Antti Paalanen spielt kein Akkordeon, sondern eine «Breathbox», und er hegt eine Vorliebe für harte Beats und geschichtete Klangwolken.
Wenn Antti Paalanen singt, dann in den tiefen Registern einer Gesangstechnik, die unseren zentraleuropäischen Ohren von den Gesängen aus der Mongolei vertraut ist, z.B. von Albert Kuvezin. Doch es ist auch eine Gesangstechnik, wie sie die Samen im hohen Norden in ihren Joiks verwenden. Es grollt und raunzt manchmal mehr, als dass es singt. Was aber bestens zur Spieltechnik von Antti Paalanen passt, denn der benutzt den Balg seines Instruments gerne als rhythmisches Schnaufen, und mindestens ein Fuss tanzt und stampft gerne kräftig den Takt.
Wie viele Finnen hat Paalanen auch einen Hang zu Hard und Heavy Rock, und wenn sein Instrument auf die Tanzbeine zielt, dann füllt sich schnell die Tanzfläche. Auf «Haitarimarinai» nun sind leisere Melodien in der Mehrheit. Der Titel der Produktion kann mit Akkordeon-Marinade übersetzt werden, und jeder Koch weiss: Marinaden brauchen Zeit um einzuwirken. Die Gangart der neuen Songs ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass er die meisten zusammen mit seiner Frau, Heidi Maria Paalanen, komponiert hat. Sie hat auch die meisten Texte zu den Melodien geschrieben. Während die Stimme von Antti immer präsent im Vordergrund ist, sind die Melodien seines Instruments oft verwaschen, verhallt, verweht im Hintergrund angesiedelt.
Das passt gut zur Geschichte, die über die Dauer der zehn Kompositionen erzählt wird: eine alte, schamanische Seele kehrt in die Welt zurück und reflektiert in verschiedenen Existenzen über die Entwicklung der Menschen. Insbesondere über den Bezug – oder den fehlenden Bezug – zur Natur.
Stimme, Beat und Klangwelt: Antti Paalanen hat sich mit dieser, seiner fünften Solo Produktion, mächtig in seinem ganz persönlichen Klanguniversum ausgedehnt.
Antti Paalanen wird das Album live am Paleo-Festival in Nyon vorstellen, und zwar am 23. Juli 2026

