Pod’Ring 2026 Dritter Konzertabend

10.7. Podring 2026 Biel/BienneDiese Konzerte standen auf meinem Kalender für den Donnerstag Abend am Pod’Ring: Inuit Pagoda, Chicharron und Gabi Devilleneuve. Also Jazz, Cumbia, Chanson.

Inuit Pagoda

Die einheimische Jazzformation Inuit Pagoda eröffnete den Abend. Gitarre, Keys mit analogem Synthesizer, Sax mit ausgewachsenem Pedal-Angebot, und ein Schlagwerker, der dem Takt mehr vertraut als dem Rhythmus. Der Beat sitzt, wird auch gnadenlos durchgezogen. Wo in anderen Kontexten / Kompositionen der Harmoniewechsel oder die möglichen Tempiwechsel durch klare Arrangements angezeigt werden, sind die Musiker live auf die steigenden oder abschwellenden Synth-Wolken als Wegweiser angewiesen.

Die Gitarre lässt ihre Loops in langen Schlaufen laufen, während das Keyboard neue Klangspiralen baut. Der Saxophonist lässt Melodien verwehen, lässt sie durch seine Effektgeräte laufen, ist mehr Klangmaler als Solist und deshalb auch sehr oft auf den Knien zu sehen. Es ist als würde man Aquarellfarben auf ihren Wegen über das feuchte Papier zuschauen.

Das Publikum wird schon am frühen Abend in Tranceklänge gehüllt. Auch diese Band hat ihre Aufnahmen auf bandcamp platziert.

Chicharron

Cumbia und Frohsinn sind mit der in Frankreich ansässigen, nach Kolumbien ausgerichteten Truppe Chicarron angesagt. Hier werden keine Experimente gemacht, sondern die Festlaune gehoben. Die Orgel holt die besten Farfisa-Klänge aus den Speichern, die Gitarre weint und rockt, die beiden Perkussionisten halten die Rhythmus-Maschine am laufen, der Sänger ist gleichzeitig ein Multiinstrumentalist, und das Publikum wiegt sich dazu im Rhythmus. Ein bisschen Fernweh nach Amazonien kommt auf.

Tout Bienne ist da, der Platz gut gefüllt, nicht dicht gepackt, sondern angenehm. Man quatscht, klatscht und lässt es sich gut gehen. Es herrscht Feststimmung, aber ohne den Zwang überborden zu müssen, nur weil «Fest» angesagt ist. Das wirkt zurück auf die Bühne. Man sieht, dass die Musik gefällt, spielt solide und engagiert, aber will nicht das Fest aus den Angeln heben. Wer ein Ohr voll mitnehmen will, das ist hier zu haben.

Gabi Devilleneuve & Olivier Catteau

Wie klingt französisches Chanson? Wie Gabi Devilleneuve bin ich versucht zusagen. Natürlich gibt es viele andere Interpreten dieses Genres, inkl. der Ikonen wie Brel, Brassens oder Dassin. Aber alles das klingt an, wenn Gabi Devilleneuve seine Alltagsgeschichten singt. Mit Olivier Catteau hat er einen Sideman mit Akkordeon und Klarinette, der ihn auf jedem poetischen Schlenker, jedes erzählerische Atemholen begleitet.

Es ist ein charmantes Konzert, das ein wenig an eine heile Vergangenheit erinnert, die es wohl nie gegeben hat. Die beiden halten das Repertoire durch einen geschickten Mix aus Tempo- und Rhythmuswechsel offen und spannend. In einer Moderation stellte Devilleneuve fest, dass es schon etwas anstrengender sei, so ganz ohne Band, «alleine mit meiner Holz-Gitarre und meinem treuen Begleiter», durch sein Repertoire zu spielen. Doch das ist kokettieren auf sicherem Territorium.

Die Chanson von Gabi Devilleneuve gibt’s nicht auf bandcamp, aber z.B. auf Deezer.

Pod’Ring 2026 – die Reportage:

Dienstag, 7.7.: Compota de Manana, Yaràkä

Mittwoch, 8.7.: Orange Radio, La Mossa, Edredon Sensible

Donnerstag, 9.7.: Inuit Pagoda, Chicharron, Gabi Devilleneuve & Olivier Catteau

Freitag, 10.7.: Yalla Miku, Nnavy, Valérie Ékoumè

 

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