Der King of Zydeco, dem hier Tribut gezollt wird, ist Clifton Chenier. Die Liste der Interpretinnen und Gratulanten liest sich wie ein Who’s Who der älteren Pop- und Rockgeneration.
Zydeco, lange als der Afro-Cousin von Cajun gehandelt, teilte anfänglich mit diesem die französische Sprache. Wir sind ja in Lousiana im Süden der USA. Dort schnappten sich die afroamerikanischen Musiker das Akkordeon der Franzosen, liessen Triangel und Löffel als Rhythmusinstrument oft weg, griffen aber zum Waschbrett. Dann ging’s los Richtung Blues, Rock und R&B.
Der King des Zydeco ist Clifton Chenier (1925-1987). Er hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern können. Zum einen ist es erstaunlich zu hören, wie vielseitig die Kompositionen von Chenier sind. Zum anderen ist es spannend zu hören wie fast eine Generation von mehrheitlich weissen (Roots)Musikern mit diesem Material umgehen. Namedropping: John Hiatt, Steve Earl, Lucinda Williams, David Hidalgo (Los Lobos), Taj Mahal, Jimmie Vaughn, Steve Riley, Marica Ball, John Cleary, Los Texmaniacs, Molly Tuttle, Augie Meyers, Rolling Stones (!), u.v.m. Ebenfalls mit dabei die Söhne der beiden Zydeco-Ikonen Chenier und Dopsie, C.J. Chenier und Anthony Dopsie.
Man fühlt sich zuweilen zurückversetzt in die Mitte des letzten Jahrhunderts als die afroamerikanischen Grooves die weisse Popmusik veränderten. Die Lust, den Songs eine neue, zeitgemässe Form zu verpassen, ist auf diesem Tribut-Album fast greifbar. Alle Beteiligten legen sich mächtig ins Zeug und machen sich die Songs zu eigen. Ich glaube nicht, dass hier gross an den Aufnahmen herumgebastelt wurde, sondern es lief wohl oft nach dem Prinzip: «Wir nehmen Take 3, der ist gut!» Sind ja alles Chefs und Meisterinnen an den Instrumenten und Mikrofonen!
Und zudem geht es auch noch um eine gute Sache: Alle Erlöse dieser Scheibe kommen dem Clifton Chenier Memorial Scholarship Fund zugute. Damit Zydeco und insbesondere das Zydeco-Akkordeon weiter gefeiert und gefördert werden.
