Souad Massi – Zagate

Cover Souad Massi - ZagateDie neuen Lieder von Souad Massi sind Reflexionen über unser Heute, pendelnd zwischen Zorn und Nachdenklichkeit, in Klang gesetzt zwischen Härte und Verletzlichkeit.

Zagate ist ein Album mit elf Melodien, die eine zerrissene und mitfühlende Seele spiegeln. Souad Massi hat sich gegenüber Telerama so zu ihrem Album geäussert:

Zagate entstand aus dem Chaos der Welt, in der wir leben, und aus meiner eigenen Wut. Der Ton ist rockiger, nervöser. Zwischen Arbeitslosigkeit, Imperialismus, geopolitischen Umwälzungen, der Verzweiflung der Migranten, der Zerstörung des Planeten und den Mächtigen, die ihn ohne Rücksicht auf Moral unter sich aufteilen, wird alles immer schlimmer, und ich verstehe, dass junge Menschen Angst vor der Zukunft haben.

Zagate ist eine algerische Abwandlung des französischen Ausdrucks «ça se gâte», was soviel heisst wie: «die Lage verschlechtert sich». Etwas profaner: Alles geht den Bach runter.

Doch die Sängerin will nicht nur klagen, sie will verstehen. Ein zentraler Gedanke diese Albums dreht sich um ein Zitat des Philosophen Avarroës, a.k.a. Ibn Rushd (1126 – 1198). Der fasste das Unheil dieser Welt so zusammen

Unwissenheit führt zu Angst, Angst führt zu Hass und Hass führt zu Gewalt. Das ist die Gleichung.

Souad Massi möchte verstehen, um nicht in diesen Strudel gezogen zu werden. Es ist auch ihr Antrieb, Songs zu schreiben. Im Gespräch mit Russ Slater Johnson von Songlines sagt sie es so:

Ich verwandle was ich sehe und fühle in Musik. Es ist mein Weg, nicht zu verstummen, in Resignation abzutauchen… Nur wenn ich kreativ bin bleibe ich auf der Seite der Hoffnung.

Um den Texten auch Schub zu verleihen, greift Souad Massi seltener zu ihrer akustischen Gitarre, lässt vielmehr Produzent Justin Adams seine Rockgitarre knallen. Das verleiht dem Album eine harte, eine kantige Seite, die so von dieser Sängerin noch nie gehört wurden (ausser vielleicht in den 90erJahren, als sie noch in Algerien Sängerin der Hardrockband Atakor war – ein kurzer Ausschnitt aus «Fight the Evil»)

Doch die Sängerin ist nicht nur laut und anklagend. Von den elf Songs ist rund die Hälfte in ruhigen, melancholische Folk-Melodien, für die sie geliebt wird. Was nicht heissen will, dass sie weniger zum nachdenken anregen. Denn in zwei davon lässt sie z.B. Slam-Poet Gaël Faye über die Gleichwertigkeit aller Menschen philosophieren, oder seinen Kollege Youssoupha über die Greueltaten der Militärs im Kongo sinnieren.

Diese Produktion ist nicht bloss eine Liedersammlung, sondern ein Statement: für die Menschlichkeit, für die Hoffnung. Da muss man Kante zeigen.

Rating: ★★★★★ 

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