Les Suds à Arles 2025 – Vierter Tag

Les Suds à Arles ist nicht nur Konzert-Festival, hier wird auch gearbeitet, täglich. In rund 40 Workshops geben Profis ihr Wissen weiter, vermitteln Können und Spass.

Natürlich spielt auch hier die Musik eine Rolle. Aber ebenso reichhaltig sind die Angebote im Bereich Tanz, Kochen, Handwerk u.a. Eine vollständige Übersicht über die Vielfalt gibt es hier.

Beim mittäglichen Rendez-vous wurden einzelne Workshops vorgestellt. Manu Théron und sein Mitstreiter Damien Toumi bringen z.B. alles mit, was es über a capella Gesang und die Tamburine rund um Marseille zu lernen gibt.

Das Duo mit der Sängerin Rosemary Stanley und der Cellistin Dom la Nena wird als «Bird on a Wire» am Abend auf der Bühne des Amphitheaters zu sehen sein.

Mit Akkordeonist René Lacaille – er unterrichtet hier sein Instrument und vermittelt damit auch die Tradition von Maloya und Sega – wird dem Mittagspublikum ein lockeres Ständchen geboten.

Auch gibt es eine klingende Vorschau auf ein Konzert vom Sonntag, draußen in der Camargue: Rachele Andrioli, eine Stimme aus dem Salento, die zu entdecken ist.

Ferrago

Die abendlichen Konzerte werden von Raffut auf dem Place Voltaire eröffnet. Eine Surf Gitarre wird angetrieben von einer Vielzahl von Trommeln, Rasseln, Glöckchen, Zimbeln, Gongs, und zwischendurch von einem Hufeisen als Ersatz für einen Triangel.

Eine Flöte kommt auch zum Einsatz, doch mehrheitlich muss die Gitarre die Melodiearbeit übernehmen. Außer natürlich wenn gesungen wird, in okzitan oder französisch. Wenn nicht gesungen wird, wird deklamiert, vertonte Gedichte, z.B. von Max Rouquette, oder Joan Brossa.

Doch die Mehrheit der Texte kommt aus eigener Produktion. All das mit schelmischem Spaß und (noch ziemlich) jugendlichem Eifer vorgetragen; in meinen Ohren klingt es live viel transparenter und klarer als auf ihrem CD-Erstling.

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Yom x Ceccaldi

Yom, der einstige New King of Klezmer (Spotify), hat für sein neustes Projekt die Brüder Théo und Valentin Ceccaldi begeistern können. Was die drei auf die Bühne bringen ist eine musikalische Reise auf einem fliegenden Teppich. So auch von Yom angekündigt: wenn wir mal zu spielen beginnen hört die Reise nicht mehr auf. Es ist eine Suite ohne Pausen, nur mit dynamischen Ruheplätzen. Dann geht die Reise in neue Klanggegenden.

Yom kann (und will) seine Klezmer-Herkunft nicht vergessen, das Cello von Valentin Ceccaldi übernimmt viel rhythmische Grove-Arbeit, und die Geige von Théo Ceccaldi ist zwischen Groove und Klarinetten-Melodie unterwegs, mäandert, bringt Fülle und Sound.

Alle drei Musiker sind in so vielen Projekten unterwegs dass Stilfreiheit selbstverständlich ist. Und dazu gibt es ein grandioses Begleitorchester durch die ständig zirpenden Zykaden. Als Solisten tauchen auch einige Vogelstimmen auf.

Standing Ovation. Eine Aufnahme dieses Projekts «le rythme du silence» wird im Herbst erscheinen.

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Birds on a Wire

Was haben Pink Flod, Bronsky Beat, französische Chansons, Gilberto Gil, italienische Schmelzer und Jaques Brel gemeinsam? Am heutigen Abend: die Interpretation durch Rosemary Standley und Dom La Nena a.k.a. Birds on a Wire. Es ist ein Liederabend zwischen Pop-Erinnerungen und Charme. Zwei klare Stimmen, ein Cello, eine Loop-Station, später noch ein indisches Harmonium.

Und, überraschend, auch am Abend mit Manu Théron und Damien Toumi. Ich traf Manu später noch, und fragte, ob das so geplant gewesen sei. Seine Antwort: «Ja, seit ungefähr 18.00h. Rosemary fragte uns, ob wir für ein, zwei Songs mithelfen konnten. Sie sagte uns aber nicht, welche Songs das waren, bis wir dann auf der Bühne standen …»

Das Repertoire von Birds on the Wire scheint endlos zu sein, mäandert zwischen mittelalterlichen Folksmelodien, den Sprachen, den Kulturen. Da kann es schon mal passieren, dass die beiden Sängerinnen einen Song anspielen – und abbrechen. Kommentar Rosemary: «I have a bug…», Text weg, blackout. nächster Song. Sehr charmant.

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Yerai Cortés

Einer der neuen Stars der an Experimenten nicht armen Flamenco-Szene ist Yerai Cortés. Mit sechs Sängerinnen / Palmeras inszenierte er den Auftritt, zumindest in den ersten Hälfte des Konzerts. Gruppenaufstellungen mit den Sängerinnen, menschliche Tableaux, Einspielungen von O-Tönen und Geräuschen. Aus der Gitarre kamen ruhigen Harmonien, fast süsslichen Melodien, und im Auftritt des Gitarristen eine Portion Machismo.

Im zweiten Teil verzichtete der Jungstar dann auf die Inszenierungen, und spielte Songs. Spielen kann er, und seine Sängerinnen hatte er nicht aus den Reihen der Professionellen geholt, sondern in den Flamenco Lokalen rekrutiert. Die Intention: eben nicht Hochglanz, sondern Bezug zum Alltag, zum gelebten Flamenco zu schaffen. Das gelang und kam auch beim Publikum gut an.

Olivier Rey, der Festivalorganisator aus Marseille (siehe Reportage Babel Music), und Kenner der Flamencoszene meinte zum Auftritt von Cortés: Das war echter Flamenco und das pure Gegenteil davon. Denn was hat Flamenco mit Inszenierung zu tun? Nichts. Doch musikalisch war da viel Flamenco drin – ein paradoxes Experiment.

Ich vermute, dass es für einige Zuschauerinnen und Besuchern manchmal etwas gar viel Experiment war. Aber auch dass einige Vorstellungen, wie Flamenco zu klingen hat, geschreddert wurden. Ob‘s den Flamenco weiterbringt, lassen wir mal offen.

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Die Übersicht über die Berichte vom Les Suds à Arles 2025

 

Die Übersicht über die Berichte vom Les Suds à Arles 2025

Montag 14. Juli : Mandy Lerouge, u.a.

Dienstag, 15. Juli: Seu Jorge, Stick in the Wheels u.a.

Mittwoch, 16. Juli: Dal:um, Piers Faccini & Ballaké Sissoko, Salif Keïta u.a.

Donnerstag 17. Juli: Yom, Birds on a Wire, Yerai Cortés u.a.

Freitag, 18. Juli: Quatuor Rokh, Nagash Ensemble of Armenia, Le Trio Joubran, u.a.

Samstag, 19. Juli: Sam Karpienia, Rebecca Roger Druz, Orchestre Tour Puissant Marcel Duchamp, De Kift

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