2. Konzertabend am Transmundial Zürich

13. November 2011  
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Eine Pferdekopfgeige singt gegen tiefste Bässe an, ein Nationalorchester beschwingt sich selber und alle Konzertbesucher, und viel Blech mit afrikanischer Inspiration: der zweite Konzertabend des Festivals Transmundial im Jazzclub Moods zeigte sich in bester Partylaune.

Albert Kuvezin und seine tuvesischen Yat-Kha turnten zwischen grollenden Tiefton-Melodien und herzergreifenden Pferdekopf-Geigenmelodien. Kuvezin zeigte sich u.a. auch von seiner humorigen Seite, indem er ein «Stück eines längst vergessenen Komponisten» ankündigte, und dann eine Nummer von Captain Beefheart ansagte. Über die Werktreue der Interpretation kann nichts gesagt werden, denn wer kennt schon das Original von Captain Beefheart?

Das magrebinische Quartier in Paris, Barbès, schickte sein Nationalorchester nach Zürich. Die elf Musiker brachten Partystimmung vom Feinsten mit viel Conference, Charme und Humor gewürzt. Die Band ist sich sicher ein grösseres Publikum gewöhnt, fühlte sich aber auch auf der engen Clubbühne wohl und brachte in Zürich jede Besucherin zum tanzen, oder zumindest zum schmunzeln. Eine grandiose Party – wer auch immer davon schwärmt: glaubt ihm!

Zürich war nicht anwesend

Und zum Abtänzeln in die Nacht gab es noch die Berner Nachfahren des nigerianischen Afrobeat-Übervaters Kuti. Die Faranas versuchen sich in schwarzem Gebläse mit scharfer Interpunktion, aber irgendwie fehlt ihnen das Tier auf der Bühne. Es ist alles durchaus groovy geblasen aber irgendwie zu sauber und zu wenig anarchisch.

Fazit des 2. Festivals Transmundial in Zürich: Tolle Bands, aber sowohl die Zürcher Medien wie das Zürcher Konzertpublikum glänzten durch Abwesenheit. Schade – oder funktioniert in der Möchte-gern-Weltstadt Zürich nur popiger Mainstream?

2. Transmundial im Moods Zürich

12. November 2011  
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Erster Konzertabend des 2. Festivals Transmundial – und die Zürcher haben ihr Worldmusic-Festival noch nicht entdeckt! Schade, denn jede Band hätte eindeutig viel mehr Publikum verdient! So können die anwesenden Besucher mindestens  erzählen, dass sie genügend Platz zum tanzen hatten…..

Musikalisch  gab’s war für’s Gemüt, für die Ohren und für die Tanzbeine. Régis Gizavo und sein Trio liessen vergessen, dass draussen die Herbstnebel hängen. Die Songs des madegassischen Akkordeonisten haben sich, sicher auch wegen seinem neuen Begleiter, dem Pianisten Patrick Gouraguer, etwas Richtung Jazz verschoben. Die Instrumentalisten gönnten sich gerne  improvisierenden Auslauf. Leider gab’s nur zwei Songs von der neuen CD zu hören, die im nächsten Frühjahr erscheinen soll – wir bleiben gespannt!

Virtuoses Blech und Freunde auf der Bühne

Dann gab’s viel Blech um die Ohren: Naat Veliov trat an um seinen Ruf als einer der weltbesten Trompeter zu verteidigen. Das ging leider am Anfang in etwas zu viel des Guten unter: Wenn jeder Bläser seine Virtuosität gleichzeitig unter Beweis stellen will, gibt’s erst mal zu viel Fingerfertigkeit. Je länger das Konzert dauerte, umso eher spielte sich die Band auch in die vertrackten Arrangements ein. Leider war in den letzten Nummern der Gesang nicht auf derselben Virtuosen-Stufe wie das Gebläse.

Reggae auf mehrheitlich berndeutsch, aber auch in französisch und italienisch, gab’s dann mit der Bieler Truppe Fusion Square Garden. Sie kommen soeben aus dem Studio und haben dort mit Hilfe der angesagten Sänger der Reggae-Szene ein neues Album eingespielt. Zwei der «7 Fründe» kamen auch auf die Moods-Bühne: Famara und zum Schluss, ganz kurz, Dodo. Auch hier darf man auf das kommende Album gespannt sein.

WOMEX 2011 – zweiter Konzertabend

31. Oktober 2011  
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Die Kopenhagener haben die WOMEX in ihren Ausgehkalender aufgenommen: Viel Publikum in der zweiten Konzertnacht im Koncerthuset. Es wiederholte sich, was ich schon vor einem Jahr feststellen konnte: die Leute lieben „ihre“ Musiker. Der nordische Club, die kleinste Bühne, war meistens so brechend voll, dass das Publikum sich in langsamen Mäandern rein- und wieder rausschob.

