Os Mutantes – Haih or Amortecedor
8. Oktober 2009
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Wenn der Samba in den Art-Rock kippt, alte LSD-Räusche aufgekocht werden, und die Rocky Horror Picture Show zu Gast ist, dann tönt das in etwa so wie Os Mutantes.
Os Mutantes waren in den 70ziger Jahren jene rockende Hippie-Truppe Brasiliens, vor denen sämtliche Eltern warnten: Wild, psychedelisch, hemmungslos, grenzüberschreitend. Innerhalb von zehn Jahren wechselte das Lineup acht Mal. 1978 kam das endgültige Aus, die Band löste sich auf. Aber die Truppe war bereits eine Legende und hatte weltweit ihre Spuren in der Rockwelt hinterlassen. Nirvanas Kurt Cobain wollte sie in den 90zigern zur Reunion bewegen. Der Talking Head David Byrne brachte 1999 ein Best-of-Album auf seinem Luaka Bop Label heraus.
Justin Adams & Juldeh Camara – World-Rock’n’Roll
5. Oktober 2009
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Wer sie auf der Bühne erlebt, denkt: Was für eine Rock-Band! Und doch machen sie Musik, die unter dem Label Worldmusic läuft. Justin Adams und Juldeh Camara kümmern sich nicht besonders um die Schublade, in die sie gesteckt werden. Vielmehr verlassen sie sie noch so gerne, um auf die Bühne zu steigen und loszulegen. Wer in diesem Sommer die Gelegenheit hatte – wie die Besucher des Weltmusikfestivals in Yverdon – haben wohl eines der Konzerte des Jahres erlebt.
Was die Musik der beiden ausmacht: Keiner muss sich verkrümmen um sich dem andern anzupassen – das geht einfach zusammen. Die Riti aus Gambia schneidet durch jeden Rockakkord, und Juldehs Gesang strahlt über jedem Volumenpegel. Justins Gitarrenarbeit ist effizient, gradlinig, ohne simpel zu sein, und zutiefst solide, denn er beherrscht die Kunst des «Weniger-ist-mehr». Zusammen gibt das das momentan schärfste Rock-Gespann Europas. In Yverdon erzählten sie globalsounds.info von Zufällen, Einfällen und Möglichkeiten.
Ihre Silberlinge heissen «Soul Science» und «Tell no lies».
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Voo Voo ï Haydamaky – Voo Voo ï Haydamaky
14. September 2009
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Für ein Mal zeigt sich, dass auch eine politische Idee fähig ist, ein kulturelles Highlight hervorzubringen. Das gelingt vor allem, weil die Beteiligten nicht wirklich an irgendwelche Grenzen glauben.
Haydamaky haben sich mit ihren Alben «Ukraine Calling» und «Kobzar» im Westen Europas einen sehr guten Namen gemacht. Ihre Konzerte haben Kultcharakter. Voo Voo sind in ihrer Heimat sowas wie die nationale Messlatte in Sachen Rock und Jazz. Getroffen haben sich die beiden Bands bei einem grenzüberschreitenden Fest an der Ostgrenze Polens zur Ukraine: «European Bridge – Frontier 803». Die beiden Bands fanden sofort den Draht zu einander. Und auch Zeit für weitere Konzerte und Studiotermine.
Alamaailman Vasarat – Huuro Kolkko
25. August 2009
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Es gibt viele seltsame Musikmischungen, und es gibt Alamaailman Vasarat. Die Finnen spielen akustischen Schräg-Rock, aber das ist nur der Anfang.
Seit etwas mehr als zehn Jahren unterwegs, und mittlerweile bei der fünften Produktion angelangt, haben die sechs finnischen Musiker schon einiges abgearbeitet. Nun ja, in dem Land, in dem die Rocker Haartolle vom Ausmass eines zusammengerollten Bettvorlegers tragen, wo Filmemacher tieftraurig-humorige Geschichten erzählen, wo Cello-Brigaden Metallica interpretieren, da entstehen eben noch weitere seltsame Bands. Nach einem Projekt mit dem finnischen Cousin von Tom Waits, Tuomari Nurmio, («Kinaporin kalifaatti» 2005), und einer schwermütigen Achterbahnfahrt auf einem skurrilen Jahrmarkt («Mahaan» 2007) ist jetzt Rock angesagt.
Jaune Toujours – Ko Lektiv
30. Juli 2009
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Die rockenden Chansonniers aus Belgien vermeiden einmal mehr die Schubladisierung. Ihr Credo: «Anything is acceptable, as long as it grooves.»
