Band mit Malouma unterwegs. Für Tanya Michelle darf es ein rechter Schuss Soul und Gospel sein, einen andalusischen Hauch gibt’s für Samira Brahmia. Und dazwischen rocken die Herren auch mal ohne Frontfrau los.

Ein lockeres Album das die Lust am Jam, an den Stilwechseln des Orchesters in den Vordergrund rückt – inkl. Gitarrenwucht!

Rating: ★★★★☆ 

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Pippo Pollina – L’appartenenza

15. Juli 2014  
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Die Herkunft von Pippo Pollina ist unüberhörbar: Er gehört zur Gilde der poetisch-kritischen Cantautori, und bringt in diesen Wochen sein 19. Album quer durch Europa live auf die Bühnen.

Ist er ein Überlebender? Nein, dazu ist er zu lebendig. Und doch: Hört man Pippo Pollina tauchen nostalgische Erinnerungen auf an die grosse Zeit der italienischen Cantautori zwischen Fabrizio de André, Lucio Dalla oder Franco Battiato, an die 80er und 90er Jahre. Er ist beobachtend und beschreibend, ist tief italienisch aber ohne San-Remo-Gefallsucht. Sein Handwerk beschreibt er im Song «Cantautori»:

Wir sagen gerade raus, was uns stört.
Damit ihr sofort wisst, wer wir sind,
um uns sicher keine Sympathien einzuheimsen auf der Strasse.
Wir sind alles Waisen von Enzo und Fabrizio.

Sein 19. Album bringt den neusten Melodienreigen zwischen Melancholie und Aufbegehren. Er, der Sizilianer, bittet (im Duett mit Giorgio Conte) um einen Tag am Meer, geht verloren zwischen Wolkenkratzern und Illusionsfabriken, spricht, jetzt als Schweizer, mit der Landesmutter Helvetia, und sucht immer wieder sein Zuhause. Es sind Lieder, als sitze der Sänger immer irgendwo mit einem Koffer auf einem Bahnsteig – der Zug wird schon kommen.

Pollina ist ein Poet, kein Träumer, ein Liederschmied. Er beobachtet, sinniert und bringt in Töne, was er mit Worten nicht fassen kann.

Rating: ★★★★☆ 

Donso – Denfila

12. April 2014  
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Die elektronische Zusammenarbeit zwischen Paris und Bamako ist um eine weitere Paarung bereichert. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf Electronica und Klangwebereien.

Donso trägt seit 2007 seine Versatzstücke zusammen. Auch wenn die musikalische Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Mali über die Jahre schon manche Partnerschaft hervor brachte (z.B. Amadou & Mariam mit Manu Chao, Mamani Keita & Nicolas Repac, Sissoko & Segal, Issa Bagayogo & Yves Wernert) tauchen immer wieder erfreuliche Kombinationen, wie eben hier Donso, auf. Electronica ist die Grundnote.

Aus dem ursprünglichen Trio wurde für diese zweite Produktion ein Quintett. Und auch wenn einige Beats klar nach dem Dancefloor schielen, ist immer noch erfreulich viel Lied-Kraft in den Stücken. Schwere Synth-Basslinien kontrastieren mit hellen N’Goni Loops, die Stimmen kommen verhallt daher, Sequenzer-Beats und von Hand geschlagene Perkussion ergänzen sich bestens. Es ist kein wirklicher Überhit dabei, aber der Gesamtgroove stimmt.

Elektronischer Klangteppich auf dem Flug zwischen den Kontinenten, mal im Trance-Style, mal in Lounge-Mood.

Rating: ★★★☆☆ 

Amsterdam Klezmer Band – Blitzmash

3. April 2014  
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amsterdam-klezmer-band-blitzmashDie Klezmer-Groover aus den Niederlanden haben ihren Sound von einem Sequenzer-Akrobaten aufbohren lassen und haben mal ganz ungeniert fremde Stile heimgesucht.

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Peatbog Fairies – Dust

2. April 2014  
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Gälische Flöten- und Geige-Melodien auf treibenden Beats, irgendwo zwischen Rock und  Dancefloor, funky Basslinien und afrikanische Gitarrenriffs, und das alles aus Schottland: eine Entdeckung!

Man darf zwischendurch schon dankbar sein, gibt es noch Fachmagazine wie fRoots - die helfen einem Musik zu entdecken. Chefredaktor Anderson hat in seiner April-Nummer die Peatbog Fairies auf’s Titelbild gesetzt. Nicht weil die eine neue CD  veröffentlicht hätten, sondern weil fRoots eine Vorschau auf den dichten Sommerkalender für Folk-Festivals auf der englischen Insel bringt. Und diese Schotten gelten als Garant für ausgelassene Tanzparties und tauchen entsprechend viel auf den Affichen auf.

