Tuuletar gönnten sich nach mehrmaliger Globus-Umrundung eine Auszeit, und sind jetzt mit ihrem dritten Studioalbum zurück: dynamisch, vielseitig, kraftvoll.
Die von Tuuletar besungene Mutter ist unsere Erde. Wenn man bedenkt, wie eng verwandt, manchmal fast schon schamanisch verzahnt, die Lieder der finnischen Tradition mit der Natur sind, ist das Thema fast zwingend. Wer in den vergangenen Wochen nur die beiden Singelauskopplungen des neuen Albums gehört hat, war vielleicht schon überrascht. Denn die vier A capella Ladies setzen auf Subbässe (dank Fusspedalen), klare Beats (dank Trommel und Beatboxing) und Schub (dank Arrangement und Können).
Wer aber ein bisschen weiter durch die letzten Alben zurück blättert merkt: die Ladies haben sich nicht prinzipiell neu erfunden, sind aber konsequenter, erfahrener und (selbst)sicherer geworden. «Maamoo» setzt nämlich mit den kräftigeren Songs die Ideen der ersten Produktion «Tules Maas Vedes Taivaal» fort – es darf getanzt werden! Die weicheren, versponneneren Kompositionen setzen fort, was den Kern der zweiten Produktion «Rajatila» ausmachte: Stimmung, Emotion.
Jetzt sind beide Klangwelten zusammengefügt – ausgefeilter und ausbalanciert weitergeführt. Die Ladies sagen zu ihrer Arbeit:
In unserer Musik haben rohe Urkraft und Zeitlosigkeit, das Heimatdorf und die weite Welt schon immer nebeneinander existiert… Dieses Album ist eine Hommage an das Brückenbauen, an fragile Lebensräume, an Vielfalt und vor allem an die Hoffnung.
Verändert hat sich die Songschreiberei: Waren früher die Tradition und die Poesiewelt der Kalevala eine gerne genutzte Inspirationsquelle, können Tuuletar mittlerweile auf einen persönlichen Erfahrungsschatz an Erlebnissen, Gedanken und Geschichten zurückgreifen. Sie schreiben jetzt aus sich heraus, wie sie die Welt sehen und erleben.
Verändern wird sich bald auch die relative Ruhe der vergangenen Auszeit, denn die ersten Konzerte stehen an. Es dürfte, auch für Leute, welche die Band schon einige Male erlebten, interessant sein zu hören, wie die Vier die dichte und komplexe Produktion auf die Bühne bringen. Es wird gelingen, denn die vier Sängerinnen sind heute mehr denn je Meisterinnen ihres Gesangs und ihrer Klangdynamik.
Kleine Hörempfehlung: Nicht durch das Album hüpfen, sondern als Ganzes geniessen. Wahrscheinlich wird man/frau nach dem letzten Song erst mal ein paar Minuten lang den Klängen nachspüren – und dann wieder auf Start drücken.
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