WOMEX – die dritte Konzertnacht
1. November 2010
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Aller guten Dinge sind drei – und mehr wäre auch fast eine Übersättigung gewesen.
Der Ukrainer OMFO auf den Spuren von Mercan Dede: Electronica und ein Orchester, dass akustisch den gesamten Mittelmeer-Raum herbeizaubern kann. Zoreh Jooya und ihr Afghan Ensemble drehten die Zeit zurück und interpretieren das Kulturerbe Afghanistans, als weder Taliban noch Krieg das Land besetzt hielten.
Auf der off-WOMEX-Bühne gaben sich an diesem Abend junge Bands von der englischen Insel die Klinke, resp. die Geige in die Hand: Calan eröffnete den Reigen mit Enthusiasmus inkl. Tanzeinlage. 9Bach erweckten später die guten englische Folkrock-Zeit zu neuem Leben, und Mabon zielten zum Abschluss nochmals ganz klar auf die Tanzbeine.
Von Roots bis Hip Hop
Roots-Musik im besten Sinne kam von der Samba Chula de São Braz: sie brachten eine Urform von Samba auf die Bühne, welche so nur noch ganz selten gepflegt wird. Umso erfreulicher der Generationenmix auf der Bühne. Karina Buhr ihrerseits konnte mit ihrem Mix aus Brazil-Rock, Psychedelik, Theatralik und Rocky Horror Picture Show-Anleihen weniger überzeugen.
Die Gunst der Stunde – ein Foyer voller ausgehfreudiger junger Kopenhagener – nutzen Bomba Esteréo aus Kolumbien. Selbst wenn ihre Songs sich oft in den eigenen Loops verirrten, und die Stimme etwas monoton stakkatohaft daherkam: Die Party ging ab. Auf der gleichen Bühne setzten die türkischen Baba Zula mit ihrem Hippie-Techno-Tradition-Funk später noch einen drauf.
Grandiose InterpretInnen
Oben im Saal wurde geschwelgt: Der neue, aufgehende Stern der algerischen Chaabi-Tradition Kamel el Harrachi wusste nicht nur die zahlreich anwesende, algerische Diaspora zu erfreuen. Dobet Gnahoré bezauberte einmal mehr das Publikum mit einer sensationellen Bühnenpräsenz, ihrer charismatischen Stimme und einer Band, die die Songs wirklich auf den Punkt genau interpretiert. Aus Portugal zum Abschluss ein Akkordeon-Quartett: Danças Ocultas. Sie zeigten, dass das unscheinbare kleine diatonische Akkordeon (bekannt auch als Wiener Modell oder als Schwyzerörgeli) zu konzertanter Hochform auflaufen kann.
WOMEX – die zweite Konzertnacht
30. Oktober 2010
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Nathalie Natiembé zeigt die Krallen und bietet ein robustes, rockiges Konzert. So tönte La Réunion wohl noch nie. Nidi D’Arac lieferte Taranta-Power-Folk mit etwas elektronischem Dubparfum. Joaquin Diaz hat aus seiner Heimat den Merenge und den Cumbia mit ins etwas kältere Kanada gebracht.
Auch Kopenhagens Nachtschwärmer haben die WOMEX entdeckt. In einige Konzerte kommt man gar nicht mehr rein (z.B. im Nordic Club). Aber auch im Foyer geht die Musik manchmal in den Gesprächen unter. So kriege ich nur mit, dass Fatoumata Diawara ihre Band neu formiert hat, und die Songs viel ausgefeilter daherkommen. Wer zu wenig von ihrer Musik hört, wird von ihrem Charme gefangen genommen.
Für’s Ohr und für’s Bein
Das Sexteto de Tabalá de Palenque zeigt, dass Gesang und Rhythmus genügen, um zum Tanz zu bitten. De Temps Antan belegen, dass die französische Polyphonie im fernen Quebec sehr gut gepflegt wird. Und auch Mozambik zeigt, dass die Tradition, hier in der Form einer M’Bila, von den Jungen in die Gegenwart gespielt werden: Cheny Wa Gune und sein Quarteto.
V.M.Bhatt bezaubert mit seiner Slide-Gitarre und seinem neuen Ensemble Desert Slide im grossen Konzertsaal, während Oudaden im Foyer mit ihren Berber-Rhythmen direkt auf die Tanzbeine zielen.
Finnisch-schwedische Lieder
Ruhig und bezaubernd die Vorstellung von Maria Kalaniemi. Sie stellt Lieder aus ihrem aktuellen Album «Vilda Rosor» vor. Und oben im Saal singt Houria Aïchi von wilden Pferden und edlen Rittern. Chicha Libre bringen zum Abschluss einen Schuss peruanisch angehauchte Nostalgie nach Kopenhagen.
WOMEX – die erste Konzertnacht
29. Oktober 2010
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Egal wie vertraut man mit Worldmusic ist: WOMEX ist die Überladung. Erst mal die Messe und die zahllosen Begegnungen. Am Abend dann das Konzertprogramm:
Kobo Town eröffneten den vollen ersten Konzertabend mit einem Mix aus Calypso und Reggae. Liber Teran ist der ehemalige Sänger von Los De Abajo, hier mit seiner aktuellen Truppe: abtanzen angesagt mit Sounds zwischen Humpa Mexiko und Bob Dylans Mundharmonika. Doch, das geht!
