Donso – Denfila

12. April 2014  
Gespeichert unter Angespielt

Die elektronische Zusammenarbeit zwischen Paris und Bamako ist um eine weitere Paarung bereichert. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf Electronica und Klangwebereien.

Donso trägt seit 2007 seine Versatzstücke zusammen. Auch wenn die musikalische Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Mali über die Jahre schon manche Partnerschaft hervor brachte (z.B. Amadou & Mariam mit Manu Chao, Mamani Keita & Nicolas Repac, Sissoko & Segal, Issa Bagayogo & Yves Wernert) tauchen immer wieder erfreuliche Kombinationen, wie eben hier Donso, auf. Electronica ist die Grundnote.

Aus dem ursprünglichen Trio wurde für diese zweite Produktion ein Quintett. Und auch wenn einige Beats klar nach dem Dancefloor schielen, ist immer noch erfreulich viel Lied-Kraft in den Stücken. Schwere Synth-Basslinien kontrastieren mit hellen N’Goni Loops, die Stimmen kommen verhallt daher, Sequenzer-Beats und von Hand geschlagene Perkussion ergänzen sich bestens. Es ist kein wirklicher Überhit dabei, aber der Gesamtgroove stimmt.

Elektronischer Klangteppich auf dem Flug zwischen den Kontinenten, mal im Trance-Style, mal in Lounge-Mood.

Rating: ★★★☆☆ 

Weiterführende Links und Downloads

Peatbog Fairies – Dust

2. April 2014  
Gespeichert unter Angespielt

Gälische Flöten- und Geige-Melodien auf treibenden Beats, irgendwo zwischen Rock und  Dancefloor, funky Basslinien und afrikanische Gitarrenriffs, und das alles aus Schottland: eine Entdeckung!

Man darf zwischendurch schon dankbar sein, gibt es noch Fachmagazine wie fRoots - die helfen einem Musik zu entdecken. Chefredaktor Anderson hat in seiner April-Nummer die Peatbog Fairies auf’s Titelbild gesetzt. Nicht weil die eine neue CD  veröffentlicht hätten, sondern weil fRoots eine Vorschau auf den dichten Sommerkalender für Folk-Festivals auf der englischen Insel bringt. Und diese Schotten gelten als Garant für ausgelassene Tanzparties und tauchen entsprechend viel auf den Affichen auf.

Als sich dann die letzte Produktion im CD-Player drehte wusste ich, warum die Band so gelobt wird: Hochansteckend ist die Energie, welche die Truppe verbreitet. Geige und Flöten geben den Ton an, Bodhran und Drums treiben vorwärts, Keyboards und Gitarren wechseln bei jedem Song das Hemd. Es ist Folk, gespielt von Handwerkern, welche die klassischen Liederbücher vor und rückwärts kennen. Doch es sind neue Songs, die sich nicht genieren, wenn eine gälische Flötenmelodie mit einer Soukous-Gitarre flirtet, oder wenn Electronica-Einsprengsel und Dub-Schlaufen mit solidem Handwerk wetteifern.

Ach ja, alles instrumental! Ich würde diese Produktion jedem schenken, der die Nase rümpft wenn ihm jemand etwas von “schottischem Folk” erzählt. Wetten der beginnt gleich mit zu wippen und zu klopfen?

Rating: ★★★★½ 

Weiterführende Links

Nathalie Natiembé – Bonbon Zetwal

26. März 2014  
Gespeichert unter Angespielt

Sie singt nicht um zu gefallen, sondern weil sie muss. Für diese Sängerin ist die Musik ein Rettungsanker, um nicht von den Stürmen des Lebens weggefegt zu werden.

Nathalie Natiembé hat es sich nie einfach gemacht. Weder im Leben noch in ihrer Musik. Sie hat die Musik gewählt, um sich die Dämonen des Lebens und des Leidens vom Leibe zu halten – mindestens für den kurzen Zeitraum eines Songs. Auch wenn man die ursprüngliche Wurzeln ihrer Kompositionen kaum mehr heraushört: die Natiembé singt eine Ausformung des Maloya, roh, hart, zornig.

Rock, Chanson und tiefste Seelenfarben mischt die Sängerin aus La Réunion in ihre Musik. Weit liegen die akustischen Zeiten von Sankèr (2005) zurück. Die Beats sind härter geworden, die Melodien französischer, härter. Unterstützt von einem sehr agilen Trio zwischen Rock und Electro singt die Diva von ihren jüngsten Abstiegen in die Abgründe ihrer Innenwelt, vom Absturz in den Alkohol oder den Verlust ihrer Liebsten.

