Pod’Ring 2026 Zweiter Konzertabend

Edredon Sensible live @ Pod'Ring 2026Pod’Ring am Mittwoch Abend hiess: Abenteuerliche Klangspaziergänge mit Orange Radio, gekonntes a capella Repertoire mit La Mòssa und nicht wirklich «sensible» Sounds mit Edredon Sensible.

Orange Radio

Erst dachte ich, dass die Truppe aus Zürich aus demselben Nest entflogen wäre, wie Löwenzahnhonig. Doch dann wurden die Beats härter, klarer, die Gitarre machte Ausflüge. Die Stücke begannen oft als Spaziergang, doch wurde daraus schnell ein Hürdenlauf, ein Sprint durchs Unterholz der Harmonien.

Getragen werden die Grooves von einem Bass in tiefsten Lagen, ruhend, schreitend, während die Gitarre links und rechts die Büsche mit einem Klang-Trimmer zurechtstutzt. Schlagzeug und Congas / Perkussion unterstützen über weite Strecken den Bass, und fordern zwischendurch die Gitarre dazu auf, noch weitere Gebiete zu entdecken. Wenn die Abenteuerlust sehr groß wird verlassen selbst die Rhythmus-Instrumente einmal entworfene Arrangements, behalten sicher den Beat, aber geben die Metrik auf.

Die Klang-Exkursionen von Orange Radio gibt’s auch auf bandcamp.

La Mòssa

Die vier Sängerinnen von La Mòssa sind eine Klasse für sich. Vier Stimmen, verschiedenste Trommeln und Perkussionsinstrumente und eine Synchronizität, wie sie nur durch jahrelanges Zusammenspiel erreichbar ist.

Es sind Geschichten aus dem Alltagsleben, ein paar Griffe in die Truhen des traditionellen, südfranzösische Liederbuchs. Sogar ein paar englische Refrains sind hörbar. Es klingen gewisse Harmonien von Malicorne (YouTube) an, einem der Urgesteine der französischen Folk-Renaissance aus den 70ern. Italienische Texte sind hörbar, ein Partisanenlied, weder Bella Ciao noch Avanti Popolo. Die Arrangements der Stimmen sind sehr abwechslungsreich, die Perkussion wackelt nie, trotz zuweilen verschränkt-komplexen Rhythmen. Die Zugabe, ganz ohne Perkussion, klingt dann schwedisch, oder mindestens skandinavisch.

Leider funktionieren die Zwischenmoderationen in der Feststimmung am Ring in der Altstadt von Biel nicht so gut wie im Club, aber das ist meckern auf hohem Niveau. Zudem: wer versteht schon Okzitan… ? Aber wer die Ohren spitzt kann hören, wie aus dem Inhalt eines Vorrats- und Kühlschranks, gepaart mit einigen Menu-Ideen ein Song wird – witzig, charmant, gekonnt. Die vier Musikerinnen entschuldigen sich zum Abschied schon fast, dass sie erst zwei Alben eingespielt haben, das jüngste «Wanda Pétrichor» (bandcamp) auch schon vor drei Jahren. Viel wichtiger aber sei, dass sie an so schöne Orte wie das Pod’Ring in Biel eingeladen würden und live spielen könnten – das sei das echte Musikerinnen-Leben.

Edredon Sensible

Der Name der nächsten Band kann zu falschen Vorurteilen führen. Denn da ist so ziemlich nichts «sensible» an der Musik und dem Auftritt von Edredon Sensible aus Toulouse. Zwei Schlagzeuge, zwei Saxophone. Ihr Kredo: Brûle Babylone mais toujours par la Bouche. Leur but ? La catharsis. Frei übersetzt: Brenne Babylon, das Feuer kommt aus den Instrumenten. Das Ziel: die totale Trance.

Der muss man sich auch hingeben, denn es ist der wohl einzige Zugang zu diese harten, repetitiven Sounds, die durch die beiden Schlagzeuge vorwärts geprügelt werden, denn es arbeiten Berserker an den Trommeln. Die beiden Saxophone funktionieren mit klarer Lead und Hook-Verteilung: Das Sopransaxophon übernimmt die Riffs und fungiert als Bass, das Baritonsax fräst durch die Harmonien und Gehörgänge. Schmirgelsounds für die Gehörgänge; gibt’s auch als Konserve (Bandcamp), doch diese Musik wirkt garantiert physischer in der Live-Situation.

Pod’Ring 2026 – die Reportage:

Dienstag, 7.7.: Compota de Manana, Yaràkä

Mittwoch, 8.7.: Orange Radio, La Mossa, Edredon Sensible

Donnerstag, 9.7.: Inuit Pagoda, Chicharron, Gabi Devilleneuve & Olivier Catteau

Freitag, 10.7.: Yalla Miku, Nnavy, Valérie Ékoumè

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