Compilations sind Kondensate. Mit der Playlist 25-37 blicken wird auf Sammlungen, welche Zeitabschnitte, Herkünfte und verlegerische Arbeiten um- und zusammenfassen.
Wen das Fieber nach dem blättern, wühlen und anhören von alten Vinyl-Sammlungen gepackt hat, den lässt es kaum mehr los. Einige «Crate Diggers» haben für die Weltmusik in den letzten Jahrzehnten archivarische, manchmal archäologische Arbeit geleistet. Und dadurch unsere eigene Sammlung anwachsen lassen.
Da wäre z.B. Jannis Stürtz von Habibi Funk Records in Berlin, der sich in die Klänge der arabischen Funk und Soul Grooves der 60er und 70er verliebte, und in schöner Regelmässigkeit seine Fundstücke wieder allen zugänglich macht. Ein Interview zu seiner Arbeit gibt’s z.B. auf Das Filter.
Oder Samy Ben Redjeb und sein Label Analog Africa in Stuttgart. Seine Fundgruben stehen in Süd- und Westafrika, aber auch in Peru und Ecuador. Ein grosses Interview über seine Leidenschaft gab er dem Blog Superfly Records. Da ist Miles Cleret von Soundway Records in London, der neben seinen Archiv-Arbeiten auch aktuelle Bands unterstützt und fördert.
Es gibt Produzenten wie die Crew von Bongo Joe in Genf, die in diesen Tagen den zehnten Geburtstag ihres Labels feiern. Oder Christian Pliefke von CPL-Music und Nordic Notes in Langenzenn, der seine Fühler in den Osten Europas, das Baltikum und bis nach Russland ausstreckt. Dank ihm, resp. seinen Compilations hört man hier im Westen, wie Belarus klingt, oder Sibirien.
Geschäftsmodell und Sparmassnahme
Es gibt die Compilation-Reihe von Putumayo, die mittlerweile wohl gegen 100 Produktion vorlegen kann, oder die Crew von Vampi Soul, welche (fast) vergessene Aufnahmen aus der Latin-Welt neu auflegen, oder eigene Compilations zusammenstellen.
Ich habe auch ein bisschen geschwindelt, und spiele eine Scheibe in dieser Playlist 25-37 an, welche eigentlich die Musik eines Multimedia-Theaterstücks ist: Avenida Paulista, ein Porträt der wohl wichtigsten, gleichnamigen Strasse in São Paulo, Brasilien. Das Theater-Stück hat einen eigenen Instagram-Auftritt.
Die zweite Schwindelei: Ein Link auf die Playlist von Artlink. Das ist die Kultur-Agentur, welche die schweizerische Entwicklungsorganisation DEZA 40 Jahre lang unterstützte. Die Agentur brachte Musiker, Schriftstellerinnen, Künstler aller Genres in die Schweiz, und verhalf umgekehrt Schweizer KünsterInnen zu Touren, Ausstellungen und Auftritten im Ausland. Artlink wird sterben, denn die Finanzierung durch den Staat fällt bis 2029 dem Rotstift zum Opfer. Was u.a. bleibt, ist eine ausführliche Playlist, die aufzeigt, wie vor allem die Secondas und Secondos die einheimische Musikszene bereichert haben. Ein Artikel des Blogs «Journal B» zeigt die Folgen dieses eidgenössischen Sparentscheids.
Wo immer möglich wird auf eine Rezension der entsprechenden Produktion in diesem Blog hingewiesen. Ansonsten auf externe Quellen. Die Links in der Songliste helfen da weiter.