Maloya wenn es um Seelenbilder geht, aber garantiert nicht Maloya wie ihn die Puristen definieren. Das sind kraftvolle Rock-Chansons.

Rating: ★★★★☆ 

Mehr Info über Nathalie Natiembé.

CDs und Download

The Soil – The Soil

13. März 2014  
Gespeichert unter Angespielt

A Capella aus Johannesburg, eine Frau, zwei Männer, mit einem jazzigen Unterton und einer Beatbox – umwerfend, betörend, warmherzig.

«Wir begannen 2003 an unserer Highschool in Johannesburg. Mit offenen Jamsessions für alle, die mitmachen wollten. Und immer war eine Beatbox dabei», erzählt Ntsika die Entstehungsgeschichte der Band in einem Interview mit Afripop. Manchmal waren’s bis zu 25, die zusammen sangen. Heute sind sie noch ein Trio – wobei sie sie immer auch ein viertes Bandmitglied erwähnen – The Creator of all.

Die Gospel-Harmonien Südafrikas und der Mbaquanga-Groove sind da, Jazz à la Simphiwe Dana, ein Schuss Bubblegum von Brenda Fassie und die tiefen Verwandtschaft mit Busi Mhlongo. Dazu eine gehörige Ladung R’n'B und Rap amerikanischer Herkunft. Musikalisch, habe ich den Eindruck, ist sich die Band noch nicht ganz sicher ob sie jetzt Pop für ein westliches Publikum machen, oder doch näher bei ihren eigenen Wurzeln bleiben wollen. Wobei, glaubt man Sänger/Beatboxer Buhle, dürfte das nicht so schwer sein. Er baut auf den Ratschlag seiner Mutter: «Never forget where you came from!»

The Soil – die erste CD trägt den Bandnamen –  hat in Südafrika Platinstatus erreicht, und dürfte auch hierzulande gerne runter geladen werden, denn physisch ist in Europa kein Tonträger zu bekommen. Und bitte nicht verwechseln mit der Heavy-Metal-Band gleichen Namens….

Rating: ★★★★☆ 

Weiterführende Links

Paco de Lucia – Entre Dos Aguas

1. März 2014  
Gespeichert unter Angespielt

Als ich vom Tod von Paco de Lucia erfuhr, holte ich jene CD aus dem Archiv, die mich mit dem Ausnahme-Gitarristen erstmals in Kontakt brachte – sie ist auch heute noch ein wunderbares Stück Musikgeschichte.

Die späten 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts brachten den Spaniern das grosse Aufatmen nach der Diktatur Francos. Und Europa eine neue Flamenco-Welle. Einer der neuen Stars des Flamenco hiess Paco De Lucia. Seine CD «Entre Dos Aguas» zeigt auch heute noch auf, was im Flamenco drin steckt, wenn man ihn nicht als “nationale Musik” missbraucht, oder als Gitano-Musik in eine Folklore-Ecke drängt.

Lese oder höre ich heute die Nachrufe auf den Ausnahmekönner De Lucia (hier von Radio SRF, von Spiegel Online, von DerBund) so sind sich die Laudatoren einig, dass de Lucia eine Ausnahmeerscheinung war. Nicht einig sind sie sich, ob er dies war, weil er sein Instrument auch in musikalische Stile hinein trug, die weit weg von den Wurzeln des Flamenco waren. Oder weil er in diesen Ausflügen eben gerade aus der tiefsten Wurzel des Flamencos, der Emotion, der Empathie mit Mitmusikern, Tänzern, Sängern, seine Improvisations- und Interpretationskraft bezog.

Auf jeden Fall: Hier, auf «Entre Dos Aguas» ist vieles schon da: seine Affinität zum Jazz – Larry Coryell tritt als Gastmusiker auf – die Verknüpfung mit der Klassik, die elektrische Bassgitarre, neue Perkussion. Es fehlt einzig der Bezug zum Gesang, der grossen musikalischen Liebe von Paco.

Rating: ★★★★☆ 

Kevin Seddiki & Bijan Chemirani – Imaginarium

22. Februar 2014  
Gespeichert unter Angespielt

Zwei vielerorts aktive musikalische Kollaborateure haben sich für die Duo-Formation entschieden: Gitarre und Zarb spazieren quer durch die Stile, jazzige Kammermusik von geschliffen bis erkundend.