Auf den anderen drei Bühnen gab es wuchtigen Vollgas-Tango mit Schwermetall- Anlehnungen vom Orquesta Tipica Fernandez Fierro aus Argentinien. Gänsehaut-Lieder von einer neuen Königin des Fado, Carminho. Und fingerzeigende Sufi-Mahnungen von Asif Ali Khan, dem Lieblingsschüler des grossen, verstorbenen Meister Nusrat Fateh Ali Khan.

Soundsysteme, Charme und Witz

Elage Diouf aus dem Senegal hat in Kanada eine neue Heimat und eine rockige Truppe gefunden; aus Quebec, also dort wo Kanada französisch spricht, brachten Les Charbonniers de l’Enfer ihre amüsanten A Capella Tanznummern. Und aus Kolumbien und Brasilien reisten die Soundsysteme von BaianaSystem und dem Systema Solar an. Blitz the Ambassador und vor allem seine scharfe Truppe hielten mit Grooves aus New York dagegen.

Eine Klasse für sich war Eliza Carthy, eine der Galionsfiguren des neuen Folk-Booms aus England. Und einen witzigen Spiegel wurde uns von Sotho Sounds vorgehalten: Aus Mangel an Geld hat die Truppe sowohl Instrumente wie Kostüme aus Altmaterial zusammen gebastelt: Viel Witz und Herz, eine echte Portion Mumm und viel Herzensgroove.

Die Konzerte während des Tages in der EXPO-Halle entpuppten sich trotz recht hohem Geräusch-Hintergrund-Pegel als Entdeckungsreisen. So gab es einen äusserste erfinderischen Akkordeonisten aus Finnland zu hören: Annti Paalanen.

Die Slideshow der ersten Konzertnacht gibt es hier.
Der Eröffnungsabend kann hier nachvollzogen werden.

WOMEX 2011 – der erste Konzertabend

28. Oktober 2011  
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Die Konzertabende an der WOMEX sind jeweils bis zur Übersättigung gefüllt. Wer zwischen 21.00 Uhr und 02.00 Uhr morgens durch die vier Konzertlokale im Koncerthuset in Kopenhagen wandert erhält rund 15 Konzerte geboten – jeden Abend!

Und schon tagsüber gibt’s im Expo-Areal Konzerte, so z.B. das der beiden Shamisen-Virtuosen Shunsuke Kimura und Etsuro Ono.

Der erste Abend bot u.a. eine Menge Spanien: Im offiziellen Programm die Sänger-Legende Duquende. Und in der Off-Womex-Bühne zwei Mal Flamenco der konzertant-jazzig-latino Art. Berrogüetto aus Galizien vermochten dort wieder musikalische Nahrung zu bieten, wo vorher mit Arrangements und Aufwand etwas mehr Schein und Darstellungskunst angesagt gewesen war.

Ikonen und Überraschungen

Drei Bands oder Interpreten, die eigentlich in jede Worldmusic-Sammlung gehörten: Aus Irland der Accordeonist Mairtin O’Connor, so was wie die lebendige Tradition mit hüpfendem Tanzknie, mit alten Weggefährten. Der Mali-Blueser Boubacar Traoré und sein Harmonika-spielender Begleiter Vincent Bucher zeigten tänzelnden Blues von der vielseitigen Sorte. Und die Marseiller Moussu T et Lei Jovents zogen leider das Los, als erste auf der Bühne stehen zu müssen – sie hätte viel mehr und begeisterteres Publikum verdient!

Eine All Star Band hatte Alan Bern zusammengestellt: Neben seinen Klezmer-Freunden hatte er die besten Musiker aus der Balkan-Lautari-Szene unter der Leitung von Kálmán Balogh zusammengebracht: Hohes artistisches Können, aber leider ging die Spielfreude etwas unter. Dass hohes Handwerk und Spiel, ja sogar Schalk, durchaus zusammenpassen machten Johanna Juhola und ihre Reaktori-KollegInnen vor: Finnischer Tango mit elektronischem Beat-Boden.

Eine Überraschung dann aus New York – dort scheinen sich Forro aus dem brasilianischen Norden und Bluesgrass-Tunes bestens zu verstehen. Matuto auf jeden Fall boten Musik und Grooves, die mächtig gespannt machen auf das erste Album der Truppe – soll noch dieses Jahr in Europa erscheinen!

