Zwischen der Schweiz und Brasilien oszillierend legen Da Cruz eine Produktion vor, die ihren musikalischen Grundsatz weitertreibt: Man kann gleichzeitig denken und tanzen.
Spätestens seit Meister Goethe leiden wir Europäer an den zwei Seelen, die da in unserer Brust ihre Ringkämpfe austragen. Da Cruz haben dieses Kampfgebiet längst an den Dancefloor ausgelagert: Man darf über sich, die Welt, die Art wie wir miteinander, wie wir mit unserem Planeten umgehen, laut nachdenken, argumentieren, lamentieren – und dabei tanzen!
Da Cruz besingen keine 0815-Liebesgeschichten. Hier läuft die Beziehungs-Kommunikation z.B so:
Chata (langweilig):
Romantik ist nicht mein Ding
Ich mag weder Strand noch Kino
Nachrichten, die nach Ärger riechen
Ich bin nervig, nervig, nervig
oder
Tudo bem mais complicado (Alles viel komplizierter):
Ich erinnere mich an die großen Träume, die wir hatten, an die Hoffnung auf ein gutes Leben
Auf Freiheit, Gleichheit, eine gereinigte Seele und Leichtigkeit im Herzen
…
Alles gut, alles gut, aber es scheint ein kompliziertes Gewirr zu sein
Alles gut, alles gut, viel schwieriger, als ich mir vorgestellt hatte
In Vamos Embora (Gehen wir) geht es um das Hamsterrad, in dem wir um unser Leben rennen, um:
Kirche / Geld / Lauf / Konsum / Kirche / Geld / Sex / Ruhm / Konsum / …
Es gibt auch eine Geschichte aus den Favelas, wo nicht genau klar wird, vor wem die BewohnerInnen mehr Angst haben müssen, vor der Polizei oder Banditen, auf jeden Fall ist Zeze, der Nachbar, tot. (Die Texte können auf der homepage nachgelesen werden, bei der Übersetzung hilft der digitale Assistent…)
Musikalisch setzt Ane H. seine digitalen Instrumente vehementer ein als auch schon. Keine Abtempierung durch Gitarre, keine Verzierung durch Live-Schlagzeug. Alles kommt, wie man auf bern-deutsch sagt: «fadegrad» daher. Selbst die versöhnlicheren Zeilen haben eine gewisse Härte. Mariana ihrerseits rappt häufiger als auch schon, schleudert ihre Gedanken zwischen die Beats. Und trotz der Härte klingt die Scheibe nicht aggressiv, nicht anklagend. Es ist die persönliche Auseinandersetzung mit der Gegenwart, mit dem Blick in die Welt ohne rosa Brille. Wem dieser Blick zu hart ist, sollte um so schneller seinen Tanzbeinen freien Lauf lassen – dann wird’s leichter.
Da Cruz pendeln zwischen den Kontinenten, zwischen Anklage und Verständnis, zwischen Beat und «getting beaten», und lassen keine wattierten Kompromisse zu.
Mehr Infos über Da Cruz …
Für offene Ohren in Bern: Die Plattentaufe ist heute Abend, 21.2.26, im Rahmen einer Baile-Party im Soussol.