Als sich dann die letzte Produktion im CD-Player drehte wusste ich, warum die Band so gelobt wird: Hochansteckend ist die Energie, welche die Truppe verbreitet. Geige und Flöten geben den Ton an, Bodhran und Drums treiben vorwärts, Keyboards und Gitarren wechseln bei jedem Song das Hemd. Es ist Folk, gespielt von Handwerkern, welche die klassischen Liederbücher vor und rückwärts kennen. Doch es sind neue Songs, die sich nicht genieren, wenn eine gälische Flötenmelodie mit einer Soukous-Gitarre flirtet, oder wenn Electronica-Einsprengsel und Dub-Schlaufen mit solidem Handwerk wetteifern.

Ach ja, alles instrumental! Ich würde diese Produktion jedem schenken, der die Nase rümpft wenn ihm jemand etwas von “schottischem Folk” erzählt. Wetten der beginnt gleich mit zu wippen und zu klopfen?

Rating: ★★★★½ 

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Nathalie Natiembé – Bonbon Zetwal

26. März 2014  
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Sie singt nicht um zu gefallen, sondern weil sie muss. Für diese Sängerin ist die Musik ein Rettungsanker, um nicht von den Stürmen des Lebens weggefegt zu werden.

Nathalie Natiembé hat es sich nie einfach gemacht. Weder im Leben noch in ihrer Musik. Sie hat die Musik gewählt, um sich die Dämonen des Lebens und des Leidens vom Leibe zu halten – mindestens für den kurzen Zeitraum eines Songs. Auch wenn man die ursprüngliche Wurzeln ihrer Kompositionen kaum mehr heraushört: die Natiembé singt eine Ausformung des Maloya, roh, hart, zornig.

Rock, Chanson und tiefste Seelenfarben mischt die Sängerin aus La Réunion in ihre Musik. Weit liegen die akustischen Zeiten von Sankèr (2005) zurück. Die Beats sind härter geworden, die Melodien französischer, härter. Unterstützt von einem sehr agilen Trio zwischen Rock und Electro singt die Diva von ihren jüngsten Abstiegen in die Abgründe ihrer Innenwelt, vom Absturz in den Alkohol oder den Verlust ihrer Liebsten.

Maloya wenn es um Seelenbilder geht, aber garantiert nicht Maloya wie ihn die Puristen definieren. Das sind kraftvolle Rock-Chansons.

Rating: ★★★★☆ 

Mehr Info über Nathalie Natiembé.

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The Soil – The Soil

13. März 2014  
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A Capella aus Johannesburg, eine Frau, zwei Männer, mit einem jazzigen Unterton und einer Beatbox – umwerfend, betörend, warmherzig.

«Wir begannen 2003 an unserer Highschool in Johannesburg. Mit offenen Jamsessions für alle, die mitmachen wollten. Und immer war eine Beatbox dabei», erzählt Ntsika die Entstehungsgeschichte der Band in einem Interview mit Afripop. Manchmal waren’s bis zu 25, die zusammen sangen. Heute sind sie noch ein Trio – wobei sie sie immer auch ein viertes Bandmitglied erwähnen – The Creator of all.

Die Gospel-Harmonien Südafrikas und der Mbaquanga-Groove sind da, Jazz à la Simphiwe Dana, ein Schuss Bubblegum von Brenda Fassie und die tiefen Verwandtschaft mit Busi Mhlongo. Dazu eine gehörige Ladung R’n’B und Rap amerikanischer Herkunft. Musikalisch, habe ich den Eindruck, ist sich die Band noch nicht ganz sicher ob sie jetzt Pop für ein westliches Publikum machen, oder doch näher bei ihren eigenen Wurzeln bleiben wollen. Wobei, glaubt man Sänger/Beatboxer Buhle, dürfte das nicht so schwer sein. Er baut auf den Ratschlag seiner Mutter: «Never forget where you came from!»

The Soil – die erste CD trägt den Bandnamen –  hat in Südafrika Platinstatus erreicht, und dürfte auch hierzulande gerne runter geladen werden, denn physisch ist in Europa kein Tonträger zu bekommen. Und bitte nicht verwechseln mit der Heavy-Metal-Band gleichen Namens….

Rating: ★★★★☆ 

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Paco de Lucia – Entre Dos Aguas

1. März 2014  
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Als ich vom Tod von Paco de Lucia erfuhr, holte ich jene CD aus dem Archiv, die mich mit dem Ausnahme-Gitarristen erstmals in Kontakt brachte – sie ist auch heute noch ein wunderbares Stück Musikgeschichte.

