Der Pianist Roberto Fonseca und der Cellist Vincent Ségal haben endlich Zeit gefunden, ihre langjährige Bekanntschaft mit einer gemeinsamen Produktion zu feiern – wurde auch Zeit!
Es ist eine jener Produktionen, der man sofort verfällt, so man genre-ungebundene Musik gern hat und Harmonie hoch schätzt. Die elf Titel erzählen Geschichten aus dem Werdegang der Musiker. Beide sind in klassischer Musik geschult, beide haben sich oft in den Dienst von anderen Musikern gestellt, und beide kennen die Welt der Improvisation. Jene, die aus der Kunst des Zuhörens, des auf-einander-Eingehens entsteht, oder auch aus dem Umgang mit Jazz und ungewohnten Klangwelten.
Sieben Melodien von Fonseca, vier von Ségal dienen als Vorlage. Aus diesen Blaupausen entstanden in fünf Studiotagen in Havanna diese improvisierten Interpretationen, so die Entstehungsgeschichte. Doch die Musik atmet eine Gemeinsamkeit, die weit über dieses Zeitfenster hinaus reicht. Das Paris des 20. Jhs. mit seinen Clubs, Cafés und Jazzlokalen spielt eine wichtige Rolle in diesen Aufnahmen, die Romantik der Stadt, ein Ort der Sehnsucht und des künstlerischen Selbstbewusstseins. Auch ein Kontrast zum Ort der Aufnahme: Havanna, ebenfalls eine sprudelnde Quelle und Schmelztiegel von Musik und Rhythmen, von Kreativität und Hoffnungen.
An solche Assoziationen haben die beiden Musiker wohl weniger gedacht, als sie sich für die Aufnahmen trafen. Denn es geht ihnen hörbar vor allem um eines: die Kunst, aus Handwerk und Einfühlsamkeit Stimmungen wachsen zu lassen, Harmonien, Gemeinsamkeiten, Erinnerungen, Träume, Vertrautes, aber ohne Patina. Sehr erfrischend ist es zu hören, dass an einigen Stellen Fonseca mit jazzigen Ausbrüchen die sonst fast zu harmonische Stimmung etwas durcheinander bringt.
Wieder eine Aufnahme, für die man die Augen schliessen und sein Kopfkino einschalten sollte. Es ist die Einladung zu einer grandiosen Reise!
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