Über 10 Jahre und 6 CDs lang ist die Karriere der Brüsseler Combo bereits. Den Sänger und Komponisten Piet Maris als Manu Chaos Cousin aus Brüssel zu bezeichnen wohl etwas überrissen, zielt aber in die richtige Richtung. Irgendwo zwischen Les Négresses Vertes, The Clash und Osteuropa ist der rockende Chansonmix platziert. Umspielt wird das Ganze von einem jazzig ausufernden Gebläse – wobei es sich nicht um einen ausgewogenen Satz handelt, sondern um eine Übermacht an Trompeten.
Los Lobos – Just Another Band From East L.A.
25. Juli 2009
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Seit über 30 Jahren unterwegs und noch immer der heisseste Mexiko-USA-Mix. Diese «Collection» zeigt, woher die Band kommt und wie der Weg an die Weltspitze verlief.
Los Lobos sind etwas mehr als eine amerikanische Rockband, sie kommen aus einer hispanischen Kultur. Heute spielen sie mit Ry Cooder, Taj Mahal oder Ruben Blades, Mavis Staples oder Elvis Costello. Es scheint, als gebe es für diese Band keine kulturellen Barrieren mehr. Im Verlauf dieser 30jährigen Laufbahn haben sich David Hidalgo, Louie Pérez und Cesar Rosas auch einen Namen als Songschreiber gemacht. Wenn sie für diese Song-Sammlung denselben Titel wählen, wie für ihre erste Produktion überhaupt, ist dies eine grosse Verbeugung vor ihren mexikanischen „Lehrjahren“.
Jarabe de Palo – Orquesta Reciclando
7. Juli 2009
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Pau Donés hat seinen grössten Erfolgen ein neues Kleid verpasst. Etwas fahrlässig verkürzt könnte man sagen: Rock raus, Latin und Swing rein.
Pau Donés ist Jarabe de Palo, auch das ist eine Verkürzung. Aber er ist der Songschreiber der Band aus Barcelona, die in den 90ziger Jahren auszog, dem spanischen Rock eine neue Note zu verpassen. Das ist nicht einfach, denn Rock und Spanien passen selten zusammen. Es kommt meistens zu viel Pathos dabei heraus. Aber Pau Donés hielt mit guten Song-Ideen dagegen. Schon die erste CD brachte mit «La Flaca» und «Grita» zwei Songs, welche die Band nicht nur in der Heimat, sondern auch in Europa bekannt machten.
Aterciopelados – Rio
23. April 2009
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Es gibt sie noch, die sozialkritischen Songs, und Bands. Und so “samtig” wie der Bandname suggeriert, ist die Musik nicht – hier wird gerockt.
Aterciopelados sind das Rock-Aushängeschild Kolumbiens, ihre prägenden Mitglieder die Sängerin und Gitarristin Andrea Echeverri und der Bassist und Klangtüftler Héctor Buitrago. Obwohl sie zweifache Latin-Grammy-Gewinner sind, mehrfach nominiert wurden, und vom TIME Magazin hoch gelobt werden, sind sie in Europa so gut wie unbekannt. Vielleicht rührt das daher, dass spanisch gesungener Rock im alten Europa nicht das beste Image hat.
Värttinä – Miero
7. März 2009
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Värttinä, das sind drei Frauenstimmen, die mal soundmalerisch, mal im Stakkato um einander herumwirbeln. Die Band hat meistens was gegen gradlinigen 4/4 Takt, groovt aber selbst in den vertracktesten Tempi. Das ist Power-Folk.
Dieses Frühjahr soll ein Best of Album zum 25jährigen Jubiläum der finnischen Band auch im Rest-Europa erscheinen. Bis dahin bleibt genügend Zeit und Grund, die letzte Studioproduktion hier vorzustellen. Was als Hausmusik begann – Mutter singt mit ihren beiden Töchtern – hat sich ständig gewandelt: Über 50 MusikerInnen waren über die Jahre Bandmitglieder. Kein Wunder wenn man bedenkt, dass die “Urstimme” Maari Kassinen früher Studentin, jetzt Lehrerin an der Sibelius Academy in Helsinki ist.
Rachid Taha – Diwan 2
22. Januar 2009
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Taha verbeugt sich (nach Diwan 1 aus dem Jahre 1998) ein zweites Mal vor seiner Heimat: Diwan 2 lässt die knalligen Gitarren mehrheitlich zuhause, und holt arabische Streicher ins Studio.
«Tékitoi» (Wer bist du?) fragte der Titel von Tahas letzter CD. Diese Produktion könne auch heisst «D’ou viens tu?» (Woher kommst Du?) Rachid Taha hat tief in der Kiste vergangener Erinnerung gewühlt und musikalische Schätze erneut ans Tageslicht gebracht. Lieder, welche für seine eigene Identität und die von vielen Emigranten im Paris der 50ziger und 60ziger die Tonspur ihres Lebens waren.