Wenn ich Kollaborateur sage, meint das für den französischen Gitarristen Kevin Seddiki, dass er schon mit Al Di Meola, Dino Saluzzi oder Yasmin Hamdan arbeitete. Die aus dem IRan kommende Perkussions-Familie Chemirani lernte der Gitarrist als Schüler der Rahmentrommel Zarb kennen. Der Palmares von Bijan Chemirani nennt Musiker wie Ross Daly, Manu Théron, Sam Karpienia oder Amina Alaoui. Die beiden spielten, damals im Trio mit dem italienischen Bandoneon-Virtuosen Daniele di Bonaventura, Seddikis erste CD «Il Sentiero» (2012) ein. Beide sind auch tragende Säulen von Oneira.

Wer denkt, dass die Beschränkung auf Gitarre und Perkussion etwas gar spartanisch ist, hat nicht mit der Stilsicherheit und dem handwerklichen und studiotechnischen Geschick der beiden gerechnet. Melodisch reicht der Bogen von spanischen Anleihen, orientalische Tonleitern bis zu Gypsy-Jazz. Klangtechnisch erlauben sich die beiden Instrument-Atypisches, dadrf z.B. die Gitarre auch mal mit irgendwelchen mitscheppernden Folien präpariert sein. Die Studiotechnik – von Retourschlaufen bis höchst präzis gespielte Overdubs – ist unaufdringlich und geschickt eingesetzt. Manchmal, ganz selten(!), klingen Melodie und Arrangement etwas gar sauber poliert.

Diese Duette sind ein Spaziergang durch vielschichtige Klanglandschaften, groovy, verspielt, neugierig. Ein Gespräch zwischen zwei Instrumenten, die sich auch aufmerksam zuhören.

Rating: ★★★★☆ 

CDs und Downloads

Fanfaraï – Tani

14. Februar 2014  
Gespeichert unter Angespielt

Ein europäisches Gebläse mit Latin-Wurzeln und ein rhythmisch-melodisches Herz aus dem Magreb machen Fanfaraï aus. Live sind sie eine Ansteckungsgefahr, und sie machen auch auf Silberling eine gute Figur.

Wer Fanfaraï live erlebt hat weiss um die Qualitäten der Truppe. Da gehen zwei verschiedene Klangwelten auf einander zu und kommen sich in der Begegnung nicht in die Quere. Was nicht einfach ist, denn da ist auf der einen Seite ein jazz- und latin-geschultes Gebläse, auf der anderen Seite ein magrebinisch groovendes Perkussions- und Melodie-Gebilde. Das könnte sich beissen, tut es aber nicht. Im Gegenteil: es feuert sich gegenseitig an.

Man muss bei Big-Band und Sahara nicht gleich an “Caravan” von Duke Ellington denken. Aber ganz entfernt verwandt ist die Truppe doch mit diesem Song: Da sind die algerischen Grooves von Chaâbi und Raï, und auf der anderen Seite ein ausgewachsenes Gebläse, quasi eine kleine Big Band Formation. Und der gemeinsame Nenner: “Tout ce qui nous fait vibrer” sagt dem die Truppe, alles was uns vibrieren lässt. Nun: ich empfehle einen Konzertbesuch, und wenn das nicht geht als Alternative diese Scheibe. Auch wenn hier die Produktionsvorsicht über die Kraft der Spontaneität gesiegt hat.

Magreb meets Little Big Band und gemeinsam tanzen wir den Pariser Asphalt und Beton zu Sand und Staub.

Rating: ★★★½☆ 

CDs und Downloads

Siba – Avante

10. Februar 2014  
Gespeichert unter Angespielt

Siba ist seit Jahren auf musikalischer Wurzelsuche und besinnt sich mit  dieser Produktion wieder auf sein Lieblingsinstrument, die Gitarre. Frisches brasilianisches Songschaffen für einmal fast ohne Elektronik.

Seit ein paar Jahren ist “Electro” eine treibende Kraft in der brasilianischen Songschreiber-Gilde, Beispiele: Lucas Santtana, Curumin, Criolo. Es gibt aber auch die andere Entwicklung. Siba hat sich in die letzten 15 Jahre intensiv mit den Traditionen seiner Heimatprovinz Pernambuco auseinander gesetzt. Seine letzten Erfolge feierte er mit Fuloresta, einer Form von Carnevalband: Perkussion plus Gebläse plus viel Improvisationstalent des Sängers.