Die späten 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts brachten den Spaniern das grosse Aufatmen nach der Diktatur Francos. Und Europa eine neue Flamenco-Welle. Einer der neuen Stars des Flamenco hiess Paco De Lucia. Seine CD «Entre Dos Aguas» zeigt auch heute noch auf, was im Flamenco drin steckt, wenn man ihn nicht als “nationale Musik” missbraucht, oder als Gitano-Musik in eine Folklore-Ecke drängt.

Lese oder höre ich heute die Nachrufe auf den Ausnahmekönner De Lucia (hier von Radio SRF, von Spiegel Online, von DerBund) so sind sich die Laudatoren einig, dass de Lucia eine Ausnahmeerscheinung war. Nicht einig sind sie sich, ob er dies war, weil er sein Instrument auch in musikalische Stile hinein trug, die weit weg von den Wurzeln des Flamenco waren. Oder weil er in diesen Ausflügen eben gerade aus der tiefsten Wurzel des Flamencos, der Emotion, der Empathie mit Mitmusikern, Tänzern, Sängern, seine Improvisations- und Interpretationskraft bezog.

Auf jeden Fall: Hier, auf «Entre Dos Aguas» ist vieles schon da: seine Affinität zum Jazz – Larry Coryell tritt als Gastmusiker auf – die Verknüpfung mit der Klassik, die elektrische Bassgitarre, neue Perkussion. Es fehlt einzig der Bezug zum Gesang, der grossen musikalischen Liebe von Paco.

Rating: ★★★★☆ 

La Troba Kung-Fu – Santalegria

26. Februar 2014  
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Mestizo-Sound aus der Grossregion Barcelona. La Troba Kung-Fu kümmern sich weniger um stilistische Feinheiten, als vielmehr um freudige Party-Stimmung. Mittelmeer-Freudiges, ein paar Entlehnungen aus spanisch-sprachigen Kulturkreisen jenseits des Ozeans, vor allem Kolumbien, und ein rechter Schuss Rock – und braucht nicht mal eine Steckdose, funktioniert auch akustisch.

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Habib Koité – Afriki

23. Februar 2014  
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Habib Koité wendet sicher immer mehr Mali zu. Schon immer waren die verschiedenen Sprachen und Stile Teil seines Repertoires. Hier weitete er es noch aus. Er appelliert auch an seine Landsleute, nicht einfach Hilfe aus dem Westen zur Überwindung von Armut und Bildungsnotstand zu erwarten. Vielmehr verlangt er: Nehmt die Entwicklung des Kontinents in eure eigenen Hände, kämpft selber gegen Korruption und Ungerechtigkeit. Flieht nicht aus eurer Heimat, seid stolz auf eure Kultur und bleibt.

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Kevin Seddiki & Bijan Chemirani – Imaginarium

22. Februar 2014  
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Zwei vielerorts aktive musikalische Kollaborateure haben sich für die Duo-Formation entschieden: Gitarre und Zarb spazieren quer durch die Stile, jazzige Kammermusik von geschliffen bis erkundend.

Wenn ich Kollaborateur sage, meint das für den französischen Gitarristen Kevin Seddiki, dass er schon mit Al Di Meola, Dino Saluzzi oder Yasmin Hamdan arbeitete. Die aus dem IRan kommende Perkussions-Familie Chemirani lernte der Gitarrist als Schüler der Rahmentrommel Zarb kennen. Der Palmares von Bijan Chemirani nennt Musiker wie Ross Daly, Manu Théron, Sam Karpienia oder Amina Alaoui. Die beiden spielten, damals im Trio mit dem italienischen Bandoneon-Virtuosen Daniele di Bonaventura, Seddikis erste CD «Il Sentiero» (2012) ein. Beide sind auch tragende Säulen von Oneira.

Wer denkt, dass die Beschränkung auf Gitarre und Perkussion etwas gar spartanisch ist, hat nicht mit der Stilsicherheit und dem handwerklichen und studiotechnischen Geschick der beiden gerechnet. Melodisch reicht der Bogen von spanischen Anleihen, orientalische Tonleitern bis zu Gypsy-Jazz. Klangtechnisch erlauben sich die beiden Instrument-Atypisches, dadrf z.B. die Gitarre auch mal mit irgendwelchen mitscheppernden Folien präpariert sein. Die Studiotechnik – von Retourschlaufen bis höchst präzis gespielte Overdubs – ist unaufdringlich und geschickt eingesetzt. Manchmal, ganz selten(!), klingen Melodie und Arrangement etwas gar sauber poliert.

Diese Duette sind ein Spaziergang durch vielschichtige Klanglandschaften, groovy, verspielt, neugierig. Ein Gespräch zwischen zwei Instrumenten, die sich auch aufmerksam zuhören.

