Aus Ghana kommt eine Folktronica-Produktion mit ganz speziellem Flair: Die Sängerin Lamisi und der Produzent Wanlov the Kubolor spannen zusammen.
Lamisi hatte ich bisher eher in popigem Umfeld kennen gelernt, z.B. als Gast bei Onipa oder als Teil des NGO «Black Girls Glow» Projekts (mehr dazu hier). Für dieses Album hat sie sich mit Wanlov the Kubolor (die eine Hälfte der Fokn Bois (YouTube)) zusammen getan und etwas geschaffen, was zwar mit dem Begriff African Futurism umschrieben wird, aber die bisher von diesem Begriff geprägten Vorstellungen sprengt.
Die beiden nutzen eine musikalische Tradition aus dem Norden Ghanas, wo die Frauen ihre ganz spezifische Tradition des Klatschens entwickelt haben. Die Rhythmen begleiten die Worksongs der Frauen. Lamisi und Wanlov transportieren dieses rhythmische Klatschen ins Studio, und kreieren mit Unterstützung von Perkussion und der digitalen Technik das, was sie als Wertschätzung von Tradition, und gleichzeitig als Weiterentwicklung von typisch ghanaischen Grooves bezeichnen. Das ist in meinen Ohren gelungen!
Produziert für Realworld hat dieses Album diverse Stolperdrähte erfolgreich übersprungen: Es hat sich nicht von den zuweilen überfrachteten Tech-Produktionen der Realworld-Studios vereinnahmen lassen – auch wenn der Einsatz von Auto-Tuning manchmal etwas strapaziert wird. Es hat nicht auf die für die westliche Industrie fokussierte Afro-Pop-Schiene gesetzt, sondern hat die Songs transparent, einfach belassen. Dass die Produktion über Monate gewachsen ist, hat ihr gut getan. (Die ganze Entstehungsgeschichte kann hier bei Realworld nachgelesen werden.)
Das Album wirkt in dieser Haltung etwas spröde, doch entwickelt es einen Sog, dem sich ein musikalisch interessiertes Ohr schwerlich entziehen kann.