Jetzt kehrt Siba zurück zu seinem ersten Instrument, der Gitarre. Er nimmt aus der Karneval-Erfahrung die Tuba mit und lässt den Keyboarder auch gerne mal ans Vibraphone. Rhythmus ist also nach wie vor eine sehr bestimmende Komponente. Geschrieben sind die Songs aber für Gitarre. Wo seine Electro-Kollegen auf Sounds setzen schreibt Siba überraschende Harmoniewechsel, melodiös vertrackte Zwischenspiele und Gitarren-Hooks. Schade dass mit dem Album keine Songtexte mitgeliefert werden. Ich bin sicher, der Mann hätte uns nicht nur was zu singen, sondern auch zu sagen!

Eine immer wieder überraschende Songschreiber-Produktion aus Brasilien, vollakustisch, handwerklich überzeugend und mit Sog-, zuweilen fast Suchtfaktor.

Rating: ★★★★☆ 

Mehr über Siba

CDs und Downloads

Les Espoirs de Coronthie – Fougou Fougou

3. Februar 2014  
Gespeichert unter Angespielt

«Fougou Fougou» ist der Klang des Flügelschlages eines Vogels. Es muss ein grosser Vogel sein, den die Espoirs de Coronthie besingen, denn die Songs haben Kraft.

In Guinea, und vor allem in der Hauptstadt Conakry hat die Band Kultstatus, und mittlerweile in Frankreich ebenfalls eine stattliche Anhängerschaft. Mit einem feinen Unterschied: wir in Europa versuchen die Musik zu erfassen, in der Heimat sind die Texte klare Botschaften an die Guineer. Die Band belässt es jedoch nicht nur bei Worten. Fougou Fougou Faga Faga ist ein Kulturtreffpunkt im Quartier Coronthie, den die Band mit initiiert hat.

Musikalisch ist die Band in den vier Jahren seit der letzten Produktion viel stilsicherer geworden. Neben der akustischen Gitarre von Antoine gehört jetzt auch eine Stromgitarre zum Instrumentarium. Das Balafon ist zu einem starken Rückgrat der Band geworden. Doch am Grundgerüst – Stimmen und Perkussion – hat sich nicht viel geändert. Die Jungs setzten auf Songs mit Ohrwurmqualität und sozialer Botschaft. Rhythmisch hat sich die Band geöffnet, da kommt mal spanische Atmosphäre auf, mal schleicht sich gar ein feiner Reggae an.

Folk in seiner besten Ausformung: Frische Ohrwurm-Melodien zum mitsingen und -klatschen, und Texte zum nachdenken. Alles getragen von einer optimistischen Lebenshaltung und gelebter Solidarität.

Rating: ★★★½☆ 

Mehr Infos über Les Espoirs de Coronthie

CDs und Download

Daora: Underground Sounds of Urban Brasil

13. Januar 2014  
Gespeichert unter Angespielt

Der Untertitel dieses Samplers beschreibt die Klangwelt noch etwas deutlicher: Hip-Hop, Beats, Afro & Dub. Ein facettenreicher Einblick in unterschiedlichste Soundküchen Brasiliens auf 2 CDs.

Die brasilianische Musik basiert über weite Teile auf einer Vielzahl von Rhythmen, die meisten afrikanischen und afro-karibischen Ursprungs. So erstaunt es denn nicht, das die meisten Tracks auf einer massiven Rhythmus-Spur stehen. Doch neben diesem grossen gemeinsamen Nenner herrscht Vielfalt. Mal spartanisch und minimal in den Sounds, dann wieder voll-fett auf Dancefloor getrimmt, oder klangmalend obskur.

Es hat einige Namen dabei, die mir aus der Singer-Songwriter Szene bekannt sind (Curumin, Lucas Santtana). Die Mehrheit der Interpreten jedoch sind neue Bekanntschaften: Ogi & Stereodubs mit melodischem Hip Hop, Amabis hüllt Criolo auf «Para Mulatu» in Soundwolken, Iconili bringen einen Hauch Westernmelodie mit, und Anelis Assumpçao schwingt im Reggae-Rhythmus. Der weltweiten Siegeszug von Hip Hop hat es – glücklicherweise! – noch nicht geschafft, die Melodie aus den Songs zu verbannen. Überraschend, aber nicht wirklich erstaunlich auch die Liebe der Brasilianer zum Afrobeat.

Der Überblick über die urbane Musikszene Brasiliens wurde von «Sounds and Colours» als Best Compilation 2013 ausgewählt.

Rating: ★★★½☆ 

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 ... 35 36 37 »Nächste