Rating: ★★★★☆ 

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Habib Koité – Baro

22. Februar 2014  
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Habib Koité führt seine Band Bamada (die «Leute aus Bamako») immer mehr in akustische Gefilde. Seine akustische Gitarre übernimmt über weite Strecken die Führungsrolle. Auch sein erster Hit in Mali, «Cigarette Abana», ein Aufklärungslied gegen das rauchen und im Original mit viel Schlagzeug und verstärkten Gitarren, kommt hier in einer unverstärkten, aber um so schippischeren Version daher.

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The Terem Quartett – Terem

21. Februar 2014  
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Als das Realworld Label die erste Produktion des Terem Quartett 1992 heraus brachte dachte ich: Endlich mal Balalaika ohne Kosaken – nun, ein bisschen was ist drin geblieben. Auch wenn’s nur der Affenzahl ist, mit dem die Finger der Musiker über die Saiten flitzen. Die Musiker geniessen noch heute Kultstatus in Russland, sind aber leider aus dem europäischen Fokus verschwunden.

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Fanfaraï – Tani

14. Februar 2014  
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Ein europäisches Gebläse mit Latin-Wurzeln und ein rhythmisch-melodisches Herz aus dem Magreb machen Fanfaraï aus. Live sind sie eine Ansteckungsgefahr, und sie machen auch auf Silberling eine gute Figur.

Wer Fanfaraï live erlebt hat weiss um die Qualitäten der Truppe. Da gehen zwei verschiedene Klangwelten auf einander zu und kommen sich in der Begegnung nicht in die Quere. Was nicht einfach ist, denn da ist auf der einen Seite ein jazz- und latin-geschultes Gebläse, auf der anderen Seite ein magrebinisch groovendes Perkussions- und Melodie-Gebilde. Das könnte sich beissen, tut es aber nicht. Im Gegenteil: es feuert sich gegenseitig an.

Man muss bei Big-Band und Sahara nicht gleich an “Caravan” von Duke Ellington denken. Aber ganz entfernt verwandt ist die Truppe doch mit diesem Song: Da sind die algerischen Grooves von Chaâbi und Raï, und auf der anderen Seite ein ausgewachsenes Gebläse, quasi eine kleine Big Band Formation. Und der gemeinsame Nenner: “Tout ce qui nous fait vibrer” sagt dem die Truppe, alles was uns vibrieren lässt. Nun: ich empfehle einen Konzertbesuch, und wenn das nicht geht als Alternative diese Scheibe. Auch wenn hier die Produktionsvorsicht über die Kraft der Spontaneität gesiegt hat.

Magreb meets Little Big Band und gemeinsam tanzen wir den Pariser Asphalt und Beton zu Sand und Staub.

Rating: ★★★½☆ 

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Siba – Avante

10. Februar 2014  
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Siba ist seit Jahren auf musikalischer Wurzelsuche und besinnt sich mit  dieser Produktion wieder auf sein Lieblingsinstrument, die Gitarre. Frisches brasilianisches Songschaffen für einmal fast ohne Elektronik.

Seit ein paar Jahren ist “Electro” eine treibende Kraft in der brasilianischen Songschreiber-Gilde, Beispiele: Lucas Santtana, Curumin, Criolo. Es gibt aber auch die andere Entwicklung. Siba hat sich in die letzten 15 Jahre intensiv mit den Traditionen seiner Heimatprovinz Pernambuco auseinander gesetzt. Seine letzten Erfolge feierte er mit Fuloresta, einer Form von Carnevalband: Perkussion plus Gebläse plus viel Improvisationstalent des Sängers.

Jetzt kehrt Siba zurück zu seinem ersten Instrument, der Gitarre. Er nimmt aus der Karneval-Erfahrung die Tuba mit und lässt den Keyboarder auch gerne mal ans Vibraphone. Rhythmus ist also nach wie vor eine sehr bestimmende Komponente. Geschrieben sind die Songs aber für Gitarre. Wo seine Electro-Kollegen auf Sounds setzen schreibt Siba überraschende Harmoniewechsel, melodiös vertrackte Zwischenspiele und Gitarren-Hooks. Schade dass mit dem Album keine Songtexte mitgeliefert werden. Ich bin sicher, der Mann hätte uns nicht nur was zu singen, sondern auch zu sagen!

Eine immer wieder überraschende Songschreiber-Produktion aus Brasilien, vollakustisch, handwerklich überzeugend und mit Sog-, zuweilen fast Suchtfaktor.

Rating: ★★★★☆ 

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Alsarah & The Nubatones – Silt

4. Februar 2014  
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alsaran-nubatones-gsSo tönt Migrationsmusik: Alsarah hat ihre familiären Wurzeln im Sudan, lebt aber in  den USA. Sie selber beschreibt ihre Musik als “Ostafrikanischer Retro Pop”. Pop ist viel drin, traditionelle Grooves aus der alten Heimat ebenfalls, aber auch ein Schuss “Retro”-R&B amerikanischer Prägung.