Der Eröffnungsabend mit einer Verbeugung an die Musikstile Ungarns ist hier.

WOMEX – der Eröffnungsabend mit ungarischem Herzschlag

27. Oktober 2011  
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Die dritte und letzte Ausgabe der WOMEX in Kopenhagen wurde am 26.Oktober mit einem ungarischen Abend eröffnet. Alles was Rang und (klingende) Namen in der ungarischen Musik hat, stand auf der Bühne. Zu hören: Von der Tanz-Folk Musik interpretiert von Tükrös, über die Tambura-Vertreter Söndörgö, die Zymbal-Meister Kálmán Balogh und Miklós Lukács, die rockig bis punkigen Töne von Miklós Both und Dongó Szokolay bis zu den Sängerinnen Agi Szalóki und Kátya Tompos.

Ich war einmal mehr erstaunt, wie wenig ich über die ungarische Musikszene wusste – und wie vertraut doch die Melodien und Rhythmen klingen. Kein Wunder eigentlich, denn sowohl über das Revival der Balkanmusik, die Jahrhunderte dauernde Verbindung mit Österreich, aber auch in den Kompositionen von z.B. Bela Bartok war dieser Klang doch immer in den Ohren Westeuropas. Und die aktuellen Interpretationen der ungarischen Künstler zeigen, dass sie auch Rock und Jazz bestens in ihre Melodien und Arrangements integriert haben.

Buskers Bern 2011, 11. – 13. August

12. August 2011  
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Sie sind Strassenmusikanten, Theaterleute, Gaukler, Cover-Bands oder manchmal alles zusammen. Flamenco, Salsa, Jazz, Funk, Klassik, Rock, Folk, Weltmusik – egal welcher Musikstil: solange die Truppen nicht all zu viel strommässige Verstärkung brauchen und das Publikum unterhalten können, sind sie in Bern gern gesehene Strassenkünstler.

Zum 8. Mal geht das Buskers Festival über die 30 Bühnen der Berner Altstadt. Eingeladen wurden dieses Jahr 30 Gruppen aus der Schweiz, dem benachbarten Europa und sogar von Übersee. Und für einmal scheint auch Petrus mit von der Partie zu sein, denn obwohl der Sommer in diesen Breitengraden seinen Namen nicht wirklich verdient, sorgte er gestern für saisonales Ambiente bei angenehme Temperaturen.

Die Gassen sind voll, jedes Theater und jede Band findet ihr Publikum, die Zuschauer geniessen Musik, Speis und Trank. Möchte man einen Wehrmuts-Tropfen beifügen dann der, dass bei vielen das Kleingeld nicht so sehr locker sitzt. Aber vielleicht ändert das heute und morgen Abend noch und die Künstler haben einen gut gefüllten Hut am Ende des Tages.

Das Programm und alle Bands findet man auf der Site von Buskers Bern.

22. Afro-Pfingsten – African Music & Women Voices

13. Juni 2011  
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Eine enthusiastische Eröffnung, eine Brise aus Kairo, rockige Gitarrentöne aus Mali, Afropop aus Guinea, Disco-Stürmerin à la Jamaica, die Diva aus Bamako, Soul aus Berlin und soziales Songwriting made in Hamburg – etwas für alle?

Das Programm startete am Sonntag-Nachmittag bereits um 13.30 Uhr mit dem Familienprogramm, resp. dem Tanz-Theater Café au Lait. Ein akustisch, tänzerisch und theatralisches Märchen rund um den Baobab, von leuchtenden Kindergesichtern erzählt. Grandios.

Dann wehte eine Hauch Ägypten durch die Sulzerhalle. Hossam Ramzy und seine Truppe brachten klassische Lieder und Bauchtanz in die nachmittägliche Halle, für viele eine Erstbegegnung mit diesem Musik-Stil. Vieux Farka Touré wusste nicht genau, ob sein rockiges, gitarrenlastiges Set beim Publikum ankam. Und ich muss ihm recht geben – es war wohl am Familiennachmittag mit vielen spielenden Kindern in der Halle zu früh angesetzt. Beide Auftritte hätten eine andere Tageszeit und somit ein anderes Publikum verdient.

Engagierte Frauen

Den Frauen gehörte der Abend. Maciré Sylla und ihr Afropop aus Guinea hatten erst mal mächtig mit der Technik zu kämpfen. Je besser der Sound wurde, umso mehr stieg die Stimmung – toll hingekriegt. Dann eine stilistische Kehrtwende: Diana King aus Jamaika sang sich mit ihrer Truppe durch das (Disco)-Repertoire der letzten 30 Jahre, solide, aber gefällig.

