Kronos Quartet

6. Dezember 2014  
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kronos-facebook-gsDie Anfänge des Kronos Quartet liegen in den 70er Jahren. Seither ist das Quartett mit einem Repertoire zwischen klassischen Neutönern und Minimal Music Komponisten, Jazzern, Rockern und Performing Artists an den Rändern zur Musik der wohl biegsamste Streicher-Klangkörper des Planeten. Immer auch auf der Suche nach musikalischen Abenteuern. Was ihnen nicht nur einen randvollen Tourplan beschert, sondern im Lauf der Jahrzehnte wohl fast jede erdenkliche musikalische Auszeichnung eingebracht hat.

Das Quartett ist nicht nur mit eigenem Repertoire ständig rund um den Globus unterwegs, sondern sie sind auch begnadete Kollaborateure. Ob das nun mit der Performerin Laurie Anderson ist, mit der indischen Filmsong-Ikone Asha Boshle oder mit Tangopionier Astor Piazzolla. Und sie fördern den musikalischen Nachwuchs mit ungezählten Projekten.

Diskografie (ganz kleiner Auszug)
1985: The Kronos Quartett plays music of Thelonious Monk
1991: Five Tango Sensations (mit Piazzolla)
1995: Heat (Filmsoundtrack)
2001: Steve Reich – Triple Quartet
2005: You’ve Stolen My Heart ( mit Asha Boshle)
2011: Uniko (mit Kimmo Pohjonen und Samuli Kosminen)
2014: A Thousand Thoughts

Kronos Quartet – A Thousand Thoughts

6. Dezember 2014  
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kronos-quartet-a-thousand-thoughts-gsDie vier Saiten-Spezialisten des Kronos Quartett haben aus ihrem riesigen Archiv eine grosse Handvoll Juwelen aus verschiedensten Sessions mit anderen Musikern zu einer spannenden Weltreise zusammen gefasst.

Wenn sich die vier Musiker von Kronos auf andere Musiker einlassen, dann mit Haut und Haar – und dies ist manchmal wörtlich zu nehmen. Eine kurze Anekdote aus dem Booklet: Als sie mit der chinesischen Pipa-Spielerin Wu Man zusammen arbeiteten, nutzte Hank Dutt einen Pferdehaar-Bogen, der sonst zum spielen der Pferdekopf-Geige verwendet wird. Die anderen Musiker lernten mit Gong und Pfeifen umzugehen. Abenteuer ist eben ein Grundmotto des Quartetts.

Was haben sie aus den Archiven geholt? Besagte Zusammenarbeit mit Wu Man, eine irische Melodie eingespielt mit Tony MacMahon, eine Komposition von Terry Riley interpretiert von Chor Le Mystère des Voix Bulgares, ein Tango mit Astor Piazzolla, ein Song mit der Bollywood-Ikone Asha Boshle. Die Bandbreite ist enorm. Für mich ist diese CD keine Sammlung von Melodien und Liedern sondern bestes Kino im Kopf. Stimmungen, Skalen versetzen mich sofort in andere Länder, nie wirken die Szenen überzeichnet. Es ist eine lange Traumreise auf einer ruhigen Wolke.

Wer das musikalische Abenteuer liebt und gerne im Kopf reist: hier ist ein perfekter Guide für mindestens ein Mal rund um die Welt!

Rating: ★★★★★ 

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Kimmo Pohjonen, Samuli Kosminen, Kronos Quartet – Uniko

2. Juni 2011  
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kronos-quartet-pohjonen-unikEin kammermusikalischer Ritt durchs Fegefeuer? Eine vertonte Sammlung von finnischen Wetterstimmungen zwischen süsser, lauer Brise und donnerndem Sturm? Und warum hält sich so eine CD in den vordersten Rängen der Worldmusic-Charts?

Finnland ist ein Akkordeon-Land, gesegnet mit Akkordeonisten, die das Klangspektrum ihres Instruments bis an die Grenzen, und dann drüber hinaus treiben. Dafür steht in dieser Aufnahme Kimmo Pohjonen. Es ist auch ein Land der Electronica- und Klang-Tüftler, hier vertreten durch Samuli Kosminen. Dazu kommt das wohl biegsamste und interpretatorisch vitalste Streichquartett unserer Zeit, das Kronos Quartet aus den USA. Die wagen jedes gehaltvolle Experiment, erst recht wenn es abenteuerlich und einmalig ist.

Pohjonen komponierte mit Uniko eine Suite in 7 Teilen. In iTunes oder bei Amazon ist die Scheibe auch zu recht unter «Klassik» katalogisiert. Die Kompositionen übernehmen gerne Strukturen der Minimal Music, die Kronos-Streicher wechseln zwischen layer-mässigen Arrangements und schwebenden bis treibenden Melodie-Fetzen und -Themen. Die Loops und Sounds von Kosminen bleiben gerne im Hintergrund, sind aber gleichzeitig der Kitt, der alles zusammenhält. Furioses und Ahnendes wechselt sich ab, Stimmungen entstehen und zerfallen gleich wieder. Dynamik ist hier eine Konstante.

Bleibt noch die Frage nach den Worldmusic-Charts? Weil diese Musik dort auf offene Ohren trifft? Weil in den Melodien jene skandinavische Verwandtschaft herauszuhören ist, die man von Mari Boine über Jan Garbarek und Wimme bis Maria Kalaniemi kennt? Ich kann es nicht beantworten. Gleichwohl kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Suite wirklich soviel Platz in den Sendungen und Playlisten der WMDE-RedaktorInnen einnimmt, dass dieser Platz (Mai und Juni  2011 Platz 2!) rechnerisch erreicht würde. Ich glaube da schwingt viel mehr der Wunsch mit, dass man diese Musik mehr hören, sich dazu Zeit nehmen sollte.

Eine aussergewöhnliche CD. Keine zum einfach mal hinhören. Dieser Suite in sieben Akten  muss man sich aussetzen, dann nimmt sie einen mit auf eine wilde Reise.

Rating: ★★★★★ 

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