Manchmal ist Italien weit weg. Schon vor einem Jahr war die CD von La Niña in vielen Ohren, jetzt ist sie auch in den Alpenländern angekommen.
Gut Ding will Weile haben, im Fall von La Niña rund ein Jahr. Doch nun taucht die Sängerin auf vielen grossen Festival-Bühnen auf: Transmusical Rennes, Rudolstadt Festival, Les Suds, à Arles. «Furèsta» ist die zweite Produktion der Sängerin und so etwas wie eine Häutung: Ein klarer Schritt von eher minimalistisch produzierten Folktronica-Songs (Vanitas 2023) zum Drama, und der grossen Produktion.
Neapel ist der Fixpunkt, um den sich die Produktion dreht, zu hören in vielen Melodien. Die Hafenstadt war schon immer ein Treffpunkt der mediterranen Welt; hier vermischen sich die Kulturen des Nahen Ostens, Afrikas, dem iberischen Teil Europas und natürlich Italiens, insbesondere des Südens. Die Sängerin hat genau hingehört, wie es Künstlerinnen wie Rosalía schafften, Folktradition und urbane Klangwelten zusammen zu bringen, ohne die Kraft der Tradition zu verlieren, oder zu stark zu verfremden.
Kondensat
Im Studio wurde Carola Moccia, so der bürgerliche Name von La Niña, bei den Aufnahmen von einem grossen Frauenchor begleitet. Das macht Sinn, denn viele Songs sind Betrachtungen der Welt, und ihres momentan desolaten Zustands, aus weiblichem Blickwinkel. Produziert wurde mit den Klangmöglichkeiten der modernen Pop-Musik, wobei einzuwenden wäre, dass diese Sängerin nicht wirklich Auto-tuning benötigt, denn singen kann sie! Der Beweis dafür ist die Aufnahme eines Studio-Auftritts an den Transmusicals Rennes 2025 auf YouTube. Dort zeigt die Sängerin, wie sie die Songs auch mit einer kleineren Formation live und kraftvoll auf die Bühne bringt.
Ein Nachteil dieser Produktion: mit Songs, die zum Teil weniger als zwei Minuten lang sind, kommt die Aufnahme gerade mal auf eine Gesamtlänge von 28 Minuten.
Ein Folktronica-Album aus Neapel mit der klaren Absicht, die traditionellen Wurzeln des Mittelmeers kontrastreich darzustellen.