Der grosse Star des Abends war die Stimme Aus Bamako: Oumou Sangaré. Die Diva führte vor allem die Songs der letzten CD «Seya» im Repertoire, wurde von einer kompakten Truppe unterstützt und brachte Afrika in die Halle zurück. Eindeutig der musikalische Höhepunkt des Abends. Auch wenn anschliessend Joy Denalane mit ihrer schon-fast-Big-Band deutschen Soul vom momentan Besten bot: Es war wohl eher was für ihre Fans. Mir war’s zu unverbindlich, und zu undifferenziert.

Unity

Einen positiven Schlusspunkt setzte dann Nneka aus Hamburg, resp. Nigeria. Mit ihrem Mix aus Rap (Lauryn Hill lässt grüssen), Blu Funk (Keziah Jones lässt grüssen) und sozialem Songwriting (Tracy Chapman lässt grüssen) setzte sie einen würdigen Schlusspunkt für diese Festival. Sie war die einzige, die auf den kalendarischen Termin, also Pfingsten, auch in einer Ansage ausführlich einging. Die Botschaft von Pfingsten – «und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt» – übersetzte Nneka so: Unity – und das bitte möglichst sofort!


22. Afro-Pfingsten Winterthur – Global Night

12. Juni 2011  
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The Faranas legten los, Papa Wemba versucht’s mal etwas ruhiger, Thione Seck hält eine Zeremonie ab, Sergent Garcia unterhält die Leute und bei Khaled ist man sich nicht mehr ganz einig – das war die zweite Konzertnacht der 22. Afro-Pfingsten in Winterthur 2011.

Eines vorneweg: Es ist erstaunlich, wieviele Grossformationen heute noch unterwegs sind. Keine Truppe an diesem Abend, die weniger als 10 Leute auf die Bühne brachten!

Also: Aus Bern kamen The Faranas angereist. Dem Afrobeat verfallen seit Jahr und Tag legte das Gebläse auch kräftig los. Enthusiasmus ging über punktgenaues Spielen, das klang dann manchmal auch sehr wild, aber immer sehr groovy.

Zwei unterschiedliche Karrieren

Papa Wemba hat den Zenith seiner Karriere sicher schon überschritten und weiss nicht mehr genau wohin mit sich. Wenn er an seine wilden Rumba und Soukous-Zeiten anknüpfen will, gelingt ihm das nicht mehr so ganz, und für die ruhigeren Töne hat er zuwenig Standfestigkeit – noch. Vielleicht ergibt sich das in den nächsten Jahren.

Dann der grosse Auftritt des Mbalax Königs Thione Seck aus Senegal mit seinem nach Arabien und Indien ausgerichteten Orient-Programm. Für das festfreudig aufgelegte Publikum wohl  ein fast zu ruhiges Konzert. Aber für Thione die Gelegenheit, seine Stimme auch in Winterthur strahlen zu lassen. Die Chorsängerinnen eiferten ihm mit ebenso klaren Einsätzen nach. Manchmal war es mehr eine Zeremonie als ein Konzert, denn die Arrangements waren gerade in den ruhigeren Liedern ziemlich orchestral ausgelegt.

Party und Kopfschütteln

Dann gab’s Latinsounds und Salsamuffin mit Sergent Garcia, der seinen neu definierten Sound mit Schwung auf die Bretter brachte. Eine Band in überzeugender Schärfe, zwei Frontleute mit hohem Energiepegel, Grooves und ein Repertoire für die Tanzbeine: Mehr braucht es nicht für die Party.

Nach dem Konzert von Khaled war sich das Publikum nicht ganz einig: Hatte man nun einen übermüdeten Khaled gesehen – er hatte am gleichen Tag schon ein Konzert in Essen gegeben, und war jetsetmässig eingeflogen worden – oder hatte der Mann unterwegs zuviel von irgendwas konsumiert. Auf jeden Fall rettete sich der Mann dank seiner Routine und seiner Band über die Runden, aber die Fans schwankten zwischen “vernebelt” bis enttäuscht.

Fazit: Programmumstellungen, ein stilistisches Zickzack-Programm und positive wie negative Überraschungen von der Bühne her konnten die Feststimmung des Publikums nicht trüben.

22. Afro-Pfingsten, Roots & Reggae

11. Juni 2011  
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Reggae in allen Varianten, von Raggamuffin über ganz klassische Roots-Sounds bis zu politischen Aussagen und Hochglanz-Pop: Der erste Konzertabend des 22. Afro-Pfingsten Festivals in Winterthur brachte das ausverkaufte Haus zum tanzen und mitsingen.

Es war der Abend von Alpha Blondy und Inner Circle, aber beginnen wir doch der Reihe nach: Eröffnet wurde der Reggae Abend von der angesagten Schweizer Garde mit Elijah, der mal die Marke setzte. Knackeboul konnte die gute Stimmung für sein Lausbuben-Set ausnutzen. Und Dodo hatte im Publikum einen textsicheren Chor. Dann ging’s international weiter.

Julian Marley konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht, oder nur ansatzweise erfüllen. Es ist auch kein Leichtes, sich aus dem Schatten des Reggae-Übervaters frei zu spielen. Auch Kenyatta Hill kämpft mit der Vergangenheit. Auch er beruft sich bei jedem zweiten Song auf seinen verstorbenen Vater, den ehemaligen Leadsänger der Culture – auch hier wäre ein Blick in die Zukunft, resp. Eigenständigkeit angebracht.

Grosse Namen, grosser Auftritt

Volles Haus – der erste Abend in Winterthur war ausverkauft! – und warmherzige Stimmung dann für Alpha Blondy. Er spielte mit einem geschickten Mix aus alten und neuen Songs ein sattes, abwechslungsreiches Set. Da fehlte weder der Cha Cah Cha du CFA aus der neuen CD, noch seine Version des Pink Floyd Klassikers Wish You Were Here. Der Sound-Mix war sorgfältig genug, dass man auch was von den Klartext-Aussagen des Sängers mitbekam.

Überraschend auch das Set von Inner Circle. Dachte ich erst, dass es ein bisschen zuviel Hochglanz-Reggae geben würde, so musste ich mich teilweise korrigieren. Es war wohl Pop-Reggae, aber hochprofessionell rüber gebracht. Und mit Sänger Kris Bentley hat die Truppe einen charismatischen Frontmann mit tragender und überzeugender Stimme. Auch hier: Chapeau!

Fazit: Gelungener Start ins Konzertwochende von Winterthur!

Bab El Med, zweiter Konzertabend, 25. März 2011

29. März 2011  
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Bab El Med zum zweiten -  an diesem Freitag Abend schon mit deutlich mehr Publikum. Soviel, dass das einsame Duo Place Klezmer mit Akkordeon und Posaune gänzlich unterging. Volles Haus dann  für eine unbekannte Stimme aus dem kleinen Somaliland: Sarah Halgan. Etwas nervös war sie. Heimspiel gab’s für ein Projekt aus der Provence: Chants Sacrés Gitans steht auf der Schnittstelle von andalusischer, katalanischer und provencalischer Musik, zusammengehalten vom Feuer der Gypsies.

Exotischer ging es weiter mit der koreanischen Truppe Noreum Machi: Trommelspiel auf höchstem Niveau. Und auch der Spass kam nicht zu kurz! Dann kennt die Welt ab sofort ein neues Akkordeon-Projekt, das ein wenig in der Gefolgschaft des Accordeon Tribe steht. Nur sind es diesmal gleich fünf Akkordeonisten aus fünf Ländern: Riccardo Testi, Bruno Le Tron, Markku Lepistö, Didier Laloy und David Munnelly bedienen sich für dieses Projekt der kleinen, diatonischen Handorgel – grandios!

Im Südosten Afrikas haben sich drei Interpreten zum Projekt Afrique du Soleil Levant zusammengetan: Maalesh, Diho und Triongazi bringen süsse, manchmal etwas zu süsse Melodien von der Inselwelt der Komoren und Mayotte. Ganz anders dann Blue King Brown aus Australien: Hier kommt eine geballte Breitseite Rock mit Hendrix-Gitarren, schwurbelnder Hammond-Orgel und Perkussionsfeuerwerk daher. Hart aber herzlich.

Ein intensives Konzert gibt’s mit Christine Salem. Die Maloya-Sängerin aus La Réunion zeigt, dass ihre Musik live noch mehr unter die Haut geht, als wenn man sie nur vom Silberling hört. Sehr beeindruckend. Beim Instanbuler Quintett Sazendeleri war der Konzertsaal bereits wegen zuviel Andrang geschlossen.

Die grosse Party lancierten die Chilenen Chico Trujillo: Ska, Cumbia und Punk zu einem wirbligen Gebräu zusammengemischt passte dem Saal-Publikum bestens, die Tanzbeine wurden geschwungen. Und zum Abschluss gab’s Elektronisches mit Dub-Elemente versetzt von Fedayi Pacha.

Eindrücke vom ersten Konzertabend gibt es hier.

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