Shye Ben Tzur, Jonny Greenwood & The Radjasthan Express – Ranjha

Cover von Shye Ben Tzur, Jonny Greenwood & The Radjasthan Express – RanjhaRund zehn Jahre vergingen bis zur zweiten Zusammenarbeit von Shye Ben Tzur, Jonny Greenwood und ihren Sängern und Musikern des Radjasthan Express.

Auf die Frage des englischen Fachblatts «Songlines», warum das so lange gedauert habe, antwortete Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood: «Wir dachten, «Junun» (aus dem Jahr 2015) könne nicht nochmals, besser eingespielt werden.» Nach zehn Jahren wagten sie dennoch einen zweiten Anlauf: Sänger Shye Ben Tzur, Gitarrist/Bassist Jonny Greenwood und beinahe dieselben Musiker und Musikerinnen aus Rajasthan. Doch unter ganz anderen Umständen und Vorzeichen.

War «Junun» in Radjasthan eingespielt worden, sassen sie nun im Studio von Greenwood in Oxford. Auch wurden zusätzliche Musiker eingeladen: Jyotsna Skrikanth und ihre Geige, Jazzdrummer Tom Skinner setzte sich dazu, und Harmonium-Spieler Zakir Ali Qawwal erhielt statt seines gewohnten Instruments einen Moog Sythesizer. Das Zusammenspiel war intensiv, wie vor zehn Jahren. Später sollte Greenwood noch Ergänzungen und einige Overdubs hinzufügen, aber ansonsten war es die gleiche Situation und Absicht: zusammen die Tradition in moderner Form neu aufleben lassen.

Zeit spielt allerdings bei diesen Aufnahmen eine weit wichtigere Rolle als vor zehn Jahren, d.h. die Songs wurden kürzer, vor allem die Intros fallen weg; der lange Atem der fernen Heimat dieser Qawwali-Sufi-Musik weicht dem kürzeren Atem Englands. Greenwood versucht, so wenig wie möglich auf die Arrangements von Shy Ben Tzar einzuwirken. Er webt dafür den Sound etwas enger, findet harmonische Brücken zwischen der Sufi-Tradition und westlichen Hörgewohnheiten, die oft erst beim wiederholten Hören entdeckt werden.

Beide Musiker sind sich bewusst, dass es nicht einfach ist, in diesen kriegerischen Zeiten eine solche Produktion einzuspielen und zu veröffentlichen. Es war schon ein Ding der Beinahe-Unmöglichkeiten, dass sie im Dezember 2024 zusammen an einem Festival im Süden Israels auftreten konnten. Und jetzt, mitten in den Kriegen, eine solche Produktion veröffentlichen? Doch Shy Ben Tzar definierte es schlussendlich so:

Ich glaube nicht, dass Musik weltweit etwas bewirkt, aber ich kann sagen, dass Musik mein Leben verändert hat. Sie hat mich aus dem kleinen Ort, in dem ich aufgewachsen bin, herausgeführt und mir eine ganz neue Kultur eröffnet. Das ist etwas, was Musik bewirken kann. Sie kann einem Inspiration schenken.
Aus einem Artikel im Fachblatt Songlines, Mai-Ausgabe 2026

Für Leute mit offenen Ohren kann diese Produktion den Zugang zu gleich mehreren Kulturen ermöglichen. Man sollte aber wenn möglich ein klang-abenteuerliches Herz mitbringen.

Rating: ★★★★☆ 

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