Cristina Pato, die Königin der galizischen Dudelsackspezialisten liefert ein Set mit etwas Hang zur Theatralik. Yemen Blues, ein Israel/USA Projekt sieht aus, als stünde Lenny Kravitz mehrfach auf der Bühne, aber der Sound stammt definitiv aus einer sandigen Gegend.
Fado und Klezmer-Jazz
António Zambujos Musik vertritt den Fado: Souverän, mit einer Band die jede Nuance mitmacht! Taifas aus Spanien versuchen etwas gar viele Einflüsse in ihren Flamenco zu mixen, Tremor spielen den argentinischen Psychedelik-Electronica-Folk, und Yom, der selbsternannte neue Klezmer-König, wirft die Klezmermelodien aus dem wohlig schunkelnden Klezmer-Stedl in die Jazzwelt und die Improvisation.
Gebrochene Rhythmen und Gitarrenriffs gibt’s dann aus dem Süden Madagaskars mit Damily, und spanischen Frauenpower mit Las Migas: herzlich und frisch. Dass Fado auch eine Mundharmonika bestens integrieren kann beweist das Stockholm Lisboa Projekt.
Papa Wemba benutzt die WOMEX für so was wie ein Comeback und als Vorgeschmack auf seine bald erscheinende CD. Zum Abschluss überholten sich LaBrassBanda gleich selber mehrmals. Sie drehen so lange am Tempohebel, dass sich der Twitter-Kollege von Songlines am frühen Morgen etwas beschwert: er konnte nicht einschlafen, weil er zu aufgedreht war…….
WOMEX – Kopenhagen erwartet die Welt
23. Oktober 2010
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Was Rang und Namen, Interesse oder Ambitionen hat, trifft sich in der letzten Oktober-Woche in Kopenhagen. 2’700 Promoter, Musiker, Booker, Journalisten und Delegierte von verschiedensten Organisationen aus 92 Länder, die alle irgendwie was mit Weltmusik am Hut haben fachsimpeln, lernen sich kennen, schliessen Verträge ab oder gehen an eines der rund 60 Konzerte.
An den Konferenzen wird über die neusten Trends und Stile aus Mosambik oder Ozeanien debattiert. Oder einmal mehr nach einer Möglichkeit gesucht, Musikern aus dem Süden Visas für ihre Konzerttätigkeiten zu verschaffen, ohne sich jedes Mal mit Behörden und Politik auseinander setzen zu müssen.
Im Konzert-Fahrplan tauchen Namen auf, die schon jetzt klingen. Oder aber solche, die im nächsten Jahr an den Festivals und in den Clubs lauf Tour gehen: Antonio Zambujo, LaBrassBanda, Maria Kalaniemi, Chicha Libre sind nur vier von fast sechzig Namen, am besten gleich den Player auf der homepage anwählen und überall reinhören!
globalsounds.info berichtet ab Donnerstag live von der grössten Worldmusic-Messe der Welt.
WOMEX Professional Award an Ian Anderson von fRoots
17. Juli 2010
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Seit über dreissig Jahren publizieren Ian Anderson und sein Team die Fachzeitschrift fRoots (früher Southern Rag und Folk Roots). Jetzt verleiht ihm die WOMEX-Jury den Preis für «Professional Excellence». Sinnigerweise in einem Moment, in dem Anderson und seine Crew um’s Überleben ihres Printproduktes kämpfen. Darum ist auch der leicht bittere Ton im Editorial der aktuellen Ausgabe von fRoots nicht zu überhören:
It’s a timely and welcome indication that the business side of the scene does still appreciate the role that the specialist press plays, something that I had begun to doubt of late.
Hier ist die Begründung der WOMEX-Jury nachzulesen.
WOMEX 09 – ein kurzer Rückblick
3. November 2009
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Die Zahlen der WOMEX, Ausgabe 2009, sind beeindruckend: 2700 Delegierte, 1425 Unternehmen aus 90 Ländern, 750 CD-Labels, über 300 Journalisten, 650 Organisationen an 320 Ausstellungsständen und 60 Konzerte innerhalb von 4 Tagen auf 6 Bühnen, etc. pp.
Der scheidende WOMEX-Generaldirektor Gerald Seligman hob in der Schlussrede neben all den Danksagungen aber eine Tatsache hervor: Viele Musikmessen mussten 2009 mit 30% oder mehr Aussteller-Rückgang kalkulieren. Einige, wie die Pop-Komm, musste ganz abgesagt werden. Für die WOMEX resultierte ein Rückgang von knapp 4%. Für ihn GRund zuer Freunde, denn: «Wir arbeiten in einem Genre, das schon immer ohne grosse Budgets haushalten musste. Und uns kommt zugute, dass unsere Szene vor allem eine Live-Szene ist.»
So spannend, und ermüdend, die vielen Gespräche tagsüber an den Ständen waren, so vollgepackt waren die Konzertabende im grandiosen Copenhagen Concert Center. Hier kann ein kleiner Rundgang vielleicht ein Teil der Atmosphäre wiedergeben.
Wer mehr Interviews und Konzertmitschnitte sehen will, findet die auf der Site von Mondomix.


