Les Suds à Arles 2025 – der erste Tag

Les Suds à Arles feiern ihren 30. Geburtstag. Zum Auftakt mit einer neuen Stimme, einem Geheimnis, und einem Tanzabend – wir haben schliesslich den 14. Juli!

Das Programm des Festivals Les Suds à Arles war schon immer sehr reich ausgestattet mit Angeboten von Film über Workshops bis Diskussionsrunden – und natürlich viel Musik. Weil man schliesslich den runden 30.Geburtstag feiern will, hat man auch gleich noch den Montag annektiert. Zumal der auch 14 julliet war, der Nationalfeiertag der Grande Nation.

Mandy Lerouge sur scene
Mandy Lerouge

Mandy Lerouge eröffnete das Festival mit einer Hommage an Antoinette Paule-Pépin Fitzpatrick. Bei ihrer Arbeit als Radio und TV-Journalistin entdeckte Lerouge ein Geheimnis im Leben von Atahualpa Yupanqui. Der argentinische Sänger, eine südamerikanische Ikone der Folkmusik des letzten Jahrhunderts, firmierte seine Kompositionen sehr oft mit einem Co-Author, Pablo del Cerro. Mandy Lerouge fand nun heraus, dass sich hinter diesem Namen ein Geheimnis verbarg: Es handelt sich um die Frau von Youpanki. Dass sie sich hinter einem Pseudonym verstecken musste, sagt einiges über den Machismo in ihrem Land aus. Auch über die heikle, politische Position ihres Mannes, der für seine klaren Aussagen gegen die Armeeherrscher mehrmals im Gefängnis landete. Zeitweilig konnte er selber nur unter einem Pseudonym schreiben.

Lerouge fand nicht nur die wahre Identität hinter dem Pseudonym heraus, sondern fand auch 900 km von Buenos Aires entfernt einen Sohn der beiden, Roberto Cavero, ihr einziges Kind. Er öffnete Lerouge nicht nur Bibliothek und Archiv seiner Familie, sondern erlaubte ihr auch, unveröffentlichte Lieder für eigene Aufnahmen einzuspielen.

Auf der Bühne entwickelte sich eine Melange aus sorgfältig arrangierten Melodien, O-Ton Einspielungen aus dem Archiv der Yupaniquis, Klangzaubereien von Nicolas Repac, angereichert mit den Reiseberichten der Sängerin – eine Collage aus alten Geschichten und neuen Songs und Sounds. Lerouge hat die Gabe, die Songs nicht nur zu interpretieren, sondern sich in sie einzufühlen. Viel Empathie, eine unverhohlene Verehrung der Komponistin, und etwas überdramatisierte Moderationen öffneten eine Liederwelt, die seit langem in Kisten, Schachteln und Bibliotheken schlummerte. Eine erste CD «Del Cerro» (Spotify) ist bereits erschienen, eine zweite in Arbeit. Es gab zurecht eine Standing Ovation.

HomepageSpotify

Le Bal

Dann war ein Tanzabend angekündigt. Nun muss man wissen: Le bal ist eine französische Einrichtung, ein gesellschaftlicher Anlass. Wir Zentraleuropäer kennen auch unsere traditionellen Tanzanlässe, die Tanzböden, die Festmusiken. Doch der Bal Folk begann erst in den letzten Jahren in unserern Breitengraden an Popularität zuzulegen.

Die Musiker der jüngeren Generationen haben den Bal für sich neu entdeckt, und das Publikum hat Spass daran. Obwohl ein solcher Abend durchorganisiert ist, denn er geht weit über Walzer und Polka hinaus. Kurz zusammengefasst: Hier werden von der Bühne herab erst mal die Reihen- oder Kreistänze erklärt, versuchsweise angetanzt, dann geht’s los. Der O-Ton wird es auf den Punkt bringen (man sollte etwas Französisch verstehen….).

Je später der Abend, umso tumultöser ging es auf dem Place Voltaire zu und her. Zur großen Freude der Anwesenden Tänzer und Tänzerinnen (Das Verhältnis war in etwa 1:5) und zum großen Stress der umliegenden Gastrobetriebe. Der Durst der Tanzenden, unterstützt von einer brütenden Hitze, resultierten in Bestellungen von Flüssigkeiten im Sekundentakt. Die Gläser waren mental oft schon ausgetrunken bevor sie überhaupt serviert wurden.

Le Mange Bal et la foule

Von der Bühne her eingeheizt, unterrichtet und unterhalten vom Duo (mit Computer) Le Mange Bal. (Spotify). Seit Jahren bereisten sie die Dörfer mit ihrem Mix aus archaischer Tradition und Trance-Techno. Jetzt soll Schluss sein. Der Klarinettist hat anderes im Sinn. Quasi a last waltz in Arles… Aber ein wilder!

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Die Übersicht über die Berichte vom Les Suds à Arles 2025

Montag 14. Juli : Mandy Lerouge, u.a.

Dienstag, 15. Juli: Seu Jorge, Stick in the Wheels u.a.

Mittwoch, 16. Juli: Dal:um, Piers Faccini & Ballaké Sissoko, Salif Keïta u.a.

Donnerstag 17. Juli: Yom, Birds on a Wire, Yerai Cortés u.a.

Freitag, 18. Juli: Quatuor Rokh, Nagash Ensemble of Armenia, Le Trio Joubran, u.a.

Samstag, 19. Juli: Sam Karpienia, Rebecca Roger Druz, Orchestre Tour Puissant Marcel Duchamp, De Kift

